Reinach/Beromünster

Der Rüebligraben teilte das Oberwynental schon 1415

Der Kunsthistoriker und Ausstellungsmacher Hans Ruedi Weber ist in Menziken aufgewachsen und lebt heute in Beromünster.

Der Kunsthistoriker und Ausstellungsmacher Hans Ruedi Weber ist in Menziken aufgewachsen und lebt heute in Beromünster.

Ausstellung mit Blick auf eine Grenzziehung im Jahr 1415, die bis heute nachwirkt.

Angefangen hatte alles mit einem Stein. Dem Grenzstein von «Maihusen», der bei Menziken eine alte Staatsgrenze markiert. Die vollendete Form des Zeitzeugen faszinierte den heute 68-jährigen Kunsthistoriker Hans Ruedi Weber schon als Kind und hinterliess einen bleibenden Eindruck – wenn auch einen falschen.

«In meinem Kopf hatte sich irgendwie die Jahreszahl 1415 eingeprägt», sagt Weber. Deshalb sei ihm die Idee gekommen, den alten Grenzstein zu seinem heurigen sechshundertjährigen Geburtstag restaurieren zu lassen.

Als sich herausstellte, dass der alte Grenzstein gar nicht Geburtstag hat – er stammt nämlich aus dem Jahr 1514 – war es schon zu spät: Der Kunsthistoriker hatte längst Feuer gefangen und aus dem Restaurierungsprojekt war ein ganzes Ausstellungskonzept geworden.

Es war nicht nur die Grenzziehung von 1415 selbst, die Weber thematisieren wollte, sondern auch deren Auswirkung auf die Menschen – das Trennende und das Verbindende.

Denn nachdem die Eidgenossen den Aargau erobert hatten und die Gegend in zwei Herrschaftsgebiete geteilt worden war, entstand zwischen dem bernischen Oberwynental und dem luzernischen Michelsamt ein eigentlicher Kulturgraben oder «ein Rüebligraben», wie Weber die Grenze anlässlich einer Ausstellungseinführung leicht ironisch nannte und so nicht zuletzt wie beim Röstigraben auch deren Durchlässigkeit implizierte.

Grenze von Menschen verwischt

«Der Rüebligraben – Blicke auf eine Grenze», lautet denn auch der Titel der Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Museum Schneggli Reinach und dem Schlossmuseum Beromünster entstanden ist und ab 5. September in beiden Häusern ergänzend gezeigt wird.

Die Ausstellung selber ist eine gewollte, ja gesuchte Grenzübertretung. Denn sie zeigt auf, dass die Grenze, so zementiert und kontrolliert sie damals auch war, von den Menschen verwischt wurde, die im Tal zusammen gelebt, gearbeitet, geliebt und gelitten haben. Nicht nur die diversen Pestzüge kannten keine Grenze, Überschreitungen gab es immer, sei es in den Gebräuchen, der Sprache, in dem Baustile kopiert oder Reliquien übernommen wurden.

Und so haben es auch die Ausstellungsmacher Hans Ruedi Weber und seine Helfer gehalten: «Wir haben die Spuren der Berner Reformatoren von 1528 ein wenig verwischt; die katholischen Bilder nach Reinach getragen, in Beromünster die Figuren weggeräumt und den Hausaltar geschlossen», ist im Vorwort der Publikation zur Ausstellung zu lesen.

Es sind nicht nur die vielen Gegenstände, die Weber in anderthalbjähriger Vorbereitungszeit zusammengetragen und in den Ausstellungskontext gebracht hat, es sind auch – oder gerade – die unzähligen Schriftstücke und Zitate, die dem Besucher die Geschichte und Geschichten rund um den Rüebligraben lebendig vermitteln.

Sie erzählen davon, wie die Staaten die Religion instrumentalisierten, wem die Macht im Vordergrund gehörte, wer das Sagen im Hintergrund hatte, wie die Menschen sich fügten oder querulierten und wo trotz Tanzverbot ausgelassen gefeiert wurde.

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