Reinach

Der von den Wölfen erzählt

Die jungen Zuschauer waren begeistert vom Einpersonenstück «Grossvater und die Wölfe» von Clo Bisaz im TaB.

Die jungen Zuschauer waren begeistert vom Einpersonenstück «Grossvater und die Wölfe» von Clo Bisaz im TaB.

Das Monodrama von Clo Bisaz begegnet der Welt aus Erwachsenen- und gleichzeitig aus Kinderoptik

Auf der Bühne ist es Nacht. Der Grossvater richtet seine karge Schlafstelle ein und legt sich hin. Im Saal ist es mucksmäuschenstill. Für einen kurzen Moment passiert ganz einfach – nichts.

Nichts passiert auf der Bühne, nichts vor der Bühne. Aber viel passiert in den Köpfen der jungen und erwachsenen Zuschauer im Publikum. Die Nacht bringt Ruhe. Mit der Nacht erwacht aber auch eine verborgene Welt. Darin blitzen Wolfsaugen. In dieser verborgenen Welt kann man Angst bekommen. Und in der verborgenen Welt kann man Mut schöpfen. Mut, um seine Ängste zu überwinden.

Kopfkino zum Laufen bringen

Mit seinen Theatervorstellungen wolle er das Kopfkino zum Laufen bringen, sagt Clo Bisaz, der seit zwölf Jahren mit dem Ensemble Salto&Mortale Theater für die Familie produziert. «In einer Welt, die von Bildern und Informationen überflutet wird, wird die selbstständige und selbstbewusste Orientierung umso wichtiger.»

Im Einpersonenstück «Grossvater und die Wölfe», das der Schauspieler aus Beinwil am See am Sonntag im Theater am Bahnhof TaB in Reinach aufgeführt hat, erzählt ein denkgewandter Dichter von seiner Expedition zum Drei-Höhlen-Berg, bei der er von seinen Enkelkindern begleitet wird. Die abenteuerlustige Wandertruppe muss verschiedene Hindernisse überwinden und begegnet auf ihrer Entdeckungsreise Bären und Wölfen. Beeindruckend ist dabei, wie es Clo Bisaz gelingt in seinem Spiel den lebenserfahrenen Blick des Grossvaters und den neugierigen Blick der Kinder zu vereinen. Beeindruckend ist auch, wie die jüngsten und jungen Zuschauer im Publikum gebannt der bedachtsamen Erzählung des Grossvaters lauschen.

Kontrastpunkt gegen Bombast

Das fast ohne Requisiten ausgestattete und auf ein Minimum reduzierte Bühnenstück bildet einen in sich ruhenden Kontrastpunkt zum Bombast der heutigen Unterhaltungsindustrie. «Diese Übertreibungen braucht es nicht», sagt Schauspieler Clo Bisaz. Die Kinder seien absolut fähig, innerhalb ihrer eigenen Gedankenwelt eigene Erfahrungen zu machen. Hier gelte es, wieder mehr Vertrauen zu schenken. «Das Theaterstück sagt den Kindern, dass es in Ordnung ist, wenn man Angst hat. Es berichtet vom gemeinsamen Meistern grosser Herausforderungen.»

Clo Bisaz, der seit zehn Jahren auch für das Programm im TaB verantwortlich zeichnet, findet: «Sowohl Kinder als auch Erwachsene brauchen spannende Geschichten.» Diese seien wichtig für den sozialen Zusammenhalt und würden dabei helfen, mit der Welt umzugehen.

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