Gemälde, Fotografien, Skulpturen, eine Videoinstallation: Die aktuelle Kunstausstellung im Museum Schneggli Reinach bietet vielfältiges bildnerisches Schaffen. Vier im Kanton Luzern und fünf im Aargau wohnhafte oder aus diesen Kantonen stammende Kunstschaffende liessen sich vom Thema «Grenzwert» inspirieren. Alle erhielten einen Raum zum «Bespielen». Vernissage ist am 6. März um 19 Uhr. Die Ausstellung ist jeweils samstags und sonntags von 13.30 bis 17 Uhr offen.

Die Affiche «Grenzwert» spielt auf die Jahrhunderte der scharfen Grenze zwischen Aargau und Luzern an, die mit der Eroberung des Aargaus begann und durch die Reformation akzentuiert wurde: hier reformierter Aargau – da katholisches Luzern. Die Vereinigung Museum Schneggli will einen Beitrag leisten zur Überwindung der alten politischen und kulturellen Grenzen. Der Kulturkampf in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts – Aufhebung der Klöster im Aargau, Berufung der Jesuiten nach Luzern – gipfelte im Sonderbundkrieg 1847, worauf die Schweiz zum liberal geprägten Bundesstaat wurde.

Just die konfessionelle Grenze thematisiert Patrick Steffen aus Triengen mit seinen 11 Minuten Video: Er zeigt rund 50 Wegkreuze, Kruzifixe, in ihrer aktuellen Umgebung. Während sie im urbanen Raum im Gewimmel von Verkehrsschildern und im Lärm der Fahrzeuge untergehen und kaum Beachtung finden, stehen sie im ländlichen Raum noch wie Wegweiser da. Steffen hat nicht im Luzernischen gefilmt, sondern im ebenfalls katholischen Elsass.

Flüchtiges und Fixes

Sieben der neun Künstler stellten am Mittwoch ihre Werke vor. Christine Knuchel (Gontenschwil) lässt in ihren Bildern die Grenze zwischen Bild und Fotografie fast verschwinden: Die Malerei bringt in ihrer berückenden Intensität den Mehrwert.

Therese Grossenbacher aus Beinwil am See zeigt 17 Kleinformate, teils mit Unschärfen, die man als Details aus Landschaften mit Zweigen sehen kann. Besonders reizvoll ist die teppichgrosse Installation am Boden des Zimmers: Die echten Spiegelungen des Fensters beleben die kaleidoskopisch angeordneten Tintenstrahlkopien. Anita Mendler (Beinwil am See) lässt sich in ihrer Malerei vom Augenblick leiten und zeigt in der Mitte ihres Raumes, wie sie sich das Zimmer der Tochter des Hauses vorstellt. Im oberen Korridor des Hauses sind drei Bilder von Peter Hauri (Beinwil am See) zu sehen. Das Flüchtige interessiert ihn: Welche Bilder entstehen, wenn im Zug die Reisenden den Fensterbeschlag wegwischen?

Der Fotograf Marcel Fricker (Schmiedrued-Walde) fängt in seinen Naturbildern Lichtstimmungen ein. Ihn faszinieren aber auch alte, leerstehende Fabrikgebäude: Schweiss und Lärm früher – Ruhe heute.

Variationen und Umdeutungen

Dora Wespis (Luzern) Obsession ist die Variation eines Motivs oder Themas. Das lässt sich ablesen aus den Kartenserien (500 oder 1000 Stück), aber auch in den grösseren Bildern. Barbara Gwerder (Herlisberg) zehrt in ihrer Arbeit von prägenden Erinnerungen. In «ihrem» Zimmer liegen denn auch Orts- und Flurnamen aus den Alpen: Chalberchopf, Grindsblacken, Dräckloch. Flurnamen aus dem Muotatal. Und diese Namen finden ihren Niederschlag in zarten Bildern, auf denen die Höhenlinien zu sehen sind.

Alois Grüter (Sursee) bespielt den Aussenraum des Museums. Ein blauer Koffer und ein paar blaue Schuhe stehen vor der Tür. Der Luzerner zu Besuch? Im Garten, als schlangenförmige Grenzlinie, zeigt Grüter die Haut eines Deux-Chevaux, den er einmal mit Gummimilch und synthetischer Watte eingepackt und nun für diese Ausstellung wie einen Apfel geschält hat.

Begleitete Rundgänge gibts am 15. und 22. März jeweils um 10 Uhr. An der Finissage am Ostersonntag um 17 Uhr wird Alois Grüter einen Schwarm Brieftauben steigen lassen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit heim ins Luzernische fliegen werden.

Beromünster ist auch dabei

Parallel zur Ausstellung im Schneggli sind im Stiftstheater Beromünster Plakate, welche die neun Künstler in ihren Ateliers an der Arbeit zeigen, zu sehen. Die Ausstellung wird am 8. März um 14 Uhr eröffnet. Gleichzeitig wird das Kunstprojekt «Musealia» vorgestellt. Die Plakatausstellung ist auch am Donnerstag, 12. März, von 18 bis 22 Uhr und am Sonntag, 29. März von 16 bis 18 Uhr geöffnet.