Reinach
Die Kino-Crew ist nach der Rettung parat für die Zukunft

Das TaB-Atelier-Kino hat nach dem kalten Neustart anfang 2012 ein gutes Jahr hinter sich gebracht. Nun geht es für das Kino-Team darum, auch in Zukunft die Besucherzahlen hoch halten und damit das Kino erhalten zu können.

Christine Fürst
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Anita Züsli, Nina Stocker und Beni Weber vom TaB-Atelier-Kino beim neuen digitalen Projektor (von links nach rechts).cfü

Anita Züsli, Nina Stocker und Beni Weber vom TaB-Atelier-Kino beim neuen digitalen Projektor (von links nach rechts).cfü

Christine Fürst

Die Aussichten waren alles andere als gut. Ende 2011 stand das Kino in Reinach vor dem Aus. Doch so schnell gaben die Verantwortlichen des Theaters am Bahnhof (TaB) nicht auf (siehe Box).

«Innerhalb von zwei Monaten mussten wir einen Verein gründen, der das Kino führt und fördert», sagt Beni Weber vom TaB. «Wir mussten alles neu organisieren, das ging bis zur Kaffeemaschine und zum Glace-Cornet.» Das Kinobusiness sei eine eigene Welt – und eine komplizierte dazu.

Das oberste Ziel der neuen Crew war es, dem Kino ein anderes Gesicht zu geben. Sie wollten einerseits mehr Anlässe organisieren, andererseits stand die Umstellung auf die digitale Projektion auf dem Programm. Dafür musste ein neuer Projektor angeschafft werden.

Doch damit nicht genug: Um den Projektor in Betrieb nehmen zu können, brauchte es neue Stromanschlüsse und eine Klimaanlage. 125 000 Franken mussten investiert werden. Rund drei Viertel wurden durch Beiträge von Bund und Kanton subventioniert.

Geschichte: TaB-Atelier-Kino Reinach


Auf Ende 2011 kündigte der langjährige Pächter des Atelierkinos in Reinach den Vertrag. Die Gründe für das Aus waren damals nachvollziehbar: Die Besucherfrequenz war zu tief für einen rentablen Betrieb. Zudem stand die Umstellung auf die digitale Projektion an, was die Möglichkeiten des Pächters überstieg. Doch die TaB-Verantwortlichen gingen über die Bücher und präsentierten einen zweistufigen Plan für die Weiterführung des Betriebs. Ein Förderverein wurde gegründet, dessen Vorstand und Mitglieder helfen sollten, das Kino zu tragen. Der Trägerverein des TaB übernahm die Verantwortung für das Kino. Die Umstellung des Kinos in eine Non-Profit-Organisation wurde ideell von der Stiftung Lebenshilfe getragen. Über 600 Personen unterstützten damals mit ihrer Unterschrift das Kino. (cfü)

Diese Investition zahlte sich aus: Im letzten Jahr konnte das Kino rund 20 Prozent mehr Besucher begrüssen. Waren es im Jahr 2011 noch rund 10 000 Besucher, so waren es ein Jahr später bereits 12 318.

Dies führt Beni Weber zum einen auf die Digitalisierung zurück. «Dank der Digitalisierung können wir aktuell bleiben. Heute haben wir in unserem Landkino sogar Schweizer Premieren.» Doch er sagt auch: «Das Damoklesschwert über dem Kino führte zu einer unglaublichen Solidaritätsbewegung.»

So kann der Förderverein heute auf rund 380 Mitglieder zählen. «Ohne den Förderverein wären wir Konkurs», sagt Weber. Der Verein konnte dem Kino im letzten Jahr 44 000 Franken übergeben.

Der Betrieb selber steht aber noch immer im Minus. «Wir sind zwar gerettet, aber für den Erhalt brauchen wir weiterhin Geld», sagt Anita Züsli, zuständig für die Finanzen. Nun gehe es darum, im laufenden Jahr wieder ein gutes Ergebnis einzufahren.

«Wir hatten alle keine Erfahrung im Kinobusiness, wir müssen nun auf jener vom letzten Jahr aufbauen.» Das Kulturhaus soll in seinen verschiedenen Bereichen weiterentwickelt werden, um als Gesamtes erfolgreich sein zu können. «Dafür wollen wir ein wenig experimentieren», sagt Beni Weber.

So sollen vermehrt auch spezielle Anlässe wie die Wunschkino-Woche durchgeführt werden. «In dieser Woche gibt es eine Auswahl von tollen Klassikern zu sehen», sagt Nina Stocker vom Atelierkino. Zudem wollen die Betreiber mehr Kurzfilme vor den «grossen» Filmen zeigen.

Geplant ist auch, die TaB-Bühne und das Kino vermehrt zusammen zu nutzen. So läuft am Samstagabend beispielsweise ein Kinofilm, der zum nachfolgenden Konzert passt. Denn für Beni Weber ist die Zukunft des Kinos klar: «Wir wollen eine Perle eines Landkinos sein.»

Kulturhaus TaB, 6. April, Film: Leningrad Cowboys Go America (20 Uhr); Konzert: Mnevis & Books on Shelves (ab 21 Uhr).