Reitnau
Der Logenplatz am Berg will verdient sein

Das 48. Bergrennen des ACS lockte wiederum Tausende an den Reitnauer Berg. Das Volksfest «Bergrennen» ist für Reitnauer Vereine willkommene Einnahmequelle. «Dank Fronarbeit liegt etwas drin», sagt Urs Maurer vom Männerchor.

Peter Weingartner
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Tausende verfolgen die Starts zu Rennfahrten mit garantierter Adrenalinausschüttung.

Tausende verfolgen die Starts zu Rennfahrten mit garantierter Adrenalinausschüttung.

Wer das Bergrennen Reitnau verfolgen will, und zwar nicht nur mit dem Gehör, sondern mit allen Sinnen, muss sich das verdienen. Der Anstieg vom Dorf an die Bergstrasse strengt an, zumal man auch noch Sitzgelegenheiten, Sonnenschirme und Kühlboxen hochbuckeln muss.

Die sportlich grössere Leistung als jene der Rennfahrer? Sicher eine andere: Die Rennfahrer brauchen Konzentration, Mut, aber auch Zehenspitzengefühl, kommt doch nur, wer ans Limit geht, auf eine Spitzenzeit.

Die meisten Zuschauer kommen mit Auto oder Töff. Nicht so die Brüder Tscholl aus Bern. «Ich bin ein V-8-Junkie», sagt Markus im Postauto aus Sursee, und er freut sich auf Roger Bolligers Pontiac Trans Am.

Xavier Vermeille in Aktion.
13 Bilder
Martin Schmied ist von Bahn abgekommen.
Egon Allgäuer mit dem Villiger Race Truck. Im Hintergrund tausende von Besuchern.
Bald beginnt der mobile Gottestdienst. Im Hintergrund: Kirche Reitnau.
Das 48. Bergrennen des ACS lockte wiederum Tausende an den Reitnauer Berg. Hier rast Ralf Stenzel den Berg hoch.
Das 48. Bergrennen des ACS lockte wiederum Tausende an den Reitnauer Berg. Hier jagt Manuel Amweg den Reitnauer Hausberg hoch.
In Reitnau werden Wiesen zu Parkplätzen.
Logenplatz will verdient sein
Objekte der Bewunderung im Startraum.
Gehörschutz für dem Junior.
Bruno Leisibach auf der Rennstrecke.
Das Fahrzeug wird geborgen.
Das 48. Bergrennen des ACS lockte wiederum Tausende an den Reitnauer Berg.

Xavier Vermeille in Aktion.

Peter Weingartner

Die beiden pilgern regelmässig an solche Anlässe, auch an Flugshows. Man kennt sich am Rand der Rennstrecke. Bei der Rückfahrt nach vollbrachter Fahrt über die 1600 Meter, wo es bei Fahrzeiten um eine Minute um Sekundenbruchteile geht, winkt das Publikum den Fahrern zu. Und die winken und blinken zurück.

Roger Maurer aus Staffelbach hats zwar mehr mit Töffs, doch einen Abstecher nach Reitnau, zusammen mit seinen beiden Buben, lässt er sich nicht nehmen. Er hat einen Platz am Schatten ergattert.

Ins Schwitzen gekommen sind Christian und Theres Oberli mit Daniela Arnold und Sohn Janik. Sie lassen sich am Haupthang nieder. «Schade, dass die Bäume weg sind», sagt Christian Oberli. Deren Schatten fehlt.

Letztes Jahr hatten Gäste am Vorabend bereits Sofas hingestellt. Das wollte man nicht mehr, auch um die Anwohner nicht zu vertäuben. «Die Securitas hat mit ihren Hunden gute Arbeit geleistet», meint Guido Rölli vom Bauamt Reitnau.

Speaker Elio Crestani weiss vieles über Fahrer und Fahrzeuge, derweil Michel Erismann mit seinem Radio Reitnau für die Musik zuständig ist.

«I can’t get no satisfaction», brüllt Mick Jagger, während der Beatles-Song «Drive my car» der passende Werbespot ist für die Renntaxifahrten: 120 Franken für eine Rennfahrt mit Adrenalinausschüttung. Als Co-Pilot.

Das Volksfest «Bergrennen» ist für Reitnauer Vereine willkommene Einnahmequelle. «Dank Fronarbeit liegt etwas drin», sagt Urs Maurer vom Männerchor und wendet die Hamburgerbrothälften. Dutzende von Stunden; wenn man die bezahlen müsste, würde mans nicht machen, sagt er.

Kurz vor dem Gottesdienst auf der Rennstrecke heisst es anstehen für Burger und Würste. Der STV hat dazu noch Pommes frites im Sortiment. Das freundliche Wetter steigert auch die Nachfrage nach Ruedertaler Hofglacé. Und das Bier ist begehrt.

Pech und Pannen gehören dazu. Da fährt einer aufs Feld, dort dreht es ein Fahrzeug. Das Publikum applaudiert sportlich, wenn der Fahrer zurückfährt. Und es hat auch seine Freude an speziellen Mobilen wie dem Villiger Race Truck. Oder gilt der Applaus mehr den Models auf der Monsterzigarre?

Die Tscholl-Brüder jedenfalls kommen in den Genuss von Bolligers Maschine, und das Donnern der Boliden ist ebenso Musik in den Ohren der Fangemeinde wie die gasgeschwängerte Luft im Startraum Parfum in deren Nasen.

Die Initianten von drei «hammermässigen» Initiativen der Autopartei («Freie Fahrt statt Mega-Staus», «Strassengelder gehören der Strasse» und «Ja zu vernünftigen Tempolimiten») kommen jedenfalls leicht zu vielen Unterschriften.