Kirchleerau
Der neue Pfarrer will wieder eine Sonntagsschule

David Mägli startet in der reformierten Kirchgemeinde Leerau als Pfarrer. In Kirchleerau möchte er nun den Menschen das Evangelium näher bringen.

Christine Fürst
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In der kleinen aber schmucken Kirche fühlt sich David Mägli wohl. Jiri Reiner

In der kleinen aber schmucken Kirche fühlt sich David Mägli wohl. Jiri Reiner

Jiri Reiner
Kirchleeraus neuer Pfarrer David Mägli

Kirchleeraus neuer Pfarrer David Mägli

Jiri Reiner

Pfarrer David Mägli (32) ist tief im christlichen Glauben verwurzelt. Dass das heute so ist, hätte er sich in seiner Jugend nicht vorzustellen gewagt. Denn damals hatte er sich weder mit der Religion noch mit Gott beschäftigt. Dies obwohl er in Möhlin religiös aufgewachsen war, seine Grosseltern waren Heilsarmee-Offiziere. Doch nach dem Gymnasium stürzte er in eine Sinnkrise. Er frage sich: «Warum bin ich hier?», «was mache ich hier?». Fragen, die er zu beantworten versuchte.

Nach der Matur arbeitete David Mägli einige Monate in der ortsansässigen Storchenstation. Nebenher las er Buch um Buch, er verschlang die Bücher richtiggehend. Nur logisch, dass er sich danach für eine Buchhändlerlehre entschied. Er wollte seine Leidenschaft zum Beruf machen.

Doch nach elf Monaten brach er die Lehre ab. Er merkte, dass es nicht das Richtige für ihn war und machte sich weiter auf die Suche. Während der Arbeit auf einem Bauernhof, die zwei Jahre dauern sollte, begleiteten ihn philosophische und immer mehr auch religiöse Texte, die Reden Buddhas ebenso wie hinduistische Schriften und zunehmend das Neue Testament. «Christus hat mir mehr und mehr die Augen geöffnet für die Wahrheit», sagt David Mägli.

Theologiestudium in Basel

Er entschied sich, Theologie zu studieren. «Dieses Studium machte für mich am meisten Sinn», sagt er. 2007 schrieb er sich an der Universität Basel ein. Zweifel ob dieses Entscheides gab es nie. Er stimmte. David Mägli hat seinen Weg gefunden. Er beschäftigte sich mit der Heiligen Schrift in ihren Ursprachen und bekam Einblicke in die 2000-jährige Geschichte der christlichen Kirche. Dass er Pfarrer werden möchte, war klar: «Wenn ich schon glaube, dann möchte ich auch dienen», sagt er. Er heiratete seine Partnerin Katrin, 2009 kam Sohn Samuel zur Welt.

Nach dem Studium absolvierte er ein Vikariatsjahr, ein Ausbildungsjahr, in Hundwil in Appenzell Ausserrhoden. Im letzten Sommer beendete er die Ausbildung und wurde ordiniert. Als er sah, dass in der reformierten Kirchgemeinde Leerau ein Pfarrer gesucht wurde, bewarb er sich für diese Stelle, seine erste Stelle als Pfarrer. Dafür waren für ihn zwei Kriterien ausschlaggebend, die in Kirchleerau erfüllt sind: Er suchte eine Stelle in einer ländlichen Gemeinde und ein Einzelpfarramt. Denn nur in einem Einzelpfarramt hat er die Chance, alle Tätigkeiten eines Pfarrers, vom Religionsunterricht bis zu Beerdigungen, kennenzulernen.

Ende Dezember hat er zusammen mit seiner Frau und den drei Söhnen Samuel (6), Thomas (3) und Michael (7 Monate) die Wohnung im Pfarrhaus in Kirchleerau bezogen. Die Kinderzimmer sind bereits eingerichtet. Im Büro stehen noch viele Bananenschachteln voller Bücher, das Internet funktioniert noch nicht. Doch David Mägli hat sich bereits in die Arbeit gestürzt und schon zwei Gottesdienste geleitet.

Das Evangelium näher bringen

«Hier in Kirchleerau möchte ich den Menschen das Evangelium näher bringen», sagt er. «Was sie damit machen, liegt aber nicht in meinen Händen.» Er hält nicht viel von Fünfjahresplänen, will sich nicht festlegen, was in Zukunft sein soll. «Ich will hier ankommen und erfahren, wie die Menschen sind. Vielleicht darf dann auch etwas wachsen», sagt er.

Doch eines will er unbedingt: Er möchte in Leerau die Sonntagsschule wieder einführen und den Kindern die biblischen Geschichten näher bringen. Denn er selbst ist überzeugt, dass auch seine Besuche in der Sonntagsschule als Kind dazu beigtragen haben, dass er Pfarrer geworden ist. «Damals wurde die Saat ins Herz gesät, heute ist sie aufgegangen.»

Zum Mitgliederschwund in der Kirche sagt er: «Ich gehe davon aus, dass Christus das zulässt.» Es liege nicht an ihm, möglichst viele Menschen wieder zur Kirche zu bringen, es liege an ihm, Christus und seinem Wort treu zu bleiben. Um den Rest kümmere sich Christus. «Das ist vielleicht naiv, aber in einem positiven, eben ‹kindlichem› Sinn», sagt er. Er stört sich daran, dass die Kirche nicht mehr als Institution, sondern als Organisation angesehen wird und «viele der Verantwortlichen der Meinung sind, die Kirche könne wie ein Unternehmen gemanagt und mit menschlichen Massnahmen vor dem Untergang bewahrt werden».

Deshalb möchte Pfarrer Mägli im ländlichen Leerau seine Arbeit im Kleinen verrichten und dem «Herr der Kirche», wie er sagt, dienen. Und er möchte viel Zeit mit seinen Kindern verbringen, sie beim Aufwachsen erleben. Deshalb schätzt er auch die Flexibilität, die das Pfarramt mit sich bringt. Er freut sich, im Frühling mit der ganzen Familie die Velowege im Suhren- und Ruedertal erkunden zu können.

Amtseinsetzung von Pfarrer David Mägli, Kirchenpflegerin Fabienne Magnin Bär und Kirchenpflegepräsident Friedrich Graf mit Festgottesdienst, So 18. Januar, 9.30 Uhr in der Kirche Kirchleerau.