Auf der gegenwärtig grössten Baustelle in Reinach wird die Abwasserreinigungsanlage (ARA) des Gemeindeverbandes Oberwynental ausgebaut. Dabei wird die Anlage erweitert und saniert. Die Erhöhung der Kapazität und die Erweiterung der Anlage durch eine Filteranlage sind einerseits eine direkte Folge der Bevölkerungszunahme im Oberwynental und andererseits die Antwort auf die vom Kanton 2010 erhöhten Einleitungsbedingungen in die Gewässer.

Abwasserreinigung ist im Oberwynental seit 1962 ein Thema. Damals wurde hier die erste zweistufige ARA im Kanton in Betrieb genommen. Mit dem gegenwärtigen Ausbau werde die ARA Reinach wieder eine der modernsten Anlagen im Kanton sein, erklärt Verbandspräsident Joe Eugster. «Unsere ARA in Reinach ist schweizweit die zweite Anlage, die zusätzlich mit einer Ozonierung zur Elimination der Mikroverunreinigungen ausgestattet ist.»

Ein Besuch auf der Baustelle zeigt, eine Kläranlage ist technisch und baulich ein komplexes Gebilde. Im Frühjahr 2015 haben die Bauarbeiten ihren Anfang genommen. In einer ersten Phase wurde auf dem zusätzlich gekauften Landstreifen von 6000 m eine komplett neue Reinigungsstrasse gebaut: Abwasserzulauf ins neue Rechengebäude zur mechanischen Reinigung, Sandfang, Vorklärbecken und biologische Reinigungsstufe. Die alte Anlage blieb parallel dazu in Betrieb, womit während der ganzen Bauzeit die Einleitbedingungen eingehalten werden konnten.

Den Klärbecken nachgeschaltet wurde neu eine Sandfiltration, ebenso wird eine neue Schlammbehandlung mit Schlammentwässerung realisiert. Sämtliche elektrischen Installationen wurden erneuert und ein neues Prozessleitsystem installiert.

Ozonierungsanlage vorgezogen

Während des Baus des neuen Teils der Anlage hat der Verbandsvorstand noch entschieden, auch die nach neuen gesetzlichen Bestimmungen vorgeschriebene Elimination der Mikroverunreinigungen in Form einer Ozonierung bereits jetzt einzubauen. Weil die Investition für den Einbau dieser Anlage zu drei Vierteln mit Bundessubventionen finanziert werden könne, werde das Budget nicht überstrapaziert, erklärt Eugster. Diese letzte Reinigungsstufe eliminiert die Mikroverunreinigungen durch Rückstände aus Medikamenten, sowie Körperpflege- und Reinigungsmitteln.

Die Schlammbehandlung wird vollständig erneuert. Nachdem sich gezeigt habe, dass die Sanierung der beiden alten Faultürme viel zu teuer werde, habe der Vorstand sich entschieden, einen neuen Faulturm zu bauen. Künftig wird der anfallende Klärschlamm im neuen Turm aufgeheizt und zum Gären gebracht. Das dabei entstehende Faulgas wird in einer, bereits vor einem Jahr in Zusammenarbeit mit der IBA Aarau, neu gebauten Aufbereitungsanlage vom Methan befreit und als Biogas in die Erdgasleitung der Wyna Gas AG eingespeist und verkauft. Den eigenen Wärmebedarf deckt die ARA neu durch Wärmerückgewinnung aus dem Abwasser. «So erreichen wir eine hohe Autonomie», sagt Eugster. Das alte Blockheizkraft wird nach diesem Konzept nicht ersetzt. Und nicht zuletzt wird die EWS Energie AG das Dach des neuen Betriebsgebäudes für das Aufstellen einer Photovoltaikanlage nutzen.

Stand der Bauarbeiten

Der Zeitplan konnte bisher nicht ganz eingehalten werden. So gab es beim Neubau Verzögerungen, weil beim Aushub bereits sichtbar wurde, dass der Baugrund schlechter war als erwartet. Und die zusätzlichen Bauten warfen den Plan auch noch etwas zurück.

Die neue Abwasserstrasse inklusive Ozonierung ist seit dem Sommer/Herbst 2016 in Betrieb. Jetzt wird die alte Anlage saniert und an die neuen Anlagen angepasst. Der Zeitplan sieht vor, die Bauarbeiten Ende Juni 2017 abzuschliessen. Dann wird die ganze Anlage in Betrieb genommen. Am 24. September findet für die Bevölkerung ein Tag der offenen Tür statt. Dann können die Besucher selber sehen, wozu die 32 Millionen Franken investiert wurden.