Reinach
Der Mathiklehrer bläst künftig mehr ins Saxofon

Bezirkslehrer Heinz Fischer verlässt mit 62 Jahren die Kreisschule Homberg und geht in Pension

Peter Siegrist
Drucken
Teilen
Heinz Fischer ist seit seiner Jugendzeit ein leidenschaftlicher Jazz-Musiker. Peter Siegrist

Heinz Fischer ist seit seiner Jugendzeit ein leidenschaftlicher Jazz-Musiker. Peter Siegrist

Die orange Wand mit der aufgemalten grossen Schnecke ist nicht Standard im Reinacher Neumattschulhaus. Aber die warmen Farbtöne bringen Ambiance in die Schulstube von Heinz Fischer. Wenn man bedenkt, wie geometrisch die Schnecke aufgebaut ist, wird klar: Dieses Sujet passt. Heinz Fischer hat seit 2002 an der Bezirksschule Reinach Mathematik, Biologie und Chemie unterrichtet. Ein Naturwissenschafter, der sich dem rationalen Denken, dem Abstrahieren verpflichtet fühlt. Dass Fischer für die Foto sein Saxofon in die Hand nimmt, ist mehr als nur symbolisch. Er ist nicht der einzige Mathematiker, der sich in seiner Freizeit der Musik verschrieben hat.

Heinz Fischer ist bekannt für seine Ecken und Kanten. Er sagt von sich: «Ich hinterfrage die Dinge gern und regelmässig.» Schon in jungen Jahren habe er sich immer kritisch mit Autoritäten auseinandergesetzt. «Entscheidend für mich war nie, wer was sagt, sondern immer wie und womit jemand argumentiert.»

Dies gelte auch für die neue, geleitete Schule. Schulführung sei nicht gut oder schlecht, aber die Lehrerinnen und Lehrer hätten oft unterschiedliche Vorstellungen von Schule. «Deshalb braucht es Zeit und Sorgfalt bei der Einführung.» Gelitten habe er nicht, sagt Fischer, ein Zuviel an Bürokratie habe ihn einfach oft gelangweilt. «Bringt es die Schüler und mich weiter?», hat er sich jeweils gefragt, gibt aber zu, dass eine geführte Schule auch Vorteile für Lehrer und Schüler bringe.

Klassische Bezirkslehrerlaufbahn

Heinz Fischer hat die vor vierzig Jahren klassische Laufbahn der damaligen Bezirksschullehrer eingeschlagen. Nach seiner Primarschulzeit in Oftringen besuchte er die Bezirksschule Zofingen. Fischer wechselte dann ans Lehrerseminar in Zofingen und wurde Primarlehrer. Von den Seminaristen wurde erwartet, dass sie auch in den Fächern Zeichnen, Musik und Sport Begabungen und gute Leistungen mitbrachten. «Das konnte ich erfüllen», so Fischer, «ich hielt mich damals für talentiert.»

Die Schulwahl war auch Berufswahl. Fischer wollte Lehrer werden. «Ich ging gern zur Schule, hatte viele vorbildliche Lehrer, was den Wunsch reifen liess, selber auch einmal vor Schulkindern zu stehen.»

Seine ersten Lehrerfahrungen machte Heinz Fischer in Tegerfelden, wo er eine 5. bis 8. Klasse unterrichtete. «Dies war definitiv eine andere Zeit.» Obwohl es zwar gefährlich sei, in Erinnerungen zu leben, so Fischer, werde er den Eindruck nicht los, dass damals die Schule viel weniger hektisch gewesen sei. Weniger Material, weniger Ablenkung. Fischer will das aber weder glorifizieren noch werten.

Nach einem kurzen Abstecher an die Sekundarschule Rothrist hat Fischer an der Uni Zürich Mathematik, Physik, Biologie und Chemie studiert und mit dem Bez-Lehrer-Examen abgeschlossen. «Schon im Seminar fühlte ich mich zu den Naturwissenschaften hingezogen.»

Heinz Fischer hat seine Fächer gern unterrichtet. «Ich habe bald einmal gemerkt, dass viele Schülerinnen und Schüler das Rationale in der Mathematik suchen.» Dies gerade in der bewegten Zeit der Pubertät, der Identitätsfindung.

Auch Heinz Fischer hat während der insgesamt 35 Lehrerjahre ein Auf und Ab erlebt. «Aber es war nie so dramatisch, dass ich gar den Bettel hinschmeissen wollte.» Er habe all die Jahre möglichst nie ein Vollpensum oder Überstunden übernommen und immer darauf geachtet, dass nebst der Schularbeit noch Zeit für etwas Anderes bleibe. So habe er einem Burnout vorgebeugt, bevor dieser Ausdruck überhaupt geläufig war.

Musik und soziale Kontakte

Fischer spielt seit seiner Jugendzeit Saxofon, ist Mitglied von verschiedenen Jazz-Bands. So wird er in der kommenden Zeit ohne Schule noch intensiver Musik machen. Und unterrichten als Stellvertreter? «Ich habe mir selber die Frist von einem schullosen Jahr gesetzt», sagt er, «in dieser Zeit will ich Abstand nehmen und mich neu orientieren.» Angst vor dem Pensionierungsloch hat Fischer keine, «dies ist vielmehr erwünscht, ist Teil des Prozesses». Konkret will er nebst der Musik zum Teil stillgelegte soziale Kontakte reaktivieren, sich viel in der freien Natur bewegen und natürlich lesen. Auch dem Reisen ist Heinz Fischer nicht abgeneigt. «Wobei ich nicht von einer Weltreise träume, sondern viel mehr von Ausflügen und Exkursionen in die nähere und weitere Umgebung.»

Aktuelle Nachrichten