Bezirksgericht Kulm

Der hilflose Angelo: Auto-Tuner erhält die Quittung fürs Fahren ohne Billett und unter Drogeneinfluss

Justitia hat gesprochen: Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe von 10 Monaten. Symbolbild.

Justitia hat gesprochen: Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe von 10 Monaten. Symbolbild.

Ein 23-Jähriger fuhr im Bezirk Kulm mit einem tiefer gelegten «GTI» der Polizei davon. Das Gericht hat ihn nun zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Einen Führerausweis hatte er nie. Doch er fuhr laut und bastelte kräftig. Im Oktober wird er 24; allein: der schmächtige junge Mann, ganz in Schwarz, Haare inbegriffen, macht den Eindruck eines Kindes, zuckt mit den Schultern, legt verlegen den Kopf schief.

Angelo (Name geändert) lebte bis zur dritten Klasse im Wynental, ging nach dem Tod des Grossvaters in seine Heimat Italien zurück, zusammen mit der Mutter. Und als er 16 war, kehrten beide zurück.

Er ohne Ausbildung, doch die Mutter arbeitete ja. Er hat auch gejobbt, als Hilfsarbeiter, ist zurzeit aber arbeitslos. Von 3800 Franken pro Monat bleiben ihm 1700, davon gehen 500 fürs Wohnen bei Mama weg.

Der Rest ist gepfändet. Schulden, noch seien es rund 13'000 Franken. Vor zwei Jahren wurde er für ähnliche Delikte zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 110 Franken verurteilt, für die er erneut vor Gericht steht: Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, gröbere Strassenverkehrsdelikte.

Er brachte der damaligen Freundin Schuhe

Angelo, vor dem Bezirksgericht Kulm ohne Verteidiger angetreten, nickt zu den Delikten. Ja, er hat das Auto seiner damaligen Freundin entwendet, um ihr ins Nachbardorf Schuhe zu bringen. Ohne Führerausweis. Unter Drogen, Marihuana und Kokain.

Von einem «nicht ganz unerheblichen Pegel» spricht Gerichtspräsidentin Yvonne Thöny Fäs. Beruhigend hätten sie gewirkt, die Drogen, sagt Angelo. Ein gewisses technisches Geschick kann man ihm nicht absprechen, hat er doch den Golf GTI seiner Ex nicht nur tiefer gelegt, 15 Millimeter zu tief; er hat zudem den Mittelschalldämpfer durch eine unerlaubte Attrappe ersetzt. Hauptsache laut.

An jenem Abend, als er seiner Ex die Schuhe gebracht hatte, habe er laut Anklageschrift mit quietschenden Reifen die Aufmerksamkeit zweier Polizisten erregt. Sie wollten ihn aufhalten, doch Angelo beschleunigte und haute ab.

So vereitelte er auch eine Überprüfung der Fahrtüchtigkeit. Angelo bestätigt den Sachverhalt mit Ausnahme der quietschenden Reifen. Den Lärm habe der Motor gemacht. Ob er einen sportlichen Fahrstil pflege, will die Richterin wissen. «Es geht», sagt Angelo kleinlaut.

Sein Traum ist Lastwagenchauffeur

Der junge Mann gesteht mehrere, teils sehr kurze Fahrten mit dem Auto seiner Ex. Und er leugnet auch den regelmässigen Drogenkonsum ab November 2016 nicht. Perspektiven? Lastwagenchauffeur, das wäre sein Traum. Und von den Drogen wegkommen, durch andere Kollegen.

Hilflos klingt Angelo. Yvonne Thöny Fäs weist auf die Vielzahl der Delikte hin, vor allem auch die Gefährdung Unbeteiligter, und sie konstatiert Angelos offensichtliche Unbelehrbarkeit, die nichts anderes erlaubt, als nach der wirkungslosen Geldstrafe nun eine unbedingte Freiheitsstrafe zu verhängen: 10 Monate.

Die Prognose sei «nicht so günstig», und sie rät ihm dringend, bei der Suchthilfe Aargau Hilfe zu suchen, um seinem Leben eine neue Richtung zu geben. Die Busse reduziert sie auch wegen der prekären Verhältnisse von 1000 auf 500 Franken. Sobald das Urteil rechtskräftig ist, erhält Angelo das Aufgebot für den Strafvollzug.

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