Forstbetrieb

Die Nerven sind angespannt — Nagen an den Finanzen der Forstfusion

«Über den genauen Verteilschlüssel der Beiträge dürfen die Gemeinden noch diskutieren», Christoph Fischer Projektleiter Forstfusion.

«Über den genauen Verteilschlüssel der Beiträge dürfen die Gemeinden noch diskutieren», Christoph Fischer Projektleiter Forstfusion.

Ab 2022 sollen die Forstbetriebe von 10 Gemeinden fusioniert sein. Vorher muss man sich noch auf Beiträge einigen. Sollte eine Gemeinde an der Sommergmeind Nein stimmen, könnte das zu Problemen wegen Kündigungsbedingungen ihres heutigen Forstverbandes führen.

Es ist eine der grössten Fusionen von Forstbetrieben im Aargau. Am 1. Januar 2022 soll der Wald von zehn Gemeinden durch den neuen Forstbetrieb Suhrental-Ruedertal gemeinsam bewirtschaftet werden. Es geht um die drei Forstbetriebe Muhen-Hirschthal-­Holziken, Leerau-Rued und Oberes Suhrental. 2107 Hektaren gross hätte er ursprünglich sein sollen, 1888 Hektaren werden es nach dem Absprung von Schmiedrued sein.

Gut angekommen ist der Rückzug der Schmiedrueder nicht sonderlich, das zeigten Aussagen, die an der Informationsveranstaltung der Fusionsarbeitsgruppe zum aktuellen Stand gemacht wurden. Der Forst-Alleingang käme für Schmiedrued nicht günstiger, war vonseiten der Arbeitsgruppe zu hören. Auswirkungen auf die Beiträge der anderen habe das aber nicht, wie Theo Kern, Geschäftsführer von Wald Aargau. Was an Beiträgen ausbleibe, würde an Aufwand eingespart werden.

Hälfte der Einnahmen immer noch vom Holz

Ziel der Arbeitsgruppe des neuen Forstbetriebs ist es, dass die Gemeindeversammlungen der entsprechenden Gemeinden im Sommer 2021 über den Beitritt abstimmen. Deshalb müssen innerhalb der ersten Monate 2021 alle nötigen Unterlagen bereit sein. Aktuell existieren Entwürfe des Leitbilds, der Strategie und der Anstaltsordnung (der Betrieb wird als eigenständige, öffentlich-rechtliche Anstalt mit einer Stimme pro Gemeinde geführt). Bis Ende Jahr werden die Dokumente dann bereinigt.

Was auf Wunsch bereits im Leitbild geändert wurde, ist das Ziel, einen möglichst hohen Ertrag aus der Holzproduktion zu erzielen. Obwohl sich auch der fusionierte Gross-Forstbetrieb an heutigen Bedingungen mit tiefen Holzpreisen und dem Wald als Freizeitparkett orientiert, soll die Holzproduktion 53 Prozent der Einnahmen ausmachen. 20 Prozent sollen Aufträge für Dritte (andere private oder staatliche Auftraggeber) einbringen, den Rest Beiträge von Kanton und Gemeinden. Trotzdem wird die Erholungsfunktion des Waldes und den gleichzeitigen Schutz dick untersticken: Ein Kompetenzzentrum für Wald, Natur und Umwelt soll der neue Forstbetrieb sein. Die Mitarbeiter würden gezielt weitergeschult. Der Förster als Generalist hat ausgedient.

Der Betrieb soll selbsttragend sein. Trotzdem sind jährliche Sockelbeiträge der Gemeinden notwendig. Sie decken ab, was die Förster im Wald für die Öffentlichkeit tun, wie es der Projektleiter und ehemalige Aarauer Stadtoberförster Christoph Fischer (Gemeinderat Moosleerau) ausdrückte. So etwa der Wegunterhalt auf 150 Kilometern oder Anlässe mit Schulklassen.

Der Unterhalt des Walswegnetztes war Thema

Die Sockelbeiträge waren denn auch ein Kritikpunkt an der Infoveranstaltung. Der Beitragsschlüssel kommt beim aktuellen Entwurf je hälftig aus der Waldfläche und der Einwohnerzahl zustande. «Die gesamte Waldfläche als Basis zu nehmen, ist ein Nachteil für Gemeinden wie uns, die viel Privatwald haben», sagte der Schlossrueder Ammann Martin Goldenberger. «Über den genauen Verteilschlüssel der Beiträge dürfen die Gemeinden noch diskutieren», so Fischer. In dieser Diskussion dürfte es nicht nur um Gemeindewald und Privatwald gehen, auch der Unterhalt des Waldwegnetztes beschäftigte die Anwesenden an der Infoveranstaltung. Ob denn im Forstbetrieb ein einheitlicher Qualitätsstandard der Wege definiert würde, fragte der Staffelbacher Ammann Max Hauri. Sonst würde die Gemeinde, die seltener Wegerneuerung mache, für diejenigen zahlen, die öfter erneuern.

Sollte eine Gemeinde – oder mehrere – an der Sommergmeind 2021 Nein stimmen, könnte das zu Problemen wegen Kündigungsbedingungen ihres heutigen Forstverbandes führen. Auch diesbezüglich sind die Nerven etwas angespannt.

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