Moosleerau
Die Ottigers müssen ihre Stube für Asylbewerber räumen

Die Gemeinde Moosleerau kündigt einer Familie die Wohnung. Der Grund dafür ist Eigenbedarf, in der Wohnung sollen Flüchtlinge untergebracht werden. Folgt das Happy End?

Manuel Bühlmann
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Karin Ottiger lebt mit Partner Markus Schenker in der ehemaligen Hauswartswohnung – dort müssen sie nun raus.

Karin Ottiger lebt mit Partner Markus Schenker in der ehemaligen Hauswartswohnung – dort müssen sie nun raus.

Printscreen Tele M1

Eine einzige Wohnung besitzt die Gemeinde Moosleerau. Darin wohnt die Familie Ottiger – aber nicht mehr lange. Spätestens Ende März 2015 müssen sie raus, so steht es im Kündigungsschreiben. Der Grund: Der Gemeinderat will künftig Asylbewerber in der 41⁄2-Zimmer-Wohnung unterbringen. Der «Blick» machte den Fall publik.

Karin Ottiger, die mit ihrem 13-jährigen Sohn Silvan und Partner Markus Schenker in der ehemaligen Hauswartwohnung im alten Schulhaus wohnt, ist sehr enttäuscht über den Entscheid. «Wir waren froh, dass wir diese bezahlbare Wohnung gefunden haben», sagt sie gegenüber Tele M1. Ihr Partner ergänzt: «Wir Steuerzahler zahlen für die Asylbewerber, haben aber trotzdem weniger Rechte als sie.»

Freikaufen mit 8000 Franken

Die Gemeinde mit rund 900 Einwohnern müsste zwei Asylbewerber beherbergen, tut dies derzeit aber nicht. Stattdessen zahlt sie dem Kanton eine Ersatzabgabe. Deren Höhe wird nach der Anzahl der Zuweisungen durch den Bund und der Auslastungsquote der kantonalen Unterkünfte berechnet.

Letztes Jahr musste Moosleerau knapp 8000 Franken bezahlen, dieses Jahr bewegt sich der Betrag in der ähnlichen Grössenordnung. «Das ist für eine kleine Gemeinde wie Moosleerau viel Geld», sagt Frau Gemeindeammann Silvia Morgenthaler. Und die Beträge würden wohl noch steigen, weil der Kanton diese Praxis einschränken will. «Das können wir uns schlicht nicht leisten.»

Silvia Morgenthaler geht davon aus, dass der Entscheid rechtsgültig ist: «Es handelt sich um einen normalen Mietvertrag, der von beiden Seiten gekündigt werden kann. Nun haben wir Eigenbedarf angemeldet und die Kündigung ausgesprochen.» Doch den Entscheid anzufechten, könnte sich lohnen. Mietrechtsexperte Donato Del Duca sagt gegenüber Tele M1: Die Gemeinde müsse den Eigenbedarf nachweisen können, ansonsten wäre die Kündigung ungültig.

Moosleerau hat in der Vergangenheit Asylsuchende aufgenommen. Sie wohnten in einem Gebäude, das inzwischen einer Überbauung weichen musste. Der Abbruch erfolgte vor 2012, – dem Jahr, in dem die Ottigers ihre aktuelle Wohnung bezogen. Eine verpasste Chance? «Im Nachhinein war es von uns gedankenlos, dass wir die Wohnung nicht schon damals für Flüchtlinge reserviert haben», sagt Morgenthaler.

Eine Wohnung für die Flüchtlingsfamilie zu mieten, komme nicht infrage. «Wie sollen wir die hohen Ausgaben für die Miete vor den Steuerzahlern rechtfertigen, wenn uns eine geeignete 41⁄2-Zimmer-Wohnung gehört?» Ihr sei bewusst, dass die Situation für die Familie nicht optimal sei. «Aber ihr bleiben nun vier Monate, um eine Lösung zu finden.»

Ein Happy End in Sicht

Womöglich braucht die Familie die Zeit aber gar nicht. Nachdem der Fall öffentlich geworden war, meldete sich ein Hauseigentümer und stellte eine Wohnung in Aussicht: Er würde «in Moosleerau eine frei werdende geräumige 4-Zimmer-Wohnung zu einem praktisch identischen Mietzins überlassen», teilt der Gemeinderat mit.

Ob die Familie Ottiger das Angebot annehmen wird, weiss sie noch nicht. Sie will es nun prüfen.

Lesen Sie den Kommentar zur Geschichte hier.

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