Menziken

Die Braut spornte zur Firmengründung an – jetzt wird das Unternehmen 100 Jahre alt

Christoph Herzog unter dem Silo mit dem Jubiläumsbanner auf dem Firmenareal.

Christoph Herzog unter dem Silo mit dem Jubiläumsbanner auf dem Firmenareal.

Der Menziker Christoph Herzog führt das Bauunternehmen seiner Familie in dritter Generation – heuer wird es 100 Jahre alt. Noch steht kein Wechsel an. Die vierte Generation muss also noch etwas warten.

Der junge Reinacher Architekt Ferdinand Herzog hatte Glück. Die Dame seines Herzens stammte aus der Fabrikantenfamilie Burger, die es mit ihrer Stumpenfabrik Burger Söhne AG zu Reichtum gebracht hatte. Doch als Angestellter sei man kein würdiges Mitglied der Familiendynastie, eröffnete die Braut ihrem frisch angetrauten Ehegatten, der damals ein Reinacher Baugeschäft führte. Als angeheirateter Burger sei man Selbstständiger.

So erzähle man es in der Familie, sagt Christoph Herzog, der in dritter Generation das Bauunternehmen Herzog führt, heute in Herzog Bau AG und Herzog Holz AG unterteilt. Die Gattin seines Grossvaters sei massgeblich verantwortlich dafür gewesen, dass das Familienunternehmen 1920 in Menziken gegründet worden sei.

Zum 100-Jahr-Jubiläum war ein Riesenfest geplant. Coronabedingt wurde ein Festli daraus. «Wir werden das grosse aber nächstes Jahr nachholen», sagt der Chef. Dann wird man auch vor würdiger Kulisse feiern können: Das Mutterschiff Open Air, das jeweils auf dem Firmengelände über die Bühne ging, findet 2021 mangels Nachfolgeregelung zum letzten Mal statt. Ein paar Tage vorher holen Herzogs im bereits aufgebauten Mutterschiff die Party zum Hundertsten nach.

Dem Vergangenen nachweinen, bringt nichts

Was danach aus dem Bühnenmaterial werden soll, das über all die Jahre auf dem Firmengelände gelagert wurde, ist noch ungewiss. «Es ist traurig, dass das Mutterschiff nicht mehr stattfinden wird. Es ist ein Teil von uns geworden.»

Mit Aufs und Abs müsse ein Unternehmen zurechtkommen. Man müsse sich immer dem Wandel der Zeit anpassen. Vergangenem nachweinen, das schade der Entwicklung einer Firma. Das konnte Herzog, er ist jetzt 67 Jahre alt, an den Booms und Flauten der Baubranche beobachten, auch als sein Vater das Unternehmen noch leitete. Das grosse Wachstum in den 60er- und 70er-Jahren, der Rückgang in den 80er-Jahren aufgrund der Ölpreiskrise und der Bauboom, der seit zehn Jahren anhält. Auch die Firma sei in diesen Epochen jeweils gewachsen oder geschrumpft.

Lernende versucht er frühzeitig anzuwerben

Insofern hat Christoph Herzog auch keine schlaflosen Nächte wegen möglicher Coronakonsequenzen für seine Branche. Nach 27 Jahren als Firmenchef (er übernahm die AG 1993 von seinem Vater) weiss der gelernte Bauingenieur, dass es Krisen immer geben wird. Dazu gehört auch jene Krise, die als Folge der momentanen Bauwut prophezeit wird. Von einer drohenden Immobilienblase spricht man schon lange. «Als Bauunternehmen sind wir abhängig von der Bautätigkeit, doch wir können diese nicht beeinflussen», sagt Herzog. «Solange Bauherren Häuser gebaut haben wollen, bauen wir sie, und wenn sich das ändert, müssen wir weiterschauen.»

Noch steht kein Wechsel an

Das Gespür, richtig auf Tendenzen zu reagieren, musste Herzog nicht nur hinsichtlich der Bautätigkeiten entwickeln. Als Ausbildner für die Berufsprofile Zimmermann und Maurer ist die Firma Herzog auf Nachwuchs angewiesen, der diese Berufe lernen will. «Werde Maurer», steht auf einem Plakat, das an einer Werkstattwand hängt und das bereits Retro-Wert haben dürfte. Es zeigt dem Besucher, dass die Herzogs sich schon früher Kampagnen einfallen liessen, damit Lernende zu ihnen finden. «Ich habe zum Glück einen guten Draht zur Oberstufenschule der Region, weil meine Frau hier unterrichtet hat und kann so das Gespräch mit potenziellen Lehrlingen aufnehmen», sagt Herzog.

Wie aber steht es um den Nachwuchs für den Chefsessel? Christoph Herzog hat eine Tochter und zwei Söhne, Letztere haben Architekt respektive Zimmermann gelernt. Doch der Nachfolger müsste nicht zwingend verwandt mit ihm sein, so Herzog. Noch steht kein Wechsel an. Die vierte Generation muss also noch etwas warten.

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