Das kleine Gebäude im Unterdorf blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: Schulhaus, Armenhaus, Lagerhaus und Fast-Zerfall.

Ende 1980er-Jahre beschloss der Gontenschwiler Souverän, dass das Gebäude nicht veräussert werden dürfe, lehnte aber gleichzeitig den nötigen Sanierungskredit ab. Als rettender Engel sprang 1989 die Heimweh-Gontenschwilerin Rosemarie Stucki-Maurer in die Bresche. Sie übernahm das Schüeli für 8000 Franken, renovierte es und führte es einem neuen, vorwiegend kulturellen Zweck zu. 1992 noch hatte der damalige Gemeinderat die 130000 Franken als Rückkaufsumme bezeichnet,

Gemeinde will das Schüeli nicht

Rosmarie Stucki, mittlerweile 80 Jahre alt geworden, hatte den Wunsch und die Hoffnung, dass die Gemeinde Gontenschwil das Schüeli wieder in ihre Obhut nehme.

Stucki möchte das Schüeli für 130'000 Franken abtreten. Dieser Betrag entspricht den Aufwendungen für die Renovation. Dabei hat Stucki die Eigenleistungen ihrer Familie und verschiedener Gönner sowie das Inventar nicht eingerechnet.

Gemeinderat lehnte zwei Mal ab

Der Gemeinderat lehnte 2007 Stuckis Bitte um Rückkauf ab, ebenso 2008 die Bitte, den Kauf für die Gmeind zu traktandieren. Begründet hat die Behörde ihren Entscheid damit, dass «das Schüeli in ihrem Portefeuille keinen Platz habe.» Rosmarie Stucki gab nicht auf und lancierte erfolgreich eine Initiative.

Am 28. November 2008 lehnten die Gontenschwiler jedoch mit 47 zu 44 den Rückkauf ab. Darauf gründete Rosemarie Stucki auf Rat des Abteilungsleiters Kultur des Kantons, Hans-Ulrich Glarner, einen Trägerverein: die Vereinigung Schüeli. Sie zählt heute bereits über 120 Mitglieder.

Jetzt verhandelt die Vereinigung

Die Vereinigung nahm die Verhandlungen mit der Gemeinde wieder auf, diesmal mit einem neuen Angebot. Der Kanton hat 40'000 Franken aus dem Swisslos-Fonds zugesichert, die Pro Patria zusätzlich 10'000 Franken. Die Vereinigung erbat sich von der Gemeinde einen Beitrag von 50'000 Franken. Die restlichen 30000 Franken will die Vereinigung selber aufbringen.

Der Gemeinderat lehnt einen Beitrag von 50000 Franken ab, dies mit dem Verweis auf eine Verkehrswertschätzung von 2008, die nur 86000 Franken ergeben hätte. «Rosemarie Stucki weist die 130000 Franken Aufwand auf den Franken genau aus», erklärt Vorstandsmitglied Walter Forrer. «Das ist der reelle Preis für dieses Gebäude.» Die Gemeinde signalisierte, falls Stucki den Preis auf 86000 Franken zurücknehme, zahle sie 36000 Franken. Auf diesen Handel wollen weder Rosmarie Stucki noch die Vereinigung eintreten. «Zumal uns Hans-Ulrich Glarner bestätigte, dass man das Schüeli nicht mit einer Verkehrswertschätzung abgelten könne», sagt Forrer. «Auch der Verkehrswert von Schloss Hallwyl wäre nicht einfach zu eruieren.»

Die Vereinigung gibt nicht auf

An einer Medienorientierung betonte der Vorstand der Vereinigung Schüeli, es sei für sie nicht verständlich, dass die Gemeinde von der Eigentümerin einen tieferen Verkaufspreis verlange, als deren Aufwendungen gewesen seien. «Ebenso verstehen wir nicht, dass die Behörde sich weigert, dieses Geschäft dem Souverän zu unterbreiten», sagt die Präsidentin Helene Sommerhalder.

An einer ausserordentlichen Generalversammlung, am 11.November, will die Vereinigung das weitere Vorgehen besprechen. «Das Schüeli wird Thema an der Gmeind vom 25.November», sagen die Vorstandsmitglieder und hoffen auf eine gute Lösung und viele wohlgesinnte Bürger.