Schöftland
Die Gemeinde Schöftland schenkt jedem Neugeborenen einen Baum

Seit 20 Jahren wird in Schöftland schon die Baumpflanzet durchgeführt. Jeder Vater eines Neugeborenen pflanzt dabei zwei junge Waldbäume. Damit ist neues Leben auf 20 Hektaren entstanden.

Isabelle Schwab
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Der dreijährige Luca hilft seinem Vater, den Baum für seinen kleinen Bruder Laurin zu setzen.

Der dreijährige Luca hilft seinem Vater, den Baum für seinen kleinen Bruder Laurin zu setzen.

Isabelle Schwab

Statt von sanftem Zwitschern und dem Rauschen der Blätter ist der Schöftler Wald Mitte der Woche von Kindergelächter durchdrungen gewesen. 24 Erwachsene und 18 Kinder haben ihn für kurze Zeit in einen riesigen Garten verwandelt.

In ihm wurde gepflanzt, gehegt und gepflegt. Schon bevor die ersten Bäume verteilt waren, buddelten bereits einige Kinder mit kleinen roten Schaufeln eifrig Löcher in die Strasse.

Sie selbst haben schon einen eigenen Baum und helfen heute, einen für ihr jüngstes Geschwisterchen auszusuchen. Die Neugeborenen überwachen das Geschehen geduldig aus ihrem Kinderwagen oder von Mamas Schoss aus.

Durchgeführt wird der sogenannte Baumpflanzet in Schöftland seit zwanzig Jahren. Die Idee dazu entstand aber bereits 1805: Heinrich Zschokke legte in einer damals revolutionären Forstordnung fest, dass jeder Vater bei der Geburt eines Kindes zwei junge Waldbäume pflanzen solle.

Die Schöftler Eltern erfüllten ihre Pflicht diese Woche nur zu gerne. Mit Handschuhen und Pickel bewaffnet zogen sie mit ihren Kindern in das für den Jahrgang 2013 ausgesuchte Waldstück. Innerhalb von wenigen Minuten waren die ersten Kirschbäume und Edelkastanien in der Erde.

«In den letzten zwanzig Jahren wurden so etwa zwei Hektaren bepflanzt», sagt Martin Leu. Seine Arbeit als Förster würde ihm so aber nicht abgenommen. «Wir pflanzen im Forstgebiet Oberes Suhrental etwa 4500 Bäume im Jahr.»

Den eigenen Baum später wiederzufinden, scheint da kein einfaches Unterfangen. Doch einige Eltern haben sich etwas einfallen lassen: «Wir haben die Setzlinge absichtlich nicht zu weit entfernt von der Strasse platziert. Und ausserdem können wir uns noch an diesem grossen Baumstrunk orientieren», sagte etwa Michael Tollardo. Er pflanzte drei Bäume: Für jedes seiner Kinder einen.

Die beliebteste Baumart dieses Jahr war der Kirschbaum. «Eibe wurde keine einzige gesetzt», fasste Forstwart Gérald Magnin den Nachmittag zusammen. Er machte sich Sorgen um die 80 bis 120 Zentimeter grossen Bäume. «Eigentlich wäre das ideale Pflanzwetter bewölkt mit Nieselregen.» Zu viel Sonne, wie an diesem Tag, trockne die Wurzeln aus. «Und dann sind die Bäume sofort hinüber.»

Allein diese Woche hätten die Angestellten des Forstbetriebs Oberes Suhretal 1500 Bäume gepflanzt. Eine spezielle Beziehung zu den einzelnen habe man da nicht mehr. «Nur zu den alten, markanten.» Eine der Buchen in diesem Waldgebiet sei wohl mehr als 150 Jahre alt, «vielleicht wird der eine oder andere Setzling auch einmal so gross. Die Chance dazu hat er.»

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