Seltene Nebenberufe
«Der letzte Wasenmeister»: Es gibt sie nur noch auf dem Papier

Daniel Zehnder ist stellvertretender Kirchleerber Wasenmeister: Tierkadaver zu beseitigen und zu verwerten. Doch ab Montag gibt es das Amt in Kirchleerau nicht mehr. Grund: Die Zuständigkeiten sind schon länger anders geregelt.

Christine Fürst
Merken
Drucken
Teilen
Daniel Zehnder steht an der Stelle im Waldgebiet Hubel, wo früher Schlachtabfälle vergraben wurden.

Daniel Zehnder steht an der Stelle im Waldgebiet Hubel, wo früher Schlachtabfälle vergraben wurden.

Christine Fürst

Der Wasenmeister war einer, der vor einigen Jahrhunderten in der Gesellschaft kein grosses, wenn nicht gar ein schlechtes Ansehen hatte. Seine Aufgabe war es, Tierkadaver zu beseitigen und zu verwerten. Meist wurde der Kadaver ausserhalb des Dorfes in eine «Wasengrube» geschmissen, welche mit Dreck abgedeckt wurde.

Deshalb wurde der Wasenmeister auch Abdecker genannt. Die Personen, welche diese Funktion inne hatten, mussten meist ausserhalb des Dorfes wohnen.

Heute ist das längst nicht mehr der Fall. In einigen Gemeinden im Suhrental gibt es den Wasenmeister noch, doch meist nur noch auf dem Papier. «Ich habe eigentlich noch nie etwas im Zusammenhang mit diesem Amt zu tun gehabt», sagt Daniel Zehnder.

Er ist in Kirchleerau stellvertretender Wasenmeister und Leiter des Forstbetriebs Leerau-Rued. «Inzwischen ist diese Art des Tierkadaverentsorgens nicht mehr gestattet», sagt Daniel Zehnder. Doch er weiss, wo die ehemalige Wasengrube von Kirchleerau zu finden ist. Sie befindet sich im Waldgebiet Hubel, ist heute jedoch schon längst von Brombeerhecken und Büschen überwuchert.

Der Begriff «Wasenmeister» ist veraltet

Wenn heute beispielsweise ein Reh überfahren wird, wird der Jagdaufseher des jeweiligen Gebietes gerufen. Bei toten Füchsen oder Katzen kommt das Bauamt zum Einsatz. Die toten Tiere werden den Tierkadaverstellen übergeben. Schlachtabfälle werden heute direkt der Verbrennung zugeführt.

Bis Ende der 90er-Jahre war der Beruf des Wasenmeisters in der eidgenössischen Tierseuchenverordnung verankert. Heute gibt es dafür weder eine kantonale noch eine nationale gesetzliche Grundlage. «Der Begriff ist veraltet», sagt Erika Wunderlin, Kantonstierärztin. In einigen Gemeinden ist er noch nicht ausgestorben. «Früher hatte jede Gemeinde die Pflicht, einen Wasenmeister zu ernennen.»

Weil in Kirchleerau die Zuständigkeiten mittlerweile anders geregelt sind, wird Daniel Zehnder am Montag seiner Funktion als Wasenmeister enthoben.