Datacenter Menziken
Die Datenfarm in Menziken wird chinesisch bestückt

Die Swissfiber Menziken hat den chinesischen Technologie-Konzern Huawei mit der technischen Ausrüstung des Data-Centers beauftragt. Mit Huawei sei man immer auf dem neuesten Stand, sagt Gerard van Liempt.

Peter Siegrist
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So sieht das neue Datacenter in Menziken aus
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So sieht das neue Datacenter in Menziken aus

Peter Siegrist

Demnächst werden die ersten Datenspeicher geliefert und installiert. Ende Mai schicken erste Kunden ihre Daten zum Lagern nach Menziken .

Kurt Weber und Gerard van Liempt haben gut lachen. Die beiden haben ihr grosses Projekt, in den ehemaligen Alu-Hallen ein Datencenter aufzubauen, ein grosses Stück vorangetrieben. Was die Kurt Weber AG, Reinach, vor drei Jahren als Vision ankündigte, wird jetzt realisiert.

Für Kunden spielt es keine Rolle, wo das Center steht

Server sind grosse Datenspeicher, wo Firmen und Verwaltungen ihre Computerdaten abspeichern, die «Aktenschränke» der Neuzeit. In einem Datacenter werden Server reihenweise aufgestellt und von Technikern gewartet und betrieben. Betriebe, vom Konzern bis zum Handwerker, haben heute immer mehr Daten zu bewirtschaften, zu lagern und zu sichern. Dahin zielt das Angebot eines Datacenters.

Statt in der eigenen Firma die Daten abzuspeichern und zu sichern, werden diese an ein Center ausgelagert. Moderne Technik und schnelle Leitungen ermöglichen dies, und es spielt für die Kunden keine Rolle mehr, wo das Datencenter steht. Fachleute sprechen von der «Cloud», der Wolke, welche die Daten aufnimmt. Ein Datacenter kann die Server an den Firmenstandorten ersetzen.

2011 gründete Kurt Weber die Swissfiber AG Menziken (SFM), ein Unternehmen zum «Führen von Gesellschaften im Bereich Glasfasernetze und Datentechnologie». Die Kurt Weber AG hatte das Alu Hochhaus und die umliegenden Fabrikhallen von der Alu Menziken erworben.

Computerdaten werden heute entweder über Kupferleitungen von A nach B transportiert. Oder, was viel schneller ist, als Lichtimpulse über Glasfaserkabel. Hier ist die SFM tätig. Sie sicherte sich den Zugriff auf die Restkapazitäten des Glasfasernetzes der SBB.

Das Glasfasernetz ist lediglich ein Teil der Tätigkeit der SFM. Als IT-Dienstanbieter wird in Menziken ein Datacenter gebaut. Schrittweise - dem Bedarf angepasst - werden in den ehemaligen Hallen grosse Server installiert.

Mit der SFM hat Weber zum Ziel, ein Datennetz und ein Datacenter aufzubauen und zu betreiben. Kurt Weber agiert als VR-Präsident, die operativen Geschäfte führt der CEO der SFM, der Holländer Gerard van Liempt.

«Standort Menziken ist ideal»

«Der Standort Menziken ist ideal», sagt van Liempt, «wir haben hier von der ehemaligen Alu her genügend Stromkapazität für den Betrieb und eigenes Wasser für die Kühlung der Anlagen.» Im Hochhaus könne unter anderem die Administration untergebracht werden.

Die Swissfiber hat für den Ausbau des Netzes und für den Bau und die Einrichtung des Datencenters renommierte Partner verpflichtet. Im letzten Dezember hat die SFM dem chinesischen Telecom-Konzern Huawei (siehe Artikel unten) den Auftrag erteilt, die technischen Installationen und Geräte zu liefern und zu montieren. Die Firma sei weltweit aktiv und führend in Forschung und Technologie, so van Liempt. Huawei erzielt 70 Prozent ihres Umsatzes ausserhalb von China. Der chinesische Konzern mit seiner Niederlassung in der Schweiz tritt in Menziken nicht als Investor auf, sondern als technischer Ausrüster. Der Entscheid für Huawei als Totalunternehmer (TU) sei nach einer Ausschreibung gefallen. Weiteres technisches Know-how bringt die luxemburgische Telekom-Firma Telindus mit. Telindus, seit drei Jahren Netzwerk und Cloud-Betreiber, hilft mit, das Business in Menziken zu starten. Parallel zum technischen Ausbau startet der Verkauf der Produkte und Angebote der SFM.

Der Zeitplan der SFM sieht vor, im ersten Quartal 2013 die Anpassungen am SBB-Netz und den Aufbau des Datacenters parallel zu führen. Ende Mai werden erste Kunden Daten nach Menziken schicken können. Im Spätherbst steht das gesamte nationale Netz für die Kunden bereit. Im Endausbau betreibt SFM schweizweit das viertgrösste Netz, welches in privaten Händen ist.

Kurt Weber und Gerard van Liempt erwarten vom Datacenter einen Zugeffekt, der weitere Hightech-Firmen nach Menziken bringt. Ebenso entstehen neue Arbeitsplätze technischer und administrativer Art. Auf dem Gelände der ehemaligen Aluminiumfabrik entstehe eine neue Technik-Oase, sagt Kurt Weber.

Huawei bringt moderne Technologie

Die Swissfiber Menziken hat den chinesischen Technologie-Konzern Huawei mit der technischen Ausrüstung des Data-Centers beauftragt. Huawei, weltweit tätig, beschäftigt in China 150000 Mitarbeiter, davon 70000 in der Forschung und Entwicklung.

In der Schweiz startete Huawei 2008 mit fünf Mitarbeitern und beschäftigt heute 450 Personen. Huawei arbeitet in der Schweiz auch für die Swisscom und hat 2012 von Sunrise den Auftrag zum Betrieb ihres Telecomnetzes erhalten.

Vom «Sonntag» auf die in den USA gegenüber Huawei geäusserten Spionagevorwürfe angesprochen, dementierte dies der Huawei-Vertreter Kaspar Widmer. Die Vorwürfe in Amerika seien haltlos und würden dort von den Mitbewerbern auf dem amerikanischen Markt ausgenützt.

Kaspar Widmer erklärte, Huawei sei als Technologie-Firma weltweit tätig. Die Firma stütze sich auf drei Pfeiler: Technologie und Netzwerke, den Geschäftskundenbereich mit Datacenterlösungen und Endgeräte. So sind von Huawei auch Mobiltelefone auf dem Markt. Gerard van Liempt sagt, der Entscheid, den Auftrag für die Ausrüstung Huawei zu übergeben, sei wegen der modernen Technologie gefallen. «Mit Huawei sind wir immer auf dem neusten Stand.» Die Firma beschäftige sehr viele gut ausgebildete Leute, die im Durchschnitt 30 Jahre alt seien. «Die bringen Drive in die Sache». (psi)