Menziken
Der neu zugezogene Freisinnige schlug den alteingesessenen SVP-ler

Mit knapp 100 Stimmen Vorsprung hat Erich Bruderer (45) das Rennen gegen Hans Heinrich Leuzinger (60) gewonnen.

Rahel Plüss (Text und Foto)
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Er will, dass der Gemeinderat «ein Kollegium» wird. Der neue Ammann Erich Bruderer.

Er will, dass der Gemeinderat «ein Kollegium» wird. Der neue Ammann Erich Bruderer.

Rahel Plüss

Überraschung in Menziken: Die Stimmbürger haben nicht den bisherigen SVP-Gemeinderat Hans Heinrich Leuzinger zum Gemeindeammann gewählt, sondern den neu zugezogenen FDP-Mann Erich Bruderer. Der 45-jährige Unternehmer entschied das Rennen mit knapp 100 Stimmen Vorsprung für sich. Er machte 530 Stimmen, Leuzinger erhielt deren 432. Die Stimmbeteiligung lag bei 31 Prozent.

Erich Bruderer wohnt erst seit rund anderthalb Jahren in Menziken und vertritt als Freisinniger neben der SVP die kleinere Partei im Dorf. Dennoch konnte er sich gegen SVP-Gemeinderat Hans Heinrich Leuzinger (60) durchsetzen, der seit 2014 im Amt ist. Das war so nicht abzusehen. Der Wahlkampf um die Nachfolge von Annette Heuberger (parteilos) wurde kaum in der Öffentlichkeit geführt. «Ich war mir bis zum Schluss nicht sicher, obs reichen würde», sagt Bruderer nach Bekanntgabe des Wahlresultats. Umso grösser sei die Freude.

Aufstieg in eine neue Liga

Bruderer ist voller Tatendrang. Er will verändern, alte Strukturen aufbrechen, umorganisieren. «Ich bin gegen das Gärtlidenken», sagt er. Und er wünscht sich mehr Zusammenhalt im Rat: «Ich bin überzeugt, dass sich Dinge ändern lassen, und dass der Gemeinderat ein Kollegium werden kann.» Politisch ist er kein Newcomer, sass er doch an seinem vorherigen Wohnort Leimbach vier Jahre im Gemeinderat. Die Liga ist aber eine andere. Menziken ist mit gut 6000 Einwohnern rund zwölf Mal grösser. Angst macht ihm das keine. Im Gegenteil: «Ich freue mich, mich da hineinzugeben und alles Neue kennenzulernen.» An Führungserfahrung fehlt es ihm nicht. Vor 20 Jahren gründete er die IT-Firma ebcom ag in Reinach, die unterdessen ein KMU mit 17 Mitarbeitenden ist.

Gestern war auch ein Freudentag für die FDP. Nach dem Rücktritt von Jürg Rubin Anfang Jahr verloren die Freisinnigen ihren einzigen Sitz im Rat. Jetzt haben sie diesen nicht nur zurückerobert, sie besetzen auch gleich den Chefposten. Rubins Nachfolger, der ehemalige «Homberg»-Wirt Res Mäder (58, SVP), wurde im Oktober in stiller Wahl zum neuen Vizeammann gewählt. Der amtierende Vizeammann, Grossrat Alfred Merz (62, SP), hatte nach seinem ernüchternden Wahlresultat bei der Ammann-Wahl im ersten Durchgang auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Der fünfte Gemeinderat wurde ebenfalls im Oktober still gewählt: der Parteilose Anton Bättig (49).