Attelwil
Die Attelwiler wollen kein Gemüsezentrum

Patrick Forster will mit seinem Unternehmen Trachsel, einem Verteilzentrum für Früchte und Gemüse von Brittnau in seine Wohngemeinde Attelwil umziehen. Doch die Hürden für einen Umzug sind relativ hoch.

Aline Wüst
Merken
Drucken
Teilen
Manuela Forster mit Tomaten und Patrick Forster mit Staffelbacher Fenchel in ihrem Frucht- und Gemüseverteilzentrum in Brittnau

Manuela Forster mit Tomaten und Patrick Forster mit Staffelbacher Fenchel in ihrem Frucht- und Gemüseverteilzentrum in Brittnau

Chris Iseli

Vor einiger Zeit hat Patrick Forster beim Gemeinderat eine Anfrage deponiert. Diese hat an der letzten Gemeindeversammlung für ziemlichen Wirbel gesorgt.
Forster gehört das Unternehmen Trachsel, ein Verteilzentrum für Früchte und Gemüse mit Standort in Brittnau. Mit dieser Firma würde der Unternehmer nun gerne nach Attelwil ziehen, wo er mit seiner Ehefrau Manuela auch wohnt.
Doch die Hürden für einen Umzug in seine Wohngemeinde sind relativ hoch. Erstens sind laut Kanton solche Industriebetriebe nur in der Nähe von Autobahnanschlüssen vorgesehen und zweitens hat die Gemeinde zurzeit kein zonenkonformes Land anzubieten, damit Forster mit seinen 85 Mitarbeiter nach Attelwil ziehen könnte. Für ein Verteilzentrum müsste demnach eigens Landwirtschaftsland umgezont werden. Da Attelwil momentan gerade seinen Nutzungsplan überarbeitet, wäre die Umzonung theoretisch möglich. Doch die Attelwiler sind skeptisch.
«Recht gross für kleine Gemeinde»
Roger Lehner, Gemeindemannan von Attelwil, sagt, man habe die Anfrage von Forster ernst genommen und darum auch die nötigen Abklärungen getroffen. Zum Beispiel beim Kanton. Der will zwar solche Verteilzentren nur in der Nähe von Autobahnen bewilligen, würde aber eine Ausnahme machen, wenn die Bevölkerung hinter dem Projekt stünde.
Darum informierte der Gemeinderat zusammen mit Forster an der letzten Gemeindeversammlung über das Vorhaben. Der Rekordaufmarsch zeigte, dass Forsters Verteilzentrum interessiert. Gemeindeammann Lehner sagt, er habe gespürt, dass viele Attelwiler ihr Dorf als Wohngemeinde sehen würden, in dem vor allem KMU gestärkt werden sollen. Der Gemeindeammann selber sieht im Projekt Vorteile wie Arbeitsplätze und Steuereinnahmen, sagt aber auch: «Das Bauvorhaben ist schon recht gross für unser kleines Dorf.» Der Gemeinderat habe darum eine Liste mit Vor- und Nachteilen eines solchen Verteilzentrums erstellt. Ein gewichtiger Punkt sei dabei die Grundhaltung im Dorf, und diese - das zeigte sich an der Gmeind - ist sehr kritisch.
Unternehmer Forster ist enttäuscht über die ablehnende Haltung seiner Mitbürger. Er ist überzeugt, dass seine Firma die Gemeinde beleben würde. «Wir bringen Arbeitsplätze, Bekanntheit, Steuereinnahmen und Leute, die sich in Attelwil niederlassen.» Die Attelwiler hingegen befürchten vor allem eine Zunahme des Verkehrs in ihrer Gemeinde.
Forster, der Fenchel, Tomaten und Aprikosen bis weit über die Kantonsgrenzen hinaus transportiert, sieht das weniger dramatisch. Rund 50 Fahrbewegungen seien es pro Tag. Konkret würde das für Attelwil bedeuten: Morgens um vier Uhr fahren rund zwölf 3,5- bis 12-Tönner vom Verteilzentrum weg. Bis zu sechs Lastwagen treffen bis um halb acht Uhr morgens dort ein. Die restlichen Transportfahrzeuge verkehren bis spätestens um neun Uhr am Morgen. Und obwohl bei Trachsel rund um die Uhr gearbeitet wird, müssten Anwohner keinen Lärm befürchten. «Wir arbeiten nur in den Hallen», sagt Forster. Der Unternehmer hofft, sein Verteilzentrum trotz kritischer Stimmen bauen zu können.
Noch bis Ende Woche können die Attelwiler ihre Meinung zum Verteilzentrum beim Gemeinderat deponieren. Mitte Juli will der Gemeinderat entscheiden, ob eine Umzonung infrage kommt. «Die Stimmung der Bevölkerung ist ein wichtiges Kriterium beim Entscheid», hält Lehner fest.