«Einfach wunderbar, diese Aussicht!» Die Besucherin tritt über die Balkonschwelle zurück in den Raum, darauf bedacht, nicht an einem losen Kabel oder einer aufstehenden Plastikabdeckung hängen zu bleiben. Hinter ihr der Stierenberg in der Abendsonne. Auch wenn man ein bisschen aufpassen muss, wo man hintritt, gefährlich ist der Rundgang über die Falkenstein-Baustelle heute nicht. Für die Rohbaubesichtigung wurde der Betonkörper sogar herausgeputzt, das ist offensichtlich.

Es braucht etwas Fantasie, um sich hier die neue Altersresidenz im Betrieb vorzustellen. Hinweistafeln bieten Unterstützung: «Fumoir», steht da etwa geschrieben, «Wohnstube» oder «Geschützter Erlebnisgarten».

Die Arbeiten am Erweiterungsbau, dem sogenannten Haus C, der Menziker Altersresidenz Falkenstein verlaufen planmässig. Das bestätigt Bauleiter Remo Lindegger. Verzögerungen oder Überraschungen habe es bis jetzt keine gegeben. Auch finanziell sei man auf Kurs. Lindegger ist überzeugt, dass die gesetzten Termine bis zur Gebäudeübergabe am 23. Oktober eingehalten werden können.

Platz dringend nötig

Im «Falkenstein» fiebert man der Eröffnung entgegen. Schliesslich besteht eine Warteliste für die Altersresidenz. Der Neubau bringt zusätzlich 32 Pflegeplätze. Insgesamt stehen dann 90 Pflegebetten zur Verfügung. «Wir haben bereits Anmeldungen für Zimmer im neuen Haus C», sagt Geschäftsleiterin Ursula Gnädinger. Wie rasch sie sich alle vermieten lassen, sei schwer vorauszusagen. «Etwa ab September werden wir sehen, was wir an Eigenbedarf haben», erklärt sie. Denn es werde auch zu internen Umplatzierungen kommen.

Die Betriebsleiterin ist optimistisch: «Ich bin guten Mutes, dass wir die Zimmer im November/Dezember vergeben können», so Gnädinger. Bereits ab Sommer will sie den neuen Mitarbeiterstab aufbauen. «Wir möchten die neuen Mitarbeitenden zeitig einstellen, damit wir die Kultur, die unser Betrieb ausmacht, weitergeben können.» Allein das Pflegepersonal werde um drei Viertel aufgestockt, von heute 26 auf rund 44 Vollzeitstellen. Auch in der Hotellerie und Reinigung werde zusätzliches Personal benötigt. Ausserdem werde ein Koch mit Spezialausbildung gesucht. Zwar beziehe die Altersresidenz ihre Mahlzeiten weiterhin vom Spital Menziken, man wolle aber auf spezielle Bedürfnisse der Bewohner besser eingehen können.

Im neuen Haus C wird ausserdem der Empfang mit Cafeteria und Speisesaal angesiedelt sein, daneben gibts zusätzliche Gemeinschafts-, Aufenthalts- und Begegnungsräume. Die Bereiche Administration und Infrastruktur werden erweitert und betrieblich optimiert – unter anderem durch die Entflechtung der Anlieferung und des Eingangsbereichs. Ausserdem wird die Seniorentagesstätte integriert. Diese ist heute in der benachbarten Villa Herzog untergebracht. Geschützt im Herzen der Anlage wird sich die neue Demenzabteilung mit zweimal acht Plätzen befinden. Auch hierfür gebe es schon Anfragen, wie Geschäftsführerin Ursula Gnädinger sagt. Kostenpunkt des Gesamtprojekts: 18,7 Millionen Franken. Darin sind auch technische Erneuerungsmassnahmen von rund 750'000 Franken enthalten, die an den bestehenden Gebäuden ausgeführt werden müssen.

Moderat höhere Preise

Noch sind die Mietverträge nicht ausgearbeitet, die Preise nicht definitiv festgelegt. Zwischen 145 und 155 Franken werde die Pensionstaxe für ein Pflegezimmer im Neubau pro Tag betragen, sagt Gnädinger. Heute liegen diese je nach Zimmerstandard zwischen 125 und 145 Franken. Hinzu komme die gleichbleibende Betreuungstaxe von 40 Franken pro Tag und die vom Kanton festgelegte Pflegetaxe, die ein Bewohner mit maximal Fr. 21.60 aus dem eigenen Sack berappen muss. Was kostet also ein Zimmer im Neubau monatlich? Rechnet man mit einer mittleren Pensionstaxe von 150 Franken pro Tag und der maximalen Pflegetaxe wird ein Zimmer im Neubau monatlich rund 6350 Franken kosten.

Kein Senioren-Tourismus

Zum Vergleich: Ein Pflegeplatz im Senevita Alters- und Pflegezentrum Gais Aarau kostet täglich 155 Franken Grundtaxe (vergleichbar mit der Pensionstaxe) plus 62 Franken Betreuungstaxe. Im Alterszentrum Obere Mühle Lenzburg sind es für Auswärtige 158 Franken plus 50 Franken täglich. Trotz des günstigeren Angebots ist man im «Falkenstein» aber nicht darauf aus, Senioren-Tourismus zu betreiben. «Alte Bäume soll man nicht verpflanzen», so Gnädinger. «Für mich ist es wichtig, dass die Menschen in dem Umfeld bleiben können, wo sie wohl sind.» Dennoch werde man sich Anfragen von ausserhalb des Wynentals nicht verschliessen. «Wir unterstehen keiner Aufnahmepflicht», so Gnädinger. Aber wir sind bemüht, Menschen, die dringend einen Platz brauchen, aufnehmen zu können.