Reinach

Der Schub kommt aus dem Hinterrad

Christian Zingg mit Hinterrad mit Nabenmotor und Akku: Aus dem Velo wird ein Berggänger.  Peter Siegrist

Christian Zingg mit Hinterrad mit Nabenmotor und Akku: Aus dem Velo wird ein Berggänger. Peter Siegrist

Der Maschinenbauer Christian Zingg rüstet beinahe jedes Velo zum rassigen E-Bike um. 60 Velos hat er im letzten Jahr für seine Kunden umgebaut und er lädt auch zu Probefahrten ein.

Ein Augenschein bei Christian Zingg in Reinach beweist es: Den Lenker des Elektrovelos festhalten, aufsitzen, in die Pedale treten und schon ist die Überraschung da. Wie wenn einer unsichtbar hinter dem Velo steht und anschiebt, so beschleunigt das Gefährt, und ab gehts. Sofort erreicht der Velofahrer mit der Unterstützung des Motors eine Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern.

Die Testfahrt am Hang des Hombergs zeigt dann erst recht, was Elektrounterstützung am Berg bedeutet. Zwar schaltet der Fahrer wie gewohnt in einen kleineren Gang, gibt Druck auf die Pedale. Aber dann spürt er, wie das Velo beschleunigt: Zwar nicht ganz ohne Anstrengung, aber zügig und doch locker gehts bergwärts.

Selbst die Talfahrt wird zum Erlebnis. Am Steuergerät minus 1 bis 4 einstellen und schon bremst das Rad von sich aus. Christian Zingg, der Maschinenbauer, erklärt, weshalb: «Die Steuerung stellt bei Minus den Motor um, er arbeitet jetzt als Generator, bremst und liefert den produzierten Strom an die Batterie.» Das gleiche Prinzip wird im Lokomotivbau schon lange angewandt. Wird ein Zug gebremst oder fährt er talwärts, stellt der Lokführer auf Bremsen um. Die Motoren produzieren Strom und speisen ihn direkt ins Netz ein.

Maschinenbauer rüstet Velos um

Christian Zingg führt in Reinach eine Metalltechnik-Firma und beschäftigt sich vor allem mit Maschinenbau. Als er für sich selber ein Velo mit einem zusätzlichen Elektro-Antrieb ausrüsten wollte, ist er auf das System BionX gestossen. «Man kann beinahe jedes Fahrrad ausrüsten», erklärt Zingg. Drei Bauteile sind nötig: Ein Hinterrad mit einem in der Nabe eingebauten Elektromotor, ein Akku und ein Steuergerät.

Zingg war so begeistert von seinem Fahrrad, das er quasi als Nebenzweig seiner Firma angefangen hat, weitere Fahrräder auszurüsten. 60 Velos hat er im letzten Jahr für seine Kunden umgebaut, und er lädt zu Probefahrten ein.

Zu Zinggs Kunden zählen heute sowohl sportliche Biker, Tourenfahrer wie auch Senioren. Auch junge Leute, die mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, lassen sich gern unterstützen, «sie kommen dann nicht verschwitzt im Betrieb an», sagt Zingg. Auch habe er Fahrräder für Eltern mit Kinderanhängern umgerüstet.

Das Elektrovelo fahre aber nicht wie ein Mofa von allein, pedalen müsse man immer noch.

Der Bausatz wiegt rund acht Kilogramm. Eine Akkuladung reicht je nach Unterstützungsstufe und Akku für eine Strecke von 65 bis 90 Kilometern. Ganz billig ist die Umrüstung nicht. Je nach Typ kostet der Einbausatz 2000 bis 3000 Franken. Beim Akku garantiert der Hersteller rund 700 bis 1000 Ladezyklen.

Velofahrer, die den Typ «45 Stundenkilometer» wählen, brauchen eine Mofanummer.

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