Es ist ein Dilemma. Die Fischer Kies und Beton AG aus Staffelbach will weitere Kiesvorkommnisse erschliessen und damit den Fortbestand der Firma sichern. Die Anwohner ihrerseits erschaudern beim Gedanken, von ihrem Balkon aus in eine 40 Meter tiefe Kiesgrube zu blicken. Noch bis zum Montag liegen das Kies-Abbaugesuch und das Baugesuch für eine Förderbandanlage in Staffelbach auf.

Diese geplante Erweiterung der Fischer-Kiesgrube hat eine bewegte Vorgeschichte. Denn der Widerstand der betroffenen Anwohner ist gross.

Blick in die Grube

Seit über über 40 Jahren verdient die Fischer Kies und Beton AG ihr Geld mit dem Abbau und der Aufbereitung von Kies. Nun neigen sich die Kiesvorkommnisse in den bewilligten Abbaugebieten dem Ende zu. Um die Existenz der Firma und damit die 30 Arbeitsplätze längerfristig zu sichern, muss nun ein neues Abbaugebiet erschlossen werden.

Geschäftsführer Beat Fischer hat dafür das Gebiet auf Staffelbacher Boden ab der Grenze zu Kirchleerau parallel zur Kantonstrasse in Richtung Schöftland vorgesehen. Dieses Gebiet ist im kantonalen Richtplan für die kurz- oder mittelfristige Versorgung mit Kies festgesetzt.

Gleich gegenüber der geplanten Abbauzone liegt das beschauliche Einfamilienhaus-Quartier. Freundlich lächeln die dicken Gartenzwerge in den Vorgärten. Den dort wohnhaften Kichleerauern ist nicht zum Lachen zumute. Denn aus den Fenstern und Gärten der meisten Häuser blickt man Richtung Staffelbach – und damit bald in eine Kiesgrube.

Eine Anwohnerin erzählt, dass viele Bewohner des Quartiers pensioniert seien und es dann bald einmal darum gehe, die Häuser zu verkaufen. «Wer will mein Haus, wenn die Kiesgrube bis vor die Haustür geht?», fragt sie sich. Die Frau hat das Gefühl, mit ihren Anliegen nicht ernst genommen zu werden. Sie hat gestern ihre Einsprache gegen das Projekt verfasst.

Ursprünglich geplant war auch der Abbau eines kleinen Teil des Kieses in Kirchleerau. Gegen dieses Vorhaben schlossen sich die Direktbetroffenen in einer Interessengemeinschaft zusammen und sammelten Unterschriften. Beim Mitwirkungsverfahren reichte diese Interessengemeinschaft dann 290 Unterschriften ein gegen den Kiesabbau in unmittelbarer Nähe zu ihrem Quartier.

Daraufhin beschloss der Geschäftsführer Beat Fischer, vorläufig auf den Kiesabbau in Kirchleerau zu verzichten. In Staffelbach wurde das Projekt aber zügig vorangetrieben. Ende 2010 hat die Gemeinde Staffelbach der Änderung des Kultur- und Nutzungsplanes zugestimmt. Damit steht dem Abbau von 1.6 Millionen Kubikmetern Kies eigentlich nichts mehr im Weg.

Kies als Existenzgrundlage

Die Kantonsstrasse ist dicht befahren. Immer wieder donnern auch Lastwagen des Fischer-Kieswerkes am Quartier vorbei.

Im Baugesuch ist festgehalten, dass die Erweiterung der Grube zu keiner Intensivierung des Betriebs führt. Auch der Lastwagenverkehr werde nicht zunehmen. Die betroffene Anwohnerin nervt sich darüber, dass bei den Berechnungen immer Durchschnittswerte für den Kiesgrubenverkehr angegeben werden. «Es gibt Tage, da fahren fast pausenlos Lastwagen zur Kiesgrube und weg.» An anderen ist es ruhiger. Sie lebe aber jeden Tag dort.

Beat Fischer war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Im Zusammenhang mit der Erweiterung seiner Kiesgruben hielt er aber gegenüber der az Aargauer Zeitung fest, dass Kies die Existenzgrundlage seines Betriebes sei. Aus seiner Sicht macht es auch mehr Sinn, den Kies direkt vor Ort abzubauen, als ihn von weit her in die Region zu fahren.