Muhen
Die Nachfolge ist geregelt: Im Altersheim übernimmt der Sohn Stanca – und behält trotz Pandemie einen kühlen Kopf

Dass er mitten in der Pandemie Altersheimleiter in Muhen wird, bringt Lucio Stanca nicht aus dem Konzept. Bei den Bewohnerinnen und Bewohnern ist er bereits bekannt.

Flurina Dünki
Merken
Drucken
Teilen
Lucio Stanca (rechts) folgt auf seinen Vater Leonardo als Leiter des Regionalen Altersheims Muhen-Hirschthal-Holziken.

Lucio Stanca (rechts) folgt auf seinen Vater Leonardo als Leiter des Regionalen Altersheims Muhen-Hirschthal-Holziken.

Flurina Dünki

Im Regionalen Altersheim Muhen-Hirschthal-Holziken folgt Stanca auf Stanca. Leonardo Stanca (63) gibt die Leitung ab, sein Sohn Lucio Stanca (43) übernimmt. Noch ein paar Monate wird der Vater das Heim leiten, im Juni geht er nach 33 Jahren frühzeitig in Pension. Der Nachfolger ist für Bewohner und Mitarbeiter schon lange ein bekanntes Gesicht, er ist seit bald 12 Jahren Pflegedienstleiter und verantwortlich für Qualitätsentwicklung und Weiterbildung.

Zum Nachfolger erkoren (und damit zum Chef von 70 Mitarbeitenden) wurde Lucio Stanca vom Trägerverein bereits im Sommer 2019. Da wusste er noch nicht, dass der Übergabeprozess mitten in einer Pandemie stattfinden wird. Doch einen nervösen Eindruck deswegen macht er nicht an diesem Morgen. Die Zusammenarbeit mit dem Kanton klappe sehr gut hinsichtlich Corona und wirke auch mental unterstützend für Pflegeeinrichtungen: «Man merkt, dass man nicht ganz alleine ist.» Auch unter den Alterszentren der Region herrsche ein reger Austausch. Den Coronaausbruch im November bekam das Müheler Altersheim in den Griff: «Seit dem 9. Dezember sind wir coronafrei», sagt Lucio Stanca.

Freude über «einen aus der Basis»

Nebst den bekannten Vorschriften sind pro Bewohner und Bewohnerin derzeit nur zwei Besucher am Tag zugelassen. Dafür käme der Leitung Verständnis entgegen – ja sogar Unterstützung – auch von Angehörigen, sagt der baldige Geschäftsleiter. Dies sei nicht selbstverständlich in dieser angespannten Situation, wo es schnell zu Spott oder Reklamationen kommen könne.

Um die 55 Bewohnende hat das Altersheim aktuell, diese Woche wurden drei Neueintritte gemeldet. Angst vor dem Gang ins Altersheim wegen Covid ist also nicht zu verzeichnen.

Die Bewohnenden hätten sich sehr gefreut, dass Lucio Stanca der neue Leiter wird, sagt Papa Leonardo stolz. «Einer aus der Basis verstehe ihre Anliegen», hätten sie gesagt. Einer aus der Basis, sprich eine gelernte Pflegefachperson als Geschäftsleiter, das ist in der Tat etwas aus der Mode gekommen. Seit Vater Leonardo Stanca, auch gelernter Pfleger, im Jahr 1988 den Leiterposten begonnen hatte, sind mehrere Pflegeeinrichtungen privatisiert und die Chefposten mit Business-Experten besetzt worden. «Business ist gut», sagt Leonardo Stanca, «doch auf der anderen Seite des Pults sind die Bewohner». Um deren Bedürfnisse und Sorgen zu kennen, sei eine Pflegefachperson gut geeignet. Beide hoffen sie, dass der in den letzten Jahren unbeliebter gewordene Beruf durch die Pandemie grössere Wertschätzung gewinnt. Zudem, so Lucio Stanca, müsse man als Pflegerin auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten nicht lange nach einer Stelle suchen.

Die ganze Familie arbeitet im Pflegeberuf

Doch auch die Zahlen dürfte Lucio Stanca nicht vernachlässigen. Er hat kurz nach seinem Pflegediplom eine Weiterbildung zum Institutionsleiter absolviert. Überdies kennt er auch das Leben ausserhalb des Altersheims: Bevor er in den Gesundheitsbereich einstieg, arbeitete er zehn Jahre auf seinem Erstberuf Elektromonteur. Damit habe nach der Schulzeit «einen Umweg eingeschlagen, um nicht dasselbe zu lernen, wie der Vater», sagt er. Auch Bruder Saverio ist Leiter Bereich Pflege, im bernischen Langenthal. Die drei würde man bei ihrem gemeinsamen Hobby, der Jagd, wohl öfters fachsimpeln hören, wenn sie dabei nicht das Wild verscheuchen würden. Daneben ist Lucio Stanca Vater einer Tochter und eines Sohns im Teenageralter. Zu viert wohnen sie in Vordemwald.

Die Pflegefachperson als Geschäftsleiter, die Organisation in Vereinsform: In Muhen fährt man damit gut und wird die Formel auch in absehbarer Zeit beibehalten. Die Liegenschaft gehört der Altersheim-Stiftung, dem «Partner, was Gebäude angeht», wie es Leonardo Stanca ausdrückt. Das Modell Verein–Stiftung habe sich bewährt. Allzu schnell ändert sich wohl auch das nicht.