Staffelbach
Die fliegenden Bäume von Staffelbach

Weihnachtsapéro am Dreikönigstag: In Staffelbach geht man mit Weihnachtsbaumentsorgung und Mehlsuppe sportlich ins neue Jahr.

Peter Weingartner
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Weihnachtsbaumweitwurf in Staffelbach
17 Bilder
Wie elegant er das macht
Stilstudie
Vollste Konzentration
Volle Kraft voraus
Ob das etwas wird
Speerwurftechnik
Letzter Einsatz
Hoch hinaus bringt Weite
Heisse Würstli gegen die Kälte
Gebackenes zum Dessert
Er fliegt und fliegt
Gelungener Abwurf
Der Sohn lebt mit Papa mit
Ein gelungener Wurf
Die Kunst des Loslassens
Auch Frauen können werfen

Weihnachtsbaumweitwurf in Staffelbach

Peter Weingartner

Werfen kann man ja vieles. Sportgeräte wie Kugel, Speer oder Diskus. Auch WC-Brillen werden wettkampfmässig geschleudert. Und im Winter bieten sich Schneebälle an, wenn es denn Schnee hat. Nicht so in Staffelbach. Am Rand des Pausenplatzes liegen zwar noch Schneeberge, und die Kinder schmettern Eisschollen auf den Boden. Am Dienstagabend, Dreikönigstag, werden in Staffelbach, das ist Tradition, aber vor allem Weihnachtsbäume geworfen. Möglichst weit.

«Früher hat man die Weihnachtsbäume verbrannt; seit das verboten ist, machen wir halt Weitwurf mit ihnen», sagt Petra Hunziker vom Frauenturnverein. Die ausrangierten Bäume können trotzdem auf den Schulhausplatz gebracht werden. Da steht ein Anhänger, und die Bäume werden dorthin zurückgebracht, wo sie vielleicht hergekommen sind: in den Wald.

«Hat man einen Probewurf?», fragt ein Mann. Kampfleiterin Sonja Fehlmann winkt ab. Man hätte halt zu Hause üben sollen. Der junge Reporter von Radio Inside setzt mit über fünf Metern mal eine Marke. Geworfen wird in freier Technik. Das heisst: Alles ist möglich. Das weihnächtliche Sportgerät schwingen wie ein Hammerwerfer liegt ebenso drin wie ein Vorgehen wie beim Speerwurf. Die Frage ist: Spitze voran oder doch lieber gerade umgekehrt?

Schwingen und Scherben

«Schwingen bringt nichts», sagt ein Teilnehmer. Gemeinderat Stefan Morgenthaler machts wie ein anderer kräftiger Männerturner: Drei Schritte Anlauf und dann hoch hinaus. Seine 5.95 Meter bringen ihm am Ende den zweiten Rang ein. Dass ihm kurz darauf das Apéro-Glas entgleitet, nimmt er als gutes Zeichen für das neue Jahr: «Scherben bringen Glück.»

Bei den Kindern gibts bei den Mädchen und bei den Knaben je zwei Alterskategorien. Dann machen die Frauen und die Männer den jeweiligen Sieger aus, und schliesslich kämpfen Familien um den Sieg im Weihnachtsbaumweitwurf. «Wir stellen für jede Kategorie einen Baum zur Verfügung», sagt Petra Hunziker. Aus Gründen der Chancengleichheit. Glück hat Alena Felder: Sie hat in ihrer Kategorie, Mädchen zwischen 11 und 15, keine Konkurrenz. Mehr als 50 Werfende machen dieses Jahr mit. Als Preise winken Taschen, Schirme, Flugzeugmodelle, Lebensmittel, eine Wanduhr.

Ballenberg Staffelbach?

Gemeindeammann Max Hauri weist in seiner Ansprache auf die Vorzüge Staffelbachs hin: zwar keine Autobahn, keine Grossindustrie, dafür Erholungsräume und ein intaktes Dorf- und Vereinsleben. Ein Anlass wie dieser ermögliche Gespräche und Begegnungen. Eine Spitze – Speer oder Weihnachtsbaum? – gegen den Kanton kann Hauri sich nicht verkneifen: Das Raumplanungsgesetz bevorteile die Zentren. Der Ballenberg fange für den Kanton nach Schöftland an, «mit einem Unterschied: Beim Ballenberg muss man Eintritt bezahlen». Damit hat er genug «auf Reserve gejammert», und in der Halle warten Mehlsuppe mit Wienerli, Kuchen und Getränke auf die paar Dutzend feiernden Staffelbacher.

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