Oberwynental
Die Landschaft ist jetzt auch ein Produkt

Der Gemeindeverband aargauSüd impuls nimmt am Projekt Landschaftsqualität (LQP) teil und informiert die Landwirte und Gemeinden.

Peter Siegrist
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«Wir können viel importieren, aber die Landschaft nicht», sagt Grossrat Ruedi Weber.

«Wir können viel importieren, aber die Landschaft nicht», sagt Grossrat Ruedi Weber.

Mit der Einführung der Agrarpolitik 14-17 legt der Bund ein Bekenntnis ab zu attraktiven Landschaften. Diese sollen erhalten, gefördert werden. Mit einem weiterentwickelten Direktzahlungssystem holen Bund und Kanton die Landwirte ins Boot. Nicht mehr die Tierhaltung wird mit Zahlungen abgegolten, sondern die konkreten Bemühungen zur Pflege einer intakten Landschaft.

An der Informationsveranstaltung des Gemeindeverbandes aargauSüd impuls in Oberkulm wurde den interessierten Landwirten und den Vertretern aus den Gemeinden das Projekt Landschaftsqualität vorgestellt. Grossrat und Bio-Bauer Ruedi Weber sagte als Leiter der Projektarbeitsgruppe: «Wir können heute viel importieren, die Landschaft jedoch nicht.»

AargauSüd impuls führt dieses Projekt durch, erarbeitet das nötige Konzept bis zur Bewilligung durch den Bund. Es geht darum, dass die Landwirte ganz bestimmte Massnahmen, die sie auf ihrem Land realisieren wollen, anmelden und dafür einen Vertrag über acht Jahre abschliessen können.

Projektleiter Felix Naef zeigte auf, wie die Landschaft des Wynentals in vier verschiedene Typen eingeteilt wird. «Jeder Landschaftstyp hat besondere Kennzeichen, die es zu erhalten oder zu fördern gilt.» Auf dem offenen Talboden seien beispielsweise farbige Hauptkulturen und Zwischenfrüchte oder Blumenstreifen am Ackerrand mögliche Massnahmen. Auf den beiden Talseiten könne das Erhalten und Pflanzen von Hochstammobstbäumen oder das Schützen von Einzelbäumen gefördert werden. Ebenso gäbe es Möglichkeiten auf den Hochplateaus.

Mit gezielten Massnahmen zur Landschaftspflege können die Landwirte Direktzahlungen als Entschädigung für ihre Arbeit als Landschaftspfleger für «das Produkt Landschaft» abholen.

Hauptaufgabe bleibt Produktion

Die Hauptaufgabe der Landwirte bleibt gemäss Artikel 104 der Bundesverfassung aber bestehen: «Die Landwirtschaft sorgt für die sichere Versorgung der Bevölkerung, die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen und die Pflege der Kulturlandschaft.» – «Ihr Bauern seid in erster Linie Produzenten von Nahrungsmitteln», sagte Naef.

Finanziert wird das Projekt zu 90 Prozent vom Bund. 10 Prozent müssten eine öffentliche Trägerschaft, in der Regel die Gemeinden, übernehmen. Diese Beiträge unterscheiden sich je nach Landwirtschaftsfläche. So müsste Leimbach 900 Franken pro Jahr bezahlen, Menziken 4715 Franken. Die Gemeinde sollten jetzt diese Beträge budgetieren.

In der Diskussion monierte ein Landwirt, er könne seine Hochstammbäume schon pflegen. «Nur, was soll ich mit den Äpfeln und Birnen? Die Mostereien schliessen und Süssmost trinken wollen die Leute auch nicht mehr.» Den Humor verloren hatte der Mann jedoch nicht: «Am besten pflanzen wir wohl Apfelbäume, die nur noch blühen.»