Oberkulm

Die Prise Jugend nach Karin Bertschi: Nachrücker Manuel Kaspar tritt erneut für den Grossen Rat an

Manuel Kaspar in der Werkstatt seiner Elektrofirma.

Manuel Kaspar in der Werkstatt seiner Elektrofirma.

Manuel Kaspar (30) aus Oberkulm ist 2019 in den Grossen Rat nachgerückt. Jetzt tritt er für weitere vier Jahre an.

Es war kein leichtes Erbe, das Manuel Kaspar vor einem Jahr im Grossen Rat antrat. Er rückte auf SVP-Parteikollegin Karin Bertschi nach, die bei den Wahlen 2016 Zugpferd-Wirkung hatte. Die Leimbacher Recycling-Unternehmerin hatte dem Kulmer SVP-Quartett zudem Weiblichkeit und Jugend verliehen; zwei Dinge, die ohne sie nicht vertreten gewesen wären.

Gut sei er damals empfangen worden, erinnert sich Kaspar. «Ich wurde im Grossen Rat von Anfang an als vollwertiges Mitglied akzeptiert.» Das Willkommenstelefon vom damaligen SVP-Fraktionschef Jean-Pierre Gallati kam schon am ersten Tag im Kantonsparlament. Und eines der Bertschi-Attribute erfüllt auch er: Mit 30 Jahren gehört der Oberkulmer Elektro-Unternehmer zusammen mit Uriel Seibert (29, EVP) und Maurus Kaufmann (30, Grüne) zu den drei jüngsten Grossräten. Den Satz: «Säg du öppis derzue, du besch no jung», hat er deshalb seit der Vereidigung im September 2019 schon mehrmals gehört. Etwa bei Themen, deren Auswirkungen ältere Grossratssemester nicht mehr spüren werden.

So war die Stimme des jungen Familienvaters, dessen zweites Kind unterwegs ist, bei der Diskussion zum Energiegesetz gefragt. «Als Projektleiter für Gebäudetechnik mache ich unsere Kunden auch auf energiefreundliche Lösungen aufmerksam», sagt Kaspar, als er sich in der Reinacher Familienfirma, die er mit Vater und Bruder führt, Zeit fürs Gespräch nimmt. Aber per Gesetz ins Budget von Hauseigentümern einzugreifen, indem ihnen statt des Sanierens einer Ölheizung die Installation einer klimafreundlichen Heizvariante aufgezwungen werde – dagegen wehre er sich. «Mit den sinkenden Anschaffungskosten für Solaranlagen und Wärmepumpen entscheiden sich die Hauseigentümer ohnehin für die neuen Technologien.»

Gelder aus Swisslos-Fonds für Vereine

In seinem ersten Grossratsjahr hat Kaspar aber nicht nur auf Vorlagen reagiert, er hat während des Lockdowns auch seinen ersten Vorstoss erarbeitet: Vereine, die wegen des Veranstaltungsverbots wegen bereits getätigter Ausgaben Einbussen erlitten haben, sollten ein Gesuch für Gelder aus dem Swisslos-Fonds stellen können. Seine Idee überzeugte: «Vor kurzem hat der Regierungsrat meinen Vorstoss genehmigt.»

Auch in der kommenden Amtsperiode möchte er wieder im Grossen Rat sitzen – diesmal gewählt. Für die Wahl am 18.Oktober ist er auf dem dritten Listenplatz der SVP Kulm, hinter Bruno Rudolf (53, Reinach) und Christian Merz (59, Beinwil am See). Es werde zur Herausforderung, den vierten Listenplatz (ihn belegt der Schöftler Daniel Wehrli, 53) halten zu können, den die Kulmer SVP in den letzten Wahlen der FDP weggeschnappt habe. Die Coronazeit mache eine Prognose schwieriger als sonst, sagt der Kandidat.

Mehr Wirtschaft ins Wynental bringen

Mit 24 Jahren trat Kaspar der SVP bei. Wegen deren Migrationspolitik. «Die SVP hat konsequent so politisiert, wie ich es sehe», sagt er. Und so wie er es sieht, läuft das eine oder andere schief.

Noch eine andere Entwicklung macht Kaspar Sorgen. Dass mit dem Abzug eines Grossteils der Industrie in den letzten Jahren auch ein Haufen Arbeitsplätze das Wynental verlassen haben.

Im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens der Oberkulmer Bau- und Nutzungsordnung macht er sich als SVP-Ortsparteivertreter dafür stark, Noch-Industriezonen in Gewerbezonen umzuwandeln. «Denn diese sind dringend notwendig, um Arbeitsplätze zurück ins Tal zu bringen.» Für Start-ups etwa, die bezahlbare Büros und Werkstätten suchen. Wenn ein solcher Ruf von einem Wynentaler Jungunternehmer kommt, könnte ihn der eine oder andere junge Unternehmer sogar erhören.

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