Der Mann war elegant gekleidet, am schwarzen Stoff blinkten silberne Knöpfe und obendrauf konnte er auch noch singen. Selbsterklärend, dass Sandra Haller schon beim ersten Treffen von ihrem heutigen Partner Daniel Rocabado begeistert war. Elf Jahre ist das nun her. Sie war eingeladen an ein Fest zugunsten eines Mittagstisches in Dürrenäsch, er unterhielt dort die Gäste als Mariachi-Musiker.

An diesem Nachmittag übt Daniel Rocabado (56) mit seinem Band-Partner Alejandro Villamar in seiner Teufenthaler Wohnung, in die er mit Sandra Haller (48) und ihrer Tochter Tamina (19) vor ein paar Jahren gezogen ist.

Derweil haben die beiden Mariachis ihre Silberknöpfe zurechtgerückt, die Gitarre umgeschnallt und verziehen das Gesicht, um der traurigen Gefühlslage ihres Lieds gerecht zu werden. Hört man den beiden zu, so wähnt man sich in einer lauen Nacht in Mexiko, in der Hand ein Glas Margarita mit Salzkruste.

Daniel Rocabado (links) aus Teufenthal tritt als Mariachi auf und singt mit Alejandro Villamar "Esa Tuna"

Daniel Rocabado (links) aus Teufenthal tritt als Mariachi auf und singt mit Alejandro Villamar "Esa Tuna".

   

Etwas Chili fürs Fest

Üben muss der gebürtige Mexikaner nun öfter, denn er will sein Hobby zum Beruf machen. Neben seiner Teilzeitstelle als Koch ist er nämlich seit kurzem Angestellter in der von seiner Partnerin gegründeten GmbH: ein Buchungsservice für mexikanisches Catering und Mariachi-Musik. «Viva Mexico Schweiz» heisst die junge Firma. Damit wollen sie ab sofort Firmenfeste und Geburtstagspartys mit mexikanischer Gaumen- und Lebensfreude würzen.

Der Grund für die neue Firma ist weniger freudig: Daniel Rocabado wurde mit Mitte fünfzig arbeitslos. Vor ein paar Jahren stürzte er auf seinem Heimweg böse mit dem Velo – ein gebrochenes Schlüsselbein, eine gebrochene Schulter und eine zweifach gebrochene Hand waren die Folge. «Ich arbeitete in der Logistik und konnte die Arbeit danach nicht mehr wie vor dem Unfall erledigen», sagt er. Im Rahmen einer Umstrukturierung wurde er entlassen.

Sandra Haller arbeitet als HR-Fachfrau und wird vielleicht bald zusätzliche Mitarbeiter einstellen können. Für ihren mexikanischen Foodtruck haben sie gerade zweimal pro Woche einen Standort zugesichert bekommen, auf dem sie über Mittag ihre Quesadillas und Tacos anbieten können. «Wir waren schon in Kontakt mit Gewerblern von gegenüber und haben von der Garage Frei angeboten bekommen, auf ihrem Platz mit dem Foodtruck vorzufahren», sagt Sandra Haller. Weitere Mittags-Standorte suchen die beiden momentan noch.

Nach Europa getänzelt

Ursprünglich hatte der Mariachi Rocabado nicht das Koch-Metier gewählt – Essen war in seinem Erstberuf gar verpönt. Anfang zwanzig war er aufstrebender Profi-Balletttänzer – inklusive Gesangsausbildung – und träumte von einer Choreografenkarriere. «Vor 40 Kilogramm war das», sagt Rocabado und lacht. Nach Auftritten an Festivals in Chile und Brasilien winkte der erste Vertrag von Übersee. In Deutschland wurde er sesshaft und erhielt hochgradigen Kochunterricht – der Liebe sei Dank. Denn mehrere Jahre war er dort mit einer Zwei-Sterne-Köchin liiert. Über eine Eventagentur konnte man ihn als Koch und Mariachi buchen. Dies brachte den einstigen Balletttänzer bis in «die ultimative Chart Show» von RTL und ins «Big Brother»-Haus. Hauptberuflich arbeitete er abwechselnd als Koch und in der Logistikbranche und erhielt 2008 von seinem Arbeitgeber das Angebot, an den Dürrenäscher Standort zu wechseln. Und dort lachte ihn während eines Mariachi-Auftritts auf einmal diese schöne Frau aus dem Publikum an.