Sie sind seit acht Monaten Vorsitzende der Gemeinde. Wie verlief der Start ins neue Amt?

Silvia Morgenthaler: Sehr gut, dies vor allem auch dank der guten Unterstützung meiner Ratskollegen und des Gemeindeschreibers.

Wo haben Sie schon erste Spuren hinterlassen?

Ich masse mir nicht an, dass die Gemeinde nach einem halben Jahr schon meine Handschrift trägt. Wir werden in Kürze eine Strategiesitzung abhalten und dort werde ich mich sicherlich einbringen.

Wie wurden Sie von Ihren Kollegen und Kolleginnen der andern Gemeinden aufgenommen?

Wir trafen uns anlässlich der Gemeindeammännervereinigung im Bezirk und ich wurde sehr gut aufgenommen. Der Austausch mit anderen Amtskollegen ist sehr lehrreich, gerade für mich, schliesslich bin ich immer noch in der Lernphase.

Welche Projekte stehen bei Ihnen momentan auf der Prioritätenliste der Gemeinde zuoberst?

Die Sanierung der Schulanlage ist finanziell ein grosser «Brocken» für uns und wird uns die nächsten zwei bis drei Jahre noch beschäftigen.

Und wo steht das Thema Fusion?

(lacht) Das ist ein Dauerthema, auch bei uns. Wenn man die Situation langfristig betrachtet, dann werden Fusionen unumgänglich sein. Ein Zusammenschluss macht aber nur mit einer grossen Gemeinde Sinn, denn aus zwei armen wird nie eine reiche Gemeinde entstehen.

Warum ist eine Fusion mit Kirchleerau kein Thema?

Wir arbeiten schon eng mit Kirchleerau zusammen, betreiben eine gemeinsame Feuerwehr, haben eine gemeinsame Schule und noch andere Sachen. Ich bin überzeugt, dass fast alle Gemeinden im oberen Suhrental eine Zusammenarbeit mit einer grösseren Gemeinde anstreben.

Eine grössere Gemeinde ist Schöftland. Will Schöftland überhaupt mit euch fusionieren?

Wir arbeiten ja auch mit Schöftland seit längerer Zeit eng zusammen. In den Gesprächen mit den Verantwortlichen ist klar zu spüren, dass Schöftland gewillt ist, den Lead zu übernehmen, aber die Form einer Fusion hat man so noch nicht diskutiert.

Wie haben Sie die Fusionsgeschichte von Uerkheim und Zofingen mitverfolgt?

Ich fand es spannend, dass eine Gemeinde wie Uerkheim «über den Hoger» mit Zofingen fusionieren wollte. Warum die Sache am Ende gescheitert ist, weiss ich aber auch nicht.

Erstaunt es Sie, dass viele geplante Fusionen nicht zustande kommen?

Nein, eigentlich nicht, denn das ist typisch schweizerisch. Wir bleiben gerne in unserem Garten und versuchen so lange zu funktionieren, wie es noch geht. Wenn eine Fusion später unumgänglich wird und allenfalls gar vom Kanton aufgezwungen wird, wird es dann für alle Beteiligten viel schwieriger, das zu ertragen.

Wie steht es um die Finanzen in der Gemeinde?

Wir sind nicht schuldenfrei, aber auch nicht im Bereich, in dem man uns eine Rote Karte zeigen muss.

Der Steuerfuss ist auf 119 Prozent gestiegen, steigt er weiter?

Wir haben bei der letzten Senkung des Steuerfusses der Bevölkerung mitgeteilt, dass es auch wieder einen Anstieg geben wird. Deshalb gab es kein böses Erwachen. Wir sind nicht der Meinung, dass man den Steuerfuss künstlich tief halten soll, um attraktiv zu bleiben. Aus unserer Sicht machen andere Faktoren eine Gemeinde attraktiv.

Warum soll man nach Moosleerau ziehen?

Ich bin ja auch eine Zugezogene. Mich überzeugt die Lebensqualität in der Gemeinde, das Suhrental ist wunderschön und zudem hat unser Dorf dank der guten Lage sehr viel Sonne, auch am Abend noch.

Welche Lösungen haben Sie für den stetig zunehmenden (Schwer-)Verkehr in Ihrer Gemeinde?

Der Wunsch wäre, dass man den Verkehr mit einer Umfahrungsstrasse um das Dorf leiten könnte, was aber schwierig umzusetzen ist. Realistisch wäre, dass man dafür sorgt, dass der Schwerverkehr auf der Autobahn bleibt und nicht die Abkürzung durchs Suhrental nimmt.

Ihre Gemeinde kam letztes Jahr in die Schlagzeilen, weil das Trinkwasser verschmutzt und ungeniessbar war. Wie haben Sie das damals erlebt?

Ich war erstaunt, wie ruhig die Bevölkerung darauf reagiert hat und das Problem ausgestanden hat, im Wissen, dass die Verantwortlichen alles unternehmen, um das Problem so schnell wie möglich zu lösen.

Sie sind Fachlehrerin für Radiologie an der Berufsschule in Aarau, bilden Leute im Gesundheitswesen aus. Die Kosten des Gesundheitswesens belasten die Gemeinden je länger je mehr. Kommen Sie in dieser Situation manchmal auch in einen Interessenkonflikt?

Nein. Wir sind eine Luxusgesellschaft und wollen die beste medizinische Versorgung für uns, schliesslich will jeder von uns 100 Jahre alt werden, diese Medizin hat nun mal ihren Preis.

Möchten Sie auch 100 Jahre alt werden?

Nein, ganz bestimmt nicht.

Auf was sind Sie besonders stolz in Ihrer Gemeinde?

Auf die gute dörfliche Gemeinschaft, auf die Toleranz untereinander und das gut funktionierende Vereinsleben.

Wenn Sie drei Wünsche für Ihre Gemeinde erfüllt bekämen, welche würden es sein?

Erstens eine bessere Anbindung an den öffentlichen Verkehr, dann, eine Finanzlage, die der Gemeinde ein selbstständiges Funktionieren erlaubt, und wenn es dann nicht mehr möglich sein soll, eine gute Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden.