Am Dienstag diese Woche hat er seine letzte Gemeinderatssitzung geleitet. Der bald 55-jährige Hans-Jörg Beutler tritt nach 16 Jahren im Gemeinderat, die letzten 12 als Ammann, auf Ende Jahr zurück.

Sport bedeutete ihm während seiner Amtszeit viel: Welcher Gemeindeammann legt 150 Radkilometer in fünf Stunden und 20 Minuten zurück?

Beutler tats am letzten Powerman in Zofingen. Beim Sport durchlüftete er nicht nur den Kopf; er wusste das Hobby auch für sein Amt zu nutzen.

«Beim Joggen oder vor allem beim Velofahren habe ich viele Versammlungen durchgespielt», sagt Beutler. Er mag auch das Mannschaftsspiel, spielt bei den Aarauer Senioren Eishockey und präsidiert den Inline-Hockey-Verein Black Panthers Zofingen.

Sportlich nahm er auch politische Niederlagen: Einmal habe die Gemeindeversammlung den Gemeinderat zurückgepfiffen, als dieser das Fuder überladen habe und zu viel Geld auf einmal habe ausgeben wollen.

Er lobt das gute Klima an den jeweils gut besuchten Gemeindeversammlungen – 10 bis 15 Prozent Beteiligung.

Und der Applaus am Ende der Versammlung tue gut: «Ich habe mich immer getragen gefühlt von der Bevölkerung.» Auf die Idee, nach Bottenwil zu ziehen, kam er durch seine Frau, die im «Bären» aufgewachsen ist.

Hausaufgaben machen

«Solange ich Gemeindeammann bin, bleiben wir selbstständig», machte Beutler gleich bei Amtsantritt seine Haltung zu Fusionen deutlich.

Dieses Hauptziel hat er verfolgt im Wissen, dass das Thema das Dorf gespalten hätte in Anhänger einer Fusion mit Zofingen und den Gegnern.

Die Zahlen geben ihm wohl recht: Was hätten 780 Bottenwiler in einem Zofingen mit 12 000 Einwohnern noch zu sagen? Was würde Bottenwil den Zofingen bedeuten?

Selbstständigkeit habe aber ihren Preis. Die Gemeinde müsse ihre Hausaufgaben machen, das heisst: Die Finanzen stets im Auge behalten, Wünschbares vom Notwendigen trennen. Die ländliche Struktur und deren Überschaubarkeit wertet er als grossen Vorteil.

Ein Beispiel: «Schwierige Personen» werden jeweils vom Gemeinderat eingeladen, damit er sie kennenlernen kann. «Wir reden mit ihnen und wollen auch etwas über ihre Perspektiven wissen», sagt er.

Den «Ärmel ineglitzt»

In den Gemeinderat wählten ihn die Bottenwiler als Parteilosen. Als Zahntechniker mit eigenem Unternehmen, einer Familie (zwei heute erwachsene Kinder) und einem Haus habe er sich auf eine Anfrage des früheren Ammanns bereit erklärt, einzusteigen. Und es hat ihm den «Ärmel ineglitzt».

Dass man im Rat nicht immer gleicher Meinung ist, findet Beutler positiv: «Der beste Konsens entsteht aus verschiedenen Meinungen.» Das Kollegialitätsprinzip werde in Bottenwil hochgehalten, und wenn man nach der Sitzung im «Pöstli» zusammensitze, gehe es nicht mehr um die Dorfpolitik.

«Ich werde ihn als Vorgesetzten vermissen», sagt Gemeindeschreiberin Elisabeth Giudici und lobt die sehr gute Zusammenarbeit: «Er hatte immer Zeit.»

Und der grüne Gemeinderat im ansonsten aus Parteilosen zusammengesetzten Rat, Beat Niederberger, bestätigt: «Hans-Jörg Beutler hat immer die Sache in den Mittelpunkt gestellt und nach sachlichen konstruktiven Lösungen gesucht, völlig unabhängig von irgendwelchen Parteiideologien.» Er habe auch für eine angenehme Arbeitsatmosphäre gesorgt.

Eines der grösseren Projekte seiner Amtszeit war der generelle Entwässerungsplan, ein Thema, das er aus seiner Zeit als Gemeinderat ins Ammannamt mitgenommen hat.

Es ging darum, nach der Schliessung der ARA Uerkheim den Anschluss an die ARA Kölliken zu vollziehen und die Leitungen zu bauen. Beutler wird auch weiterhin den Abwasserverband Uerkental präsidieren.

Gesamtsicht wahren

Ehrlich sein, auf die Leute zugehen und zuhören können: Das sind für den gebürtigen Oltner mit Heimatort Lauperswil im Kanton Bern gute Voraussetzungen für das Amt des Gemeindeammanns.

Dabei gelte es, eine Gesamtsicht zu wahren, die Interessen des Gemeinwesens als Ganzes im Auge zu behalten. Dazu gehört auch, dass der Name Bottenwil positiv besetzt ist.

«S’Fabrikli», die Kulturstätte der Gemeinde, hat regionale Ausstrahlung. Die Gemeinde hat das Haus sanft renovieren lassen, damit es nicht verfällt.

Das Fabrikli ist Begegnungsstätte für verschiedene Anlässe: private Feste, Vereinsanlässe, kulturelle Veranstaltungen. Auf Anregung des Gemeinderates wurde ein Kulturverein gegründet. Dieser hat den Auftrag, pro Jahr etwa ein halbes Dutzend Veranstaltungen durchzuführen.

Bald beginnt für den abtretenden Ammann die sitzungsfreie Zeit. «Ich muss zuerst Abstand gewinnen, vielleicht kommt die Lust, mich auch wieder in irgendeiner Weise in der Öffentlichkeit zu engagieren», sagt er und verweist auf seine Erfahrungen und sein Wissen, das er sich erworben hat.

Und wo sieht er sich parteipolitisch, falls es Politik auf höherer Ebene sein sollte? «Am ehesten bei der BDP», sagt Hans-Jörg Beutler.