Reinach
Der Lindenplatz erhält bald ein neues Gesicht

Nächstes Jahr verschwinden die letzten Schienenreste aus dem Dorf und eine zweijährige Strassen-Bauzeit beginnt.

Peter Siegrist
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Der Lindenplatz wird mit einem dreiarmigen Kreisel neu erschlossen. Hinten die Casa Schneggli im Bau.

Der Lindenplatz wird mit einem dreiarmigen Kreisel neu erschlossen. Hinten die Casa Schneggli im Bau.

Heute bloss Autos, gestern Strassenbahn und Autos und vorgestern noch Postkutschen – viele verschiedene Fahrzeuge überquerten schon den Lindenplatz im Reinacher Dorfkern. Jetzt steht mit der neuen Platzgestaltung die nächste Veränderung an.

Vor zehn Jahren, am 14.Dezember, fuhr der letzte WSB-Zug von Menziken über den Lindenplatz in Reinach Richtung Aarau. Gärtnermeister und Grossrat Maurice Perrinjaquet hatte die Front des Triebwagens mit Blumen geschmückt.

Es war ein Aufatmen bei vielen Oberwynentalern, doch es schwang auch ein bisschen Wehmut mit. «Für mich bedeutet die Fahrt Abschied von einem Stück Bahngeschichte. Ich bin Bahnhofvorstand in Gränichen und mit der WSB eng verbunden», liess sich Urs Berger damals in der Aargauer Zeitung zitieren. Und Ernst Neeser, der als Wagenführer «das letzte Tram» von Menziken nach Aarau steuerte, atmete auf: «Ich bin sehr erleichtert. Die Fahrten durch den Strassenverkehr bedeuten Stress. In beiden Dörfern waren Nothalte an der Tagesordnung, auch heute, auf der letzten Fahrt, kam es in Reinach wieder zu einer kritischen Situation.»

Zehn Jahre nach der Eigentrassierung im Oberwynental erinnern zwischen Bärenbrücke und Kreisel Spitalstrasse nur noch Schienenreste im Asphalt daran, dass hier einst eine Bahn durchs Dorf verkehrte. So lang die WSB fuhr, wusste jeder Velofahrer hier, wie man bei feuchtem Wetter die Schienen richtig kreuzt. Nur, gelungen ist es nicht immer. Auch Gemeindeammann Martin Heiz erinnert sich, wie er als Lehrling jeweils die Schienen querte, und «gelegentlich hats mich erwischt und ich ging zu Boden.» Den einheimischen Autofahrern war in Fleisch und Blut übergegangen: «Wenn du talwärts fährst, kannst du zwischen Bären und Bank ganz plötzlich drei Frontlampen auf orangefarbenem Grund vor dir haben; da galt es, achtsam zu sein. Auswärtige erinnerten sich nicht selten mit Herzklopfen an Reinach, weil sie plötzlich die Situation aus dem Fahrschulbuch mit Tram, Lücken und Gegenverkehr in Realität antrafen und schnell reagieren mussten.

Eine Grossbaustelle mitten im Dorf

Während im Unter- und Mitteldorf die Schienen schon länger aus dem Asphalt verschwunden sind, setzen die Bauarbeiter nächstes Jahr zu einer Grossbaustelle im Oberdorf an.

«Der Baukredit ist bewilligt», erklärt Martin Heiz, «sobald die Planauflage Anfang Jahr erfolgt ist, können wir starten.» Gebaut wird in zwei grossen Etappen. Bevor der Kreisel mit 25 Metern Durchmesser gesetzt werden kann, müssen die Bauarbeiter tüchtig graben. Der Abwasserverband wird zuerst das letzte Teilstück des grossen Verbandskanals in der Hauptstrasse einbauen. Noch fehlt ja der Abschnitt vom Kreisel Spitalstrasse bis zur Wynabrücke beim City-Platz. Der Verkehr werde umgeleitet, eine Fahrrichtung einspurig an der Baustelle vorbeigeführt. «Wir wollen unter allen Umständen eine Verkehrsregelung mit Ampeln mitten im Dorf vermeiden», sagt Heiz.

Die Planer gehen davon aus, dass bei einem Baubeginn im Frühjahr 2013 bis im November die Tiefbauarbeiten abgeschlossen sind. «Dann können die Strassenbauer im Frühling 2014 starten», so Heiz. Bis Ende Jahr sollten der Kreisel und die Einmündung Pfeffikerstrasse fertig sein.

Aufbauten als Kreiselschmuck gibt es vor dem Schneggen nicht, der neue Kreisel muss für Schwertransporte befahrbar sein, weil die Hauptstrasse K242 auf diesem Routensystem eingezeichnet ist. In zwei Jahren wird dann in Reinach das Strassenbahnzeitalter endgültig Geschichte sein.

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