Hirschthal

Die Fenaco hat ohne Bewilligung höher gebaut – das könnte teuer werden

Der Dachfirst ist zu hoch und die Balkone waren nicht so bewilligt. FDU

Der Dachfirst ist zu hoch und die Balkone waren nicht so bewilligt. FDU

Mit einem nachträglichen Baugesuch sollen die Änderungen an zwei Mehrfamilienhäusern bewilligt werden.

Ein paar Schritte nördlich der Hirschthaler Gemeindeverwaltung werden aktuell zwei Mehrfamilienhäuser gebaut. Bauherrin der Gebäude mit vierzehn 3- und 4-Zimmer-Wohnungen sowie Spielplatz ist die Pensionskasse der Schweizer Agrargenossenschaft Fenaco (Landi, Volg etc). Die Fenaco ist bereits die zweite Investorin. Das Baugesuch eingereicht hatte der vorherige Grundeigentümer Jörg Hürzeler. Im Oktober 2015 wurde das Gesuch für den damals auf 7,2 Millionen Franken bezifferten Bau bewilligt. Später verkaufte Hürzeler das Grundstück vis-à-vis den WSB-Geleisen an die Pensionskasse.

Die neue Bauherrin änderte die Pläne ab. So kommt der Dachfirst einen Meter höher zu stehen, die beiden Häuser werden nun knapp 15 Meter hoch. Ausserdem werden in den obersten Stockwerken zusätzliche Balkonüberdachungen angebracht, die aus der Dachschräge herausragen.

Kürzlich hat die Fenaco dafür das Baugesuch zur Projektänderung eingereicht. Dies jedoch reichlich spät: Alle geplanten Änderungen am Bau sind inzwischen bereits ausgeführt. Wie es vonseiten der Gemeindekanzlei heisst, habe man vor einiger Zeit von den geplanten Projektänderungen erfahren und die Fenaco darauf aufmerksam gemacht, dass dafür vorgängig ein Baugesuch nötig sei. Mehrmals sei man von der Bauherrin vertröstet worden.

In Oberentfelden wurde es teuer

Nun sollen First-Erhöhung und Balkonüberdachungen nachträglich bewilligt werden. Ob das so schlank durchgehen wird? In Oberentfelden hatte ein ähnlicher Fall für einen langen Rechtsstreit und enorme Kosten für den Bauherrn gesorgt: Der Gemeinderat hatte ein Mehrfamilienhaus mit zwei Attikawohnungen bewilligt, gebaut wurden aber gleich deren vier. Die erstellte Wohnfläche überschritt die bewilligte um mehr als 100 Quadratmeter. Insgesamt wurde das Grundstück, basierend auf die gültige Ausnützungsziffer, um rund 37 Prozent übernutzt.

Das Verwaltungsgericht befand, das öffentliche Interesse am Schutz der Rechtsgleichheit und an der baulichen Ordnung sei höher zu gewichten als die finanziellen Interessen der Bauherrin «angesichts ihrer Bösgläubigkeit und der erheblichen Abweichung vom Erlaubten». Nachdem auch das Bundesgericht im Mai 2016 diese Ansicht vertreten hatte und die Bauherren das Geschoss wohl oder übel auf das erlaubte Mass zurückbauen mussten, sagte der Leiter der Oberentfelder Bauverwaltung der AZ: «Dieses Urteil zeigt, dass es Konsequenzen hat, wenn man die Baubewilligung nicht einhält. Wir sind auf solche Entscheide angewiesen.» Die Kosten für das Rechtsverfahren und den anschliessenden Umbau dürften sich im Fall Oberentfelden auf etwa eine halbe Million Franken belaufen haben.

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