Tiere & ich
«Die Hunde laufen für mich, bis sie tot umfallen»

Schlittenhundeführer Jaco Ulmann fährt in der Weltklasse. Noch träumt er vom längsten Huskyrennen Alaskas

barbara vogt
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«I’m destroying you!» Der weiche Gesichtszug verhärtet, die Augen stählern sich. Jaco Ulmann steht mitten in seinem Huskyrudel. «Hier gibts nur ein Alphatier: ich.» Lieber greife er einmal hart durch, als immer wieder inkonsequent, sagt der 46-jährige Schlittenhundeführer, auch Musher genannt. Unvermittelt lächelt er, und die Hunde beginnen, ihn zu liebkosen. «Die Hunde würden für mich laufen, bis sie tot umfallen.»

Es ist ein kalter Morgen, am Tag zuvor fiel viel Schnee. Zu wenig jedoch für Ulmann und seine Huskys, um mit dem Schlitten zu trainieren. Und zu viel, um mit dem Quad zu fahren. Doch die Hunde müssen raus: Jeden Tag spulen sie um die 50 Kilometer ab, auch Ulmann ist trainiert. Nachdem die Huskys versorgt sind, zwischen 22 Uhr und Mitternacht, geht er joggen. Denn an den Rennen springt ein Musher bergauf oder pedalt mit. Weil Ulmann an den Rennen den Schlitten halten muss, trainiert er mit einem Trottinett. Früher schob er eine Schubkarre herum. «Da wurde ich von den Leuten schon etwas belächelt.»

Ein «Sauber-Formel-1-Rennen»

Seit acht Monaten wohnt Jaco Ulmann mit seiner Frau Helga Fraefel in einem Bauernhaus am Rande von Schöftland. Hinter dem Haus leben über 20 Alaska- und Siberian-Huskys im Rudel miteinander. Ulmann will keine Zwingerhunde: «Leben sie miteinander, funktionieren sie im Team gut.» Zuvor lebten Mensch und Tier in Einsiedeln, doch habe sich dort das Gelände für die Hunde nicht geeignet, erzählt Jaco Ulmann. Am allerliebsten möchte er aber in Norwegen leben. «Dort gibt es unendliche Weiten. Ich könnte die Hunde besser trainieren, um weiter nach vorne zu kommen.»

Immerhin reisen er und seine Schlittenhunde für Rennen in die Weite des Nordens: nach Finnland, Norwegen. 1000 Kilometer in zwölf Tagen. Das sind Weltklassenevents oder wie Ulmann salopp sagt: «Ein Sauber-Formel-1-Rennen.» Gut 10000 Franken kostet ein solches Rennen, die Produkte für die Hunde werden gesponsert, ansonsten muss er für die Kosten selber aufkommen. Das Wohl der Tiere steht bei ihm an erster Stelle: «Ich will glückliche Hunde.» An Rennen erhalten sie Spezialnahrung wie Geleé Royal und in Pausen massiert er seine Hunde.

Er kann nichts anderes als Musher sein. «Es ist ein Virus. Wenn ich nachts mit meinen Hunden durch den Schnee fahre und die Nordlichter erblicke, entschädigt mich dies für alles», sagt Ulmann. Nirgends fühle er sich so verbunden mit seinen Hunden wie bei Langstreckenrennen. «Wir sind uns extrem nah und kommunizieren miteinander. Immer wieder erlebt der Musher Extremsituationen, bei denen er zuerst denkt: «Das schaffe ich nie. Aber am Schluss schaffen wir es immer.» Einmal verfuhr er sich in einem Schneesturm und bei Minus 40 Grad. Da legte er sich auf den Schlittensack, um zu warten, bis die Suchtruppe ihn findet. Doch seine Hunden zogen aufgeregt an der Leine und wollten weiter. «Da war nichts mit Aufgeben, schliesslich kamen wir im Ziel an.»

Hundeasche geht nach Alaska

Dabei war Jaco Ulmann früher ein «Bürogummi», einer, der an seinem Alfa Romeo herumpolierte und an Triathlon teilnahm. Eines Sonntagmorgens im Wald begegnete er Hunden, und er fand: «Es wäre doch schöner, mit einem solchen, als allein herumzurennen. Schlittenrüde «Diggi» brachte ihn zum Rennsport. Längst ist «Diggi» gestorben, doch in Ulmann lebt er weiter. Mitsamt seiner Vision: die Teilnahme am Iditarod, dem längsten Hunderennen Alaskas. Die Länge: 1800 Kilometer. «Auf dieser Strecke werde ich die Asche von ‹Diggi› verstreuen.» Vorerst aber laufen Jaco Ulmann und seine treuen Huskys an der «Grande Odyssée» am Mont- Blanc, wo gerade 25 Teams zugelassen sind. «Diggi» wird sie an diesem härtesten Etappenrennen der Welt im Geiste begleiten.

www.huskytrail.ch

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