Am Dienstagabend fand die Generalversammlung der Aktiengesellschaft Regionales Alterszentrum Schöftland statt. Dabei wurde Uwe Matthiessen (57) als neuer Präsident gewählt. Und es kam zum Ausdruck, dass sich die Modernisierung des Pflegeheims verzögert. Diskutiert wird eine Kombination von Sanierung und Neubau.

Seit Januar sind Sie als Parteiloser im Reitnauer Gemeinderat. Von Beruf sind Sie Unternehmensberater. Was hat Sie bewogen, sich in den Verwaltungsrat des Alterszentrums wählen zu lassen?

Ein Grund ist sicher mein persönlicher Bezug zum Alterszentrum. Zu meinem Bekanntenkreis gehören sowohl Bewohner des Zentrums als auch Menschen, die dort arbeiten. Durch sie habe ich auch einige Informationen mitbekommen. Ich halte das Alterszentrum für eine sehr wichtige Institution, und als sich die Chance ergab, in den Vorstand einzutreten, habe ich mich gerne zur Verfügung gestellt.

Sie sind als Aussenstehender direkt Präsident des Vorstands geworden.

Die Ammänner der Verbandsgemeinden führten Vorstellungsgespräche durch. Aufgrund derer haben sie entschieden, wer für die Wahl des VR-Präsidentenamts vorgeschlagen wird. Ich denke, es hängt mit meiner beruflichen Situation zusammen, dass die Wahl auf mich fiel. Ich bin seit kurzem selbstständig, arbeite zu Hause in Reitnau und kann mir die Zeit selber einteilen. Zuvor habe ich lange bei der Migros im Anstellungsverhältnis gearbeitet und hätte keine Zeit für Ämter gehabt, auch nicht als Gemeinderat.

Was ist aktuell das Hauptproblem des Alterszentrums?

Ob die derzeitigen Hauptthemen auch Probleme sind, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch zu wenig beurteilen. Ein Punkt ist sicher die Fluktuation der Zentrumsleiter, die sehr anspruchsvoll war. Auf Otto Zeller folgte Thomas Zeller, auf ihn wiederum Otto Zeller ad interim, bevor im letzten Jahr der neue Leiter Thomas Steidle die Führung übernahm. Das war eine Herausforderung für das gesamte Führungsteam und die Mitarbeitenden bezüglich Stabilität und Kontinuität. Weitere Themen sind die Erweiterung und Sanierung des Alterszentrums, die ins Stocken geraten ist, sowie die Jubiläumsfeier. Diese Aufgaben möchte ich schnell angehen und werde mich dazu so rasch als möglich mit meinem Vorgänger Hans Rudolf Würgler zusammensetzen, damit er mir die Dossiers übergeben kann. Ich werde unvoreingenommen an die Themen herangehen und versuche die Gerüchte, die ich bereits gehört habe, grossmehrheitlich auszublenden.

Sind die personellen Turbulenzen, bedingt durch die Führungswechsel, nun bewältigt?

Dem neuen Zentrumsleiter Thomas Steidle ist es ein Ziel, die Fluktuation auf ein gesundes Niveau zu bringen. Bereits heute kann er sagen, dass er mit seinen engeren Mitarbeitern ein gutes Team bildet und er darauf bauen kann. Diese Worte stimmen mich zuversichtlich.

In den Zeiten der Führungswechsel haben mehrere Mitarbeiter gekündigt. Ist das Altersheim nun wieder ein attraktiver Arbeitgeber?

Auch hier kann ich nur aus Herrn Steidles Aussagen schliessen: Seiner Ansicht nach ist die Grundlage da, dass das Team wieder an Stabilität gewinnt und wachsen kann. Damit das Alterszentrum nicht nur einer der grössten Arbeitgeber der Region ist, sondern auch ein attraktiver. Aus meiner Erfahrung als Unternehmensberater kann ich sagen, dass es relativ rasch geht, bis in einem Betrieb Unruhe entsteht. Dass es danach aber mindestens doppelt so lange dauert, bis die Stabilität wiederhergestellt ist. Ich kann mir vorstellen, dass potenzielle Bewerber wegen all dem, was geschehen ist, noch zurückhaltend sind.

Nächstes Jahr hätte die Sanierung des Alterszentrums beginnen sollen. Wo steht man heute mit den Vorbereitungen?

Genau weiss ich das noch nicht. Es steht aber ganz oben auf meiner Liste, den heutigen Stand abzuklären.

Sie sind 2017 von alt Regierungsrätin Susanne Hochuli motiviert worden, für den Gemeinderat in Reitnau zu kandidieren. Hat sie auch beim Entwicklungsprozess, VR-Präsident zu werden, eine Rolle gespielt?

Nein, bei diesem Entscheid war sie nicht involviert. Auf die Idee kam ich, weil ich aufgrund meiner Gemeinderatsressorts wie etwa Bildung, Jugend und Familie seit Januar mit vielen Personen aus dem sozialen Bereich in Kontakt kam. Aus den Gesprächen hat sich dann meine Motivation für den Verwaltungsrat entwickelt.

Wegen der Fusion mit Attelwil muss der Gemeinderat neu gewählt werden. Alle Gemeinderäte aus Reitnau treten an, es können aber nur drei Reitnauer im neuen Gremium vertreten sein. Bleiben Sie auch dann VR-Präsident, wenn Sie nicht gewählt werden?

Ich werde mich sicher 2019 als VR-Präsident zur Wiederwahl stellen. Dies unbeachtet dessen, ob ich nun als Gemeinderat wiedergewählt werde oder nicht. In nur einem Jahr kann man kaum etwas bewegen. Es dauert mindestens vier oder fünf Jahre, bis die ersten Auswirkungen sichtbar werden. Für beide Ämter habe ich mir vorgenommen, den ganzen 4-Jahres-Marathon zu laufen und nicht nach 10 Kilometern schon abzubrechen.