Kölliken
Der Mann auf der Wischmaschine geht in Pension

Walter Ackermann wird nach mehr als vier Jahrzehnten im Dienst der Gemeinde Kölliken pensioniert.

Beat Kirchhofer
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Er arbeitete gerne mit Maschinen: Walter Ackermann mit dem Laubbläser.bkr

Er arbeitete gerne mit Maschinen: Walter Ackermann mit dem Laubbläser.bkr

44 Jahre, eigentlich ein ganzes Berufsleben, war Walter Ackermann, der gestern seinen letzten Arbeitstag hatte, für das Kölliker Bauamt tätig. «Ich habe immer sehr gerne auf dem Bauamt gearbeitet», sagt Ackermann, der die wenigen Jahre davor in gleicher Funktion in Suhr angestellt war. «Da ich in Kölliken wohne, habe ich mich für die hier ausgeschriebene Stelle gemeldet.» Das Anstellungsgespräch habe damals noch der Gemeindeammann persönlich geführt. Aber auch heute fehle es nicht an der Wertschätzung der Behörde. So habe der Gemeinderat ihn und seine Frau anlässlich der Pensionierung zum Essen eingeladen. «Seine zuverlässige, freundliche und loyale Verhaltensweise wurde allseits sehr geschätzt», schreibt die Behörde in einer Laudatio.

Harmonisches Team

Dem Bauamt treu geblieben ist er, weil es immer wieder neue Herausforderungen gab und das dreiköpfige Team bestens harmoniere. Rudolf Schmid, Leiter des Bauamts, der sich lieber in der Rolle des Vorarbeiters sieht, ist inzwischen auch schon 35 Jahre mit an «Bord». Er werde Walter vermissen. Der habe nicht viel geredet, sondern angepackt. Tatsächlich: Ackermanns Antworten sind kurz, aber präzise. Er sei sich nicht gewohnt, dass man ihn interviewe.

Der Gemeinderat in seiner Würdigung: «Er kennt die Gemeinde wie seine Hosentasche, macht, was zu tun ist, verständnisvoll und zurückhaltend sind nur einige Stichworte zu seinem Wesen. Ebenso gehören Zuverlässigkeit, sein grosses Verständnis für Motoren, Technik und Mechanisches sowie sein stilles, zielgerichtetes Schaffen zu seinen Markenzeichen.»

Die zunehmende Mechanisierung der Arbeiten, die habe ihm gefallen, sagt Ackermann. «Früher hiess es jeden Donnerstag mit dem Besen die Hauptstrasse putzen.» Seit rund zehn Jahren steht nun eine Wischmaschine zur Verfügung, mit welcher freitags alle Strassen abgefahren werden können. Diese Arbeit hat Ackermann Spass gemacht, wie er auch gerne die Wartungsarbeiten an diesem Fahrzeug und an anderen Geräten durchführte.

Strasse ist ein wichtiges Stichwort. Sie steht vom Arbeitsaufwand her gesehen im Zentrum des Bauamts. «Früher haben wir im Sommer oft Teerarbeiten ausgeführt.» Strassenbauer ist denn auch Ackermanns Beruf, auch wenn es damals keine eigentliche Lehre gab. Nach wie vor sei die Schneeräumung eine wichtige Aufgabe. Morgens ab halb vier, aber auch diese mit wesentlich besseren Gerätschaften als vor 44 Jahren.

«Die Mechanisierung habe dazu geführt, dass der Personalbestand des Bauamts seit Jahrzehnten bei drei Stellen belassen werden konnte», ergänzt Schmid. An das erste Fahrzeug kann sich Ackermann noch sehr gut erinnern: «Ein Zweiachser.» Später kam ein Unimog. Ackermann war damals beim Bauamt Kölliken der Einzige, der über den erforderlichen Führerausweis verfügte ...

Die Ehefrau im Seitenwagen

Was liebt Walter Ackermann privat? Klar, seine Frau, aber auch Ländlermusik, die er auch gerne bei der Arbeit hört. Und auch Maschinen spielen eine wichtige Rolle. Bis vor einigen Jahren eine ganz grosse, ein Yamaha-Motorrad mit 1100 Kubikzentimetern Hubraum. Diese Maschine ist inzwischen von einer BMW 250er abgelöst worden. «Das musst du sagen», fordert Schmid seinen Kollegen Ackermann auf, «dass es ein Oldtimer ist.» Ja, sagt Ackermann, aus dem Jahr 1956 und es handelt sich um ein Gespann, einen Töff mit Seitenwagen. Mit diesem, die Gattin im Seitenwagen, macht er Ausfahrten quer durch die Schweiz. Auf Nebenstrassen, den Fahrtwind im Gesicht.

Das Bauamt, das werde ihm sicher fehlen, aber er freue sich auch auf die neuen Freiheiten und insbesondere auf mehr Zeit für seine Frau. Und morgens um halb vier Schnee pflügen, darauf kann Ackermann durchaus verzichten. Das Gespräch ist beendet und er nimmt ein letztes Mal den Laubbläser in die Hand und geht seiner Tätigkeit nach.