Oberkulm
«Der Kanton könnte doch helfen eine Art 10-Fr.-Jobs schaffen»

Das Arbeitsprojekt für Sozialhilfebezügerinnen stockt – Schuld sind die hohen Kosten. Eine Gemeinderätin meint: «Wir würden es begrüssen, wenn der Kanton vereinfachte Möglichkeiten zur Einführung von Trainingslöhnen schaffen würde.»

Rahel Plüss
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In Oberkulm soll es ein Arbeitsprojekt für Sozialhilfebezügerinnen geben.

In Oberkulm soll es ein Arbeitsprojekt für Sozialhilfebezügerinnen geben.

archiv

Die Idee ist gut. Frauen, die von der Sozialhilfe abhängig sind, werden von der Gemeinde für Reinigungsarbeiten in Haushalte vermittelt und können so Erfahrungen sammeln für eine erfolgreiche Wiedereingliederung auf dem Arbeitsmarkt. Das hilft den betroffenen Personen und entlastet die Sozialhilfeausgaben der Gemeinde.

Vor Jahresfrist hat der Oberkulmer Gemeinderat in Zusammenarbeit mit der Drehpunkt Personal GmbH in Muhen ein solches Arbeitsprojekt ins Leben gerufen. Man startete mit viel Wind in den Segeln. Die ersten beiden Verträge konnten bald schon abgeschlossen werden. Jetzt zeigt sich: Das Projekt stagniert. Obwohl die Geschichte der beiden Frauen eine Erfolgsgeschichte ist, konnten bei Privaten keine Arbeitsstellen für weitere Sozialhilfebezügerinnen gefunden werden. Warum?

«Es ist den Leuten zu teuer», sagt Gemeinderätin Verena Brändli, die dem Ressort Soziales vorsteht und das Arbeitsprojekt initiiert hat, ohne Umschweife. Die betroffenen Frauen kämen ausnahmslos aus einem anderen Kulturkreis und würden kaum oder gar kein Deutsch sprechen. «Das bedeutet, dass sie nicht die gleiche Qualität im gleichen Tempo liefern können, wie wir das von Reinigungspersonal zum gesetzliche vorgeschriebenen Mindestlohn erwarten.»

Verena Brändli spricht aus Erfahrung. Sie hat selber eine Frau bei sich zu Hause eingestellt. «Gerade am Anfang braucht so jemand recht viel Betreuung.» Gewisse Benimm-Regeln und Qualitätsanforderungen müssten besprochen und geübt werden. Ausserdem stünden bei den Frauen oft persönliche Probleme im Vordergrund, die zuerst gelöst oder zumindest beredet werden wollen. Deshalb würden diese Frauen – zumindest am Anfang – wenig Entlastung in den Haushalt bringen.

«Dafür will niemand 32 Franken bezahlen.» Verena Brändli bemängelt, dass es nicht möglich sei, in solchen Fällen tiefere Trainingslöhne zu bezahlen. «Wir würden es begrüssen, wenn der Kanton für alle Gemeinden vereinfachte Möglichkeiten zur Einführung von Trainingslöhnen – im Sinne von 10-Franken-Jobs – schaffen würde.»

Trotz der Hürden: Aufgeben ist für Verena Brändli derzeit kein Thema. Schliesslich gehe es nicht nur darum, Gemeindeausgaben zu reduzieren. «Für eine spätere Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt – aber auch für die körperliche und seelische Gesundheit – ist es wichtig, dass die Arbeitslosen einer Beschäftigung nachgehen können.» Und sie sieht durchaus Chancen für das Projekt: «Beim gemeindeinternen Trainingsplatz haben die Angestellten beispielsweise das nötige Niveau für Fensterputzaufträge erreicht. Ich möchte die Bevölkerung einladen, dieses Angebot auch zu nutzen.» Denn ihr Credo lautet nach wie vor: «Je mehr Leute mithelfen, die schwachen zu stärken, desto stärker wird die Gemeinschaft.»