Staffelbach
Der Liberale, der grün baut

Der Staffelbacher Thomas Scheuzger präsidiert die Grünliberalen Zofingen. Jetzt tritt er für den Nationalrat an.

Flurina Dünki
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Thomas Scheuzger in seinem Energieberatungsgeschäft in Schöftland.

Thomas Scheuzger in seinem Energieberatungsgeschäft in Schöftland.

Alex Spichale

Wer in den Siebzigerjahren beim Spaziergang durch Staffelbach in den Garten der Familie Scheuzger guckte, konnte das Spektakel womöglich beobachten: Ein Teenager in Badehose, der sich mit dem Gartenschlauch abduschte. Neben sich ein ausgedienter Radiator, schwarz angemalt, aus dem das von der Sonne erwärmte Wasser in die Brause lief.

«Die heisse Gartendusche gehörte zu meinen ersten Experimenten mit Sonnenenergie», sagt Thomas Scheuzger (56) , der heute mit seiner Frau Judith ein Ingenieurbüro führt. Spezialisiert ist dieses auf Energieberatung.

Als die beiden die Firma 1994 gründeten, waren sie Pioniere – und die technische Ausstattung für Minergie-Häuser musste mühsam von weither bestellt werden. Dagegen ist Scheuzgers aktuelles Wagnis verschwindend klein: Als Mitglied der Grünliberalen Partei ist er auf deren Unternehmerliste für den Nationalrat zu finden.

Warum es den Staffelbacher nicht zu den Grünen verschlagen hat, erklärt sich am besten durch seine Firmenstrategie: «Unser Ziel ist es, dass Bauten mit alternativen Energien funktionieren. Die künftigen Bewohner sollen möglichst wenig Ressourcen verbrauchen, aber nicht auf Komfort und Wirtschaftlichkeit verzichten müssen.»

Zofinger GLP mit sechs Mitgliedern gegründet

Grün, aber nicht um jedem Preis. Wegen dieses «Abers» fühlte sich Schweuzger, der schon als junger Mann politisch interessiert war, nicht wirklich mit der Grünen Partei verbunden. Als vor gut zehn Jahren die Grünliberale Partei gegründet wurde, hatte er seine politische Heimat gefunden.

«Zu sechst haben wir 2009 die GLP Bezirk Zofingen gegründet.» Mit damals 46 Jahren und inzwischen dreifacher Vater war es ein später Einstieg in die Politik – doch seine Partei musste nun mal erst geschaffen werden. Vor eineinhalb Jahren wurde Scheuzger zum Präsidenten der Bezirkspartei Zofingen gewählt.

Nach zähen ersten Jahren profitiert die GLP momentan unglaublich von der «grünen Welle», die Menschen rund um den Globus nicht nur ihr Konsumverhalten hinterfragen lässt, sondern auch dazu bringt, sich politisch zu engagieren.

Thomas Scheuzger freut es, dass die Klimabewegung bereits so lange standhält: «Wir stossen auf deutlich mehr Verständnis bei den Leuten. Früher lachte man uns aus, wenn wir mit Themen wie alternativer Energie kamen.» Nun gelte es, diesem Heer von Sympathisanten
eine Parteimitgliedschaft schmackhaft zu machen.

Von den sechs Gründungsmitgliedern ist die GLP Zofingen innert zehn Jahren auf 40 angewachsen. Angesichts des grossen Interesses fürs Klima sollten jedoch weit mehr Anmeldungen möglich sein, ist Scheuzger überzeugt. «Viele Leute zögern wohl, sich öffentlich zu einer Partei und deren Gedankengut zu bekennen.»

Aber man will als GLPler nicht reduziert werden auf den grünen Teil des Doppelnahmens: «Wir beschränken uns nicht auf Umweltthemen, wir sind in allen Themen zu Hause. Wir diskutieren in der Bezirkspartei unsere Sicht auf Themen wie Migrationspolitik, Rahmenabkommen und vor allem Gesundheitspolitik.»

Das nächste politische Ziel steht schon fest

Nebst der Anzahl Parteimitglieder soll auch die der Nationalräte der Aargauer GLP wachsen. «Wir sind zuversichtlich, dass wir im Oktober den zweiten Sitz holen», sagt Scheuzger. Barbara Portmann heisst die Nummer zwei auf der GLP-Liste.

Der Name Scheuzger steht nicht auf einem oberen Listenplatz. «Vorstellen könnte ich es mir jedoch.» Auch wäre ein Nationalratsmandat mit der Geschäftsführung vereinbar. Bereits mehrmals stand sein Name auf der Liste der Grossratskandidaten. Und das wird er auch bei den Wahlen im nächsten Jahr.