In Reinach steht eins der modernsten Klärwerke der Schweiz. Genau genommen ist die ARA Reinach landesweit die zweite Anlage, die mit einer Ozonierung ausgestattet ist. Mit einer solchen zusätzlichen, vierten Reinigungsstufe werden auch Mikroverunreinigungen wie Rückstände von Medikamenten, Chemikalien oder Reinigungsmitteln eliminiert.

Drei Jahre lang war die Kläranlage im Reinacher Moos eine Grossbaustelle. Für 32 Millionen Franken wurde sie saniert und erweitert. Jetzt sind die Arbeiten abgeschlossen. Am 24. September werden die Neuerungen nun der Bevölkerung an einem Tag der offenen Tür gezeigt.

Zuerst wurde auf einem zusätzlich gekauften Landstreifen von 6000 Quadratmetern eine komplett neue Reinigungsstrasse gebaut: Abwasserzulauf ins neue Rechengebäude, Sandfang, Fettfang, Vorklärbecken und biologische Reinigung. Die alte Anlage blieb in Betrieb. So konnten die Einleitbedingungen während der ganzen Bauzeit eingehalten werden. Anschliessend sind die alten Becken saniert und integriert worden. Nicht mehr benötigte Installationen wurden zurückgebaut, neue Betriebsgebäude, Labors und die Anlage zur Eliminierung von Mikroverunreinigungen erstellt.

Ein Jahr hinter Zeitplan

Für eine solche Ozonierungsanlage hat man sich erst während des Baus entschieden – als Reaktion auf das neue Abwassergesetz, das 2016 in Kraft getreten ist. «Dadurch hat sich die Bauzeit verlängert», sagt Joe Eugster, Präsident des Abwasserverbands Oberwynental. Gegenüber dem ursprünglichen Zeitplan ist man rund ein Jahr in Verzug – aber nicht allein wegen der Ozonierung. Auch andere Faktoren haben zu Verzögerungen geführt. So etwa die Tatsache, dass man «schlechten Untergrund» vorgefunden respektive im Grundwasser habe bauen müssen. Das sei viel aufwendiger gewesen, als zunächst angenommen.

Schliesslich hat das Projekt noch eine weitere Änderung erfahren: Statt die beiden bestehenden Faultürme zu sanieren, wurde ein Neubau realisiert. «Der Aufwand für die Sanierung hat sich als viel zu hoch erwiesen», so Eugster. Im neuen Faulturm wird der anfallende Klärschlamm aufgeheizt und zum Gären gebracht. Das Faulgas wird anschliessend in einer, in Zusammenarbeit mit der IBA Aarau realisierten Aufbereitungsanlage mit Methan angereichert und als Biogas in die Erdgasleitung der Wyna Gas AG eingeleitet. Den eigenen Wärmebedarf deckt die ARA neu durch Wärmerückgewinnung aus dem Abwasser.

Im Gegensatz zum Zeitplan konnte das Budget «nach heutigem Stand», wie Eugster sagt, eingehalten werden. Dies, weil der Bund die Investitionen für die Ozonierungsanlage zu drei Vierteln übernehme.

1934 erste Kläranlage im Kanton

Die Betreiber der Reinacher Kläranlage bewiesen schon früher Pioniergeist. Bereits in den Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts hatten die Gemeinden Reinach, Menziken, Burg und Pfeffikon aus Sorge um die Wasserqualität ihrer Wyna entschieden, die Abwasserreinigung gemeinsam anzupacken. 1934 ging am heutigen ARA-Standort die erste Kläranlage im Aargau in Betrieb. 1962 war sie kantonsweit die erste zweistufige Reinigungsanlage.

Sechs Gemeinden (Beromünster LU, Burg, Leimbach, Menziken, Reinach und Rickenbach LU) gehören dem Abwasserverband Oberwynental an. Die eingeleiteten Abwässer entsprechen 25'000 Einwohnern. Industrie und Gewerbe liefern zudem eine Fracht, die weiteren rund 15'000 Einwohnern entspricht. Die neue Anlage ist für rund 55'000 Einwohner (inklusive Industrie und Gewerbe) dimensioniert.