Reinach
Die Fälle von häuslicher Gewalt nehmen immer mehr zu

Die Häufigkeit von Gewalttaten nimmt lauf Regionalpolizei aargau Süd immer mehr zu und zieht Bilanz zum vergangenen Jahr.

Rahel Plüss
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Auch wenn sie nicht direkt beteiligt sind, bekommen Kinder die Auseinandersetzungen ihrer Eltern oft mit.

Auch wenn sie nicht direkt beteiligt sind, bekommen Kinder die Auseinandersetzungen ihrer Eltern oft mit.

Getty Images/iStockphoto

Die Regionalpolizei aargau Süd (Repol) musste im vergangenen Jahr wieder vermehrt wegen häuslicher Gewalt ausrücken. Die Zahl der Meldungen stieg von 79 im Vorjahr auf 93 im 2014. Das geht aus dem Jahresbericht hervor. «Diese Zunahme ist einerseits darin begründet, dass die Bevölkerung in den vergangenen zwei, drei Jahren aufmerksamer geworden ist und wir vermehrt auch im Zweifelsfall gerufen werden», sagt Repolchef Dieter Holliger.

Auch sei seitens der Opfer heute eher die Bereitschaft da, einen Täter anzuzeigen. «Aber die Häufigkeit von Gewalttaten nimmt auf der anderen Seite leider auch immer mehr zu», so Holliger. Denn der Anteil an Fällen, die ein Strafverfahren nach sich zögen, sei bei Rund einem Drittel immer noch gleich wie in den Vorjahren. «Wenn nur die Sensibilität gestiegen wäre, hätte es eine Verschiebung hin zu den Fällen, bei denen keine Straftat vorliegt, geben müssen.»

Dieter Holliger, Chef Repol aargau Süd: «Bei rund der Hälfte der Fälle von häuslicher Gewalt war Alkohol im Spiel.»

Dieter Holliger, Chef Repol aargau Süd: «Bei rund der Hälfte der Fälle von häuslicher Gewalt war Alkohol im Spiel.»

Rahel Plüss

Kinder leiden mit

Die Polizisten der Repol waren 2014 täglich im Ausseneinsatz: Total wurden 336 Patrouillen zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten durchgeführt. Das sind etwa gleich viele wie im Vorjahr. Während der Patrouillen wurden die Polizisten 935 Mal zu einem Ereignis gerufen. Ausserhalb dieser Einsätze, während des sogenannten Pikettdienstes, passierte dies in 128 Fällen. Gerufen wurden sie wegen Streit oder Drohung, Ruhestörung, wegen Tieren, psychisch auffälligen oder alkoholisierten Personen oder zur Unterstützung der Kantonspolizei.

Für Holliger macht eine polizeiliche Intervention auch dann Sinn, wenn anschliessend niemand verhaftet wird. «Manch einer überdenkt vielleicht sein Verhalten, wenn plötzlich die Polizei im Haus steht und Beratungsstellen eingeschaltet werden.»

Schwerpunkt Prävention

Ein Schwerpunktbereich im vergangenen Jahr war die Prävention. Der Fokus lag laut Repolchef bei der Kontrolle von Asylunterkünften, bei Quartierkontrollen oder der Visitation von vermeintlichen Kriminaltouristen. Die Repol nahm 40 Personen fest. Das sind vier mehr als im Jahr zuvor. «Das waren einerseits Personen, die im Fahndungsregister ausgeschrieben waren», sagt Holliger, «oder solche, die wir wegen strafbaren Handlungen aufgriffen, aber auch Rückführungen von entlaufenen oder betrunkenen Personen.»

Im Jahr 2014 erfolgten 182 Anzeigen nach Strafgesetzbuch, im Vorjahr waren es 208 sowie 162 Anzeigen nach Strassenverkehrsgesetz, das sind 26 weniger als im 2013. «Die Anzeigen nach Strafgesetzbuch beziehen sich bei der Repol allein auf Meldungen des Betreibungsamtes», sagt Holliger. Die Repol hat 48 Einvernahmen gemacht und 739 Berichte erstellt.