Reinach
Der seine Puppen vor der Queen tanzen liess

Mel Myland, geboren in London, ist Wahlwynentaler – wie er zum Marionettenspiel kam und warum seine Geschichte im Tal in der Giesserei anfängt.

René Fuchs
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Marionettenspieler Mel Myland in seiner Werkstatt. zvg/Ephraim Bieri

Marionettenspieler Mel Myland in seiner Werkstatt. zvg/Ephraim Bieri

Photographer: Ephraim Bieri;René

Seine Augen leuchten, sein Gesicht voller Mimik strahlt, wenn Mel Myland (66), der Marionetten- und Puppenspieler aus Reinach, seine Figuren zum Leben erweckt. Mit seinen Händen geschaffen, erfreuen sie Jung und Alt und imitieren die verschiedensten menschlichen Charaktere: mal scheu, traurig, wissbegierig, mitteilsam und oft zu Spässen aufgelegt.

Schon im Alter von acht Jahren packte ihn, den Knaben aus London, am südenglischen Strand in Eastbourne die Leidenschaft, als er einem Marionettenspieler gebannt zuschaute.

«Man kann alles schaffen, was man will, man muss es nur probieren», hatte ihm sein handwerklich geschickter Vater Bob mit auf den Weg gegeben. Eine Handpuppe zu Weihnachten war jeweils das grösste Geschenk und animierte Mel Myland Schüler und Erwachsene zu unterhalten.

Ein Talent war entdeckt, doch das Leben eines Künstlers war hartes Brot und so reiste Mel Myland per Autostopp in halb Europa herum. Gelegenheitsjobs auf dem Bau, in der Landwirtschaft, im Zirkus, in einer Werbeagentur und gar als Patissier halfen ihm über die Runden.

Oberkulm: Hier wollte er bleiben

Mit 21 Jahren gelangte er zum ersten Mal in die Schweiz, nach Oberkulm, zu einem Kollegen, der eine Töpferei betrieb. Fasziniert von der Landschaft, den Menschen mit ihren Traditionen und den alten Bauernhäusern wollte er bleiben.

Doch eine Arbeitsbewilligung zu erhalten, war fast unmöglich. Jeden Morgen stand er also um 7 Uhr vor dem Arbeitsamt, bis es endlich klappte und er als Aluminiumgiesser angestellt wurde. Immer wieder wurde ein Engländer in der Werkstatt verlangt, bis er schalkhaft merkte, dass nicht er, sondern ein Werkzeug gesucht wurde.

Eine Lehre als Psychiatriepfleger in Königsfelden, die Arbeit in einem Kibbuz in Israel und die Anstellung als Schreiner in Dättwil waren weitere Meilensteine auf dem nicht einfachen Weg, das grosse Hobby zum Beruf zu machen.

In Schinznach entstand in einem Estrich eine erste Werkstatt und bald war auch Conny, die Liebe des Lebens gefunden. Ausstellungen in der nahen Umgebung und Aufträge fürs Gewerbe und für die Fasnacht belebten die Nachfrage sehr.

Ein Höhepunkt war, Kopien der weltberühmten Marionetten von Sophie Taeuber-Arp für die Neuinszenierung des Stückes «König Hirsch» herstellen zu dürfen.

1993 zog es Mel Myland mit seiner Frau und den vier Kindern aber zurück nach England in seine alte Heimat. 18 Jahre folgten, in denen seine Werkstatt mit vier Angestellten mannigfache Aufträge für Bühnen, Werbefilme und Shows erhielt.

2006 vermittelte eine Agentur Mel Myland sogar einen Auftritt zum 80. Geburtstag der Queen Elisabeth II im grossen Garten des Buckingham Palace. Unvergessen nicht nur wie die Sicherheitsleute staunten, als er für das Stück «Teddy Bear’s Circus» eine kleine Kanone mitbrachte, sondern auch das Zuwinken der Queen inmitten von 2000 Kindern.

Figuren an der Basler Fasnacht

Seit 2011 ist Reinach wieder das Zuhause, wo Pläne geschmiedet, Stücke geschrieben und Marionetten gebaut werden. Rund zwei Wochen dauert es, bis vom Holzklotz aus Linde eine der ausdrucksstarken Figuren entsteht, die mit neun und mehr Fäden zum Leben erweckt wird. Passende selbst genähte Kleider und andere Utensilien inklusive.

Mit «Teddybärs Zirkus» ist Mel Myland mit seiner Schwiegertochter Katrin hie und da in Kindergärten und Schulen unterwegs und bald soll zusammen mit zwei Musikerinnen das Märchen «Dornröschen» ohne Text aufgeführt werden. Und so mancher Schnitzelbänker in Basel ist in diesen Tagen stolz, mit Figuren aus Reinach auftreten zu dürfen.