Reinach
Die Kläranlage produziert jetzt Biogas

Jährlich fliessen aus der Reinacher ARA rund 210000 Kubikmeter Biogas in das Netz der Wynagas AG ein.

Peter Siegrist
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Projektleiter Christian Müller erklärt die Anlage im neu erstellten Container.

Projektleiter Christian Müller erklärt die Anlage im neu erstellten Container.

Peter Siegrist - Bild und Text

In der Reinacher Kläranlage des Abwasserverbandes Oberwynental (AOW) entsteht in den Faultürmen Biogas. Statt dieses methanhaltige Gas auf dem Gelände der ARA einfach abzufackeln, hat die IBAarau AG als Beteiligte der Wynagas AG auf dem ARA-Gelände eine Biogasaufbereitungsanlage installiert. Am Mittwochabend wurde diese Anlage, welche bereits seit Juni in Betrieb ist, eingeweiht. Für Hans-Kaspar Scherrer, CEO der IBAarau AG, ist die Anlage ein Vorzeigeprojekt im Bereich der erneuerbaren Energie. «Es zeigt auf, was zu realisieren möglich ist, wenn man zur innovativen Zusammenarbeit bereit ist», erklärte Scherrer. Die Betreiber der ARA Oberwynental würden hier Pioniergeist beweisen.

Frank Rutschmann vom Bundesamt für Energie (BFE) ordnete das Projekt ins gesamte Konzept der Energiegewinnung ein. Mit dem Verzicht der AOW, das alte Blockheizkraftwerk zu ersetzen, sei ein neuer Weg frei geworden, sagte Rutschmann. Auch Aufbereitungsanlagen in dieser Leistungsklasse lägen im Trend. «Bei der Energiestrategie geht es nicht nur um Strom, wichtiger ist die Steigerung der Energieeffizienz». Und da leiste die neue Anlage einen Beitrag, in dem die im Abbauprozess vorhandene Energie genutzt werde.

Joe Eugster, Präsident des Abwasserverbandes Oberwynental, erklärte, dass sich mit dem Ausfall des alten Blockheizkraftwerkes eine neue Lösung aufgedrängt habe. Die neue Erdgasleitung in unmittelbarer Nähe der ARA führte zur Idee, anfallendes Gas einzuspeisen. «Unser Ziel ist klar, wir wollen für die ausgebaute ARA die Wärmeautonomie ohne fossile Energieträger erreichen», sagte Eugster.

Ueli Oester, Geschäftsführer der Apex AG, welche die Anlage baute, und Projektleiter Christian Müller erklärten die Funktionsweise der Gasaufbereitung und zeigten die Anlage im neu erstellten Container. Was für den Laien wie ein Gewirr von Leitungsrohren und Messgeräten aussieht, ist eine moderne, Hightech-Anlage.

Rohgas wird aufgearbeitet

Das Rohgas, welches im Faulungsprozess anfällt, besteht zu 60 Prozent aus Methan und bis zu 40 Prozent aus Kohlendioxid. Rohgas wird zuerst in einem Gasspeicher gelagert und anschliessend durch die Aufbereitungsanlage geleitet. «Rohgas ist noch sehr feucht, erklärte Müller», es wird getrocknet und dann komprimiert. Unter hohem Druck wird das Gas durch Hohlfaser-Membranfilter gepresst, mit dem Effekt, dass Methan von Kohlendioxid und Spurengasen getrennt werden. «Wir erreichen durch diesen Prozess einen Methananteil von 96 Prozent», sagte Müller, das entspricht dem gleichen Heiz- und Brennwert wie beim fossilen Erdgas.

Jährlich fliessen aus der ARA-Reinach rund 210 000 Kubikmeter Biogas mit einem Energiegehalt von rund 2 Gigawattstunden ins Netz der Wynagas AG ein. Ob es als Energieträger zum Heizen oder als Treibstoff für Autos eingesetzt wird, spielt keine Rolle, es ist im Gegensatz zum fossilen Erdgas C02-neutral.

Das heute von der Wynagas AG an die Privatkunden gelieferte Erdgas enthält einen Biogasanteil von 5 Prozent. Ueli Oester wies in seinen Ausführungen noch darauf hin, dass in der Schweiz Biogas für Wärme, Mobilität oder Stromproduktion ausschliesslich aus Rest- und Abfallstoffen produziert werden darf.