Kölliken

Die gefährliche Doppelrolle von Roland Brauen als Ammann und Architekt

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Roland Brauen ist Gemeindeammann und Architekt. Als Gemeindeammann setzt er sich aktuell für den Bau von dringend benötigtem Schulraum ein. Als Architekt plant er den neuen Schulraum.

Das passt vielen Köllikern nicht. «Vetterliwirtschaft», sagen einige hinter vorgehaltener Hand – andere sagen es laut. Es ist nicht das erste Mal.

2007 betraf es die Sanierung des Gemeindehauses. Brauen war damals Gemeinderat und nicht Ammann. Vier Architekten arbeiteten in einem Submissionsverfahren Projekte für die Sanierung aus. Brauen gewann. Auch damals stellten sich einige Kölliker die Frage, ob es nicht problematisch sei, wenn der Gemeinderat der ausführende Architekt sei. Aus dem Projekt wurde allerdings eine Planungsleiche: Zweimal schmetterte die Gemeindeversammlung die Sanierung des Gemeindehauses an der Gemeindeversammlung ab. Auch, weil man sich daran störte, dass der Gemeinderat der Architekt ist. Brauen kassierte für die Planung 70000 Franken.

Kein faires Verfahren

Nun ist die Situation ähnlich. Kölliken braucht neuen Schulraum. Die Arbeitsgruppe Schulraum, in die Brauen auch involviert war, entschied das Problem durch eine Umnützung des ehemaligen Fama-Bürogebäudes zu lösen. Ein Honorarwettbewerb für die Umnutzung wurde durchgeführt. Bei dieser Art der Ausschreibung gewinnt keine architektonische Idee. Entschieden wird anhand von Preis, Erfahrung und Referenzen des Architekturbüros. Sechs Architekten offerierten. Der Gemeinderat entschied sich für das Projekt von Gemeindeammann Brauen.

An diesem Entscheid störte sich ein betroffenes Architekturbüro, das nicht an die Öffentlichkeit treten will. Rechtsmittel ergriff es damals keine. Ein Mitglied des Architekturbüros zweifelt aber daran, dass das Verfahren fair ablief. Man habe sowieso damit rechnen müssen chancenlos zu sein, wenn Brauen mitmacht. Denn es sei in der Region bekannt, dass bei einem Submissionsverfahren in Kölliken immer der Gemeindeammann gewinne.

Gemeindeammann Roland Brauen sagt auf Anfrage dazu: «In meiner eigenen Gemeinde zu offerieren ist mein gutes Recht. Ich habe mein Amt und meinen Beruf immer sauber getrennt. Ausserdem habe der Entscheid, ob er den Zuschlag bekomme, nicht bei ihm gelegen. Und seine Kollegen vom Gemeinderat hätten es sich nicht einfach gemacht mit ihrer Entscheidung.

Kurz nach dem Zuschlag entschied die Arbeitsgruppe, dass durch die geänderten Rahmenbedingungen im Bildungskonzept eine Umnutzung nicht zweckmässig sei. Man plante darum einen Neubau. Der entsprechende Verpflichtungskredit wurde an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vergangene Woche gesprochen. Viele Kölliker störten sich daran, dass der Gemeindeammann ohne neue Ausschreibung auch den Auftrag für den Neubau erhielt. «Das war vielleicht nicht ganz, ganz korrekt», sagte Vize-Ammann Fredy Gut an der Gemeindeversammlung. Aber der Gemeinderat stehe zu seinem Entscheid.

Der Kölliker Guido Zeltner kritisiert hingegen: «Eine simple Abstimmung anlässlich einer Gemeinderatssitzung genügte und der Gemeindeammann hatte den lukrativen Auftrag.» Zeltner forderte darum an der Gmeind, den Kredit für das Schulhaus zu bewilligen und gleichzeitig nochmals eine saubere Ausschreibung durchzuführen. Der Antrag wurde knapp abgelehnt.

Bananenrepublik Kölliken

Für das nicht gesetzeskonforme Vorgehen wird Brauen im eigenen Dorf nun hart kritisiert. Die Reaktionen sind für den Gemeindeammann wenig schmeichelhaft. Werner Boss schreibt in einem Leserbrief, dass die Zustände in Kölliken ähnlich einer Bananenrepublik seien. Der Gemeindeammann schanze sich die Aufträge selber zu, und zwar vom Gemeinderat unterstützt. Das sei demokratisch legitimierte Vetternwirtschaft, sagt er. Thomas Suter fordert in einem Schreiben, dass der Gemeindeammann auf den Auftrag verzichten solle, da sonst Referendum, juristische Klagen und Aufsichtsanzeigen drohen, und zwar wegen rechtswidriger Auftragsvergabe. Er schreibt zudem: «Herr Gemeindeammann, wenn Sie jetzt auf den Auftrag verzichten, wird das zügige Bauen ermöglicht.»

Fredy Rüegger, stellvertretender Generalsekretär im kantonalen Baudepartement, bewertet das Vorgehen des Gemeinderates Kölliken als grenzwertigen Fall. «Ganz streng rechtlich hätte ein neues Submissionsverfahren durchgeführt werden müssen.» Es sei aber auch ein nachvollziehbarer Ermessensentscheid, ob man den ganzen Aufwand einer neuen Ausschreibung nochmals machen wolle. «Die Frage ist, ob man durch die erneute Ausschreibung weitergekommen wäre oder angesichts der Dringlichkeit der Schaffung von neuem Schulraum einfach nur viel Zeit verloren hätte.» Grundsätzlich sagt Rüegger zur Doppelrolle Gemeindeammann und ausführender Architekt: «Das gehört mit zu unserem Milizsystem und kann zu Interessenkollisionen führen.» Würden die Ausstandsregeln befolgt, sei es aber kein Problem. Roland Brauen hingegen ist überzeugt, dass die Leute bei einem Ammann, der im eigenen Dorf baut, genauer hinschauen und noch kritischer seien. Auf die Frage, ob ein rechtlich einwandfreies Verfahren nicht besser gewesen wäre für ihn, sagt Brauen: «Im Nachhinein ist man immer klüger.»

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