Wer ins Wynen- und Suhrental zieht und auf einen Krippenplatz angewiesen ist, muss sich gut überlegen, welche Gemeinde er wählt.

Denn eine Erhebung der az zeigt: Von den 28 Gemeinden haben gerade mal 7 eine Kindertagesstätte (Kita) für Kinder im Vorschulalter – Tagesstrukturen nicht mitgerechnet. Gemeinsam bieten sie 127 Plätze an. Ein gutes Pflaster für Eltern ist Menziken. Dort gibt es gleich zwei Kitas.

Die Preisunterschiede von Kita zu Kita sind jedoch enorm. Was dies im konkreten Fall ausmacht, zeigt folgendes Beispiel: Eine alleinerziehende Mutter lässt ihr acht Monate altes Kind vier Tage pro Woche in der Krippe betreuen. In der Kita «Jim Knopf» in Menziken würde sie monatlich 848 Franken (53 Franken pro Tag) zahlen.

Im Oberkulmer «Sonneschii» wäre es mit 1881.60 Franken pro Monat (117.60 pro Tag) über das Doppelte – inklusive 20 Prozent Aufschlag, den die meisten Kitas für die intensivere Betreuung von Kleinkindern verrechnen. «Jim Knopf» verzichtet auf diesen Aufschlag.

Kostenpunkt: Personal

Warum ist der «Sonneschii» so viel teurer? Leiterin Nadine Bürgi erklärt: «Gemäss Kanton muss eine Kita mindestens 99 Franken pro Tag verlangen, damit sie selbsttragend ist.» Mit einem Elternbeitrag von 98 Franken pro Tag liege ihre Kita sogar leicht darunter.

«Wir setzen stark auf ausgebildetes Personal und bilden im Moment drei Lernende aus. Das kostet», sagt Bürgi. Zudem sei die Kita daran, mithilfe der finanziellen Unterstützung der Trägerschaft, der Gebrüder Faes AG, das neue Label «QualiKita» einzuführen.

Der Verband Kindertagesstätten der Schweiz (Kitas) und die Jacobs Foundation lancierten das Label vor zwei Jahren. Im Aargau sind erst vier Krippen zertifiziert. Unterstützung von der Gemeinde erhält die Kita nicht. Die Oberkulmer lehnten 2011 einen Beitrag an der Gemeindeversammlung ab.

Die günstigste Krippe der Region, die Menziker Kita «Jim Knopf», arbeitet mit einem etwas anderen Konzept: «Mir ist es sehr wichtig, die Preise so zu gestalten, dass auch Alleinerziehende und solche, die schlechter verdienen, sich die Krippe leisten können», sagt die Krippenleiterin Marianne Lüthi.

Sie könne die Plätze so günstig anbieten, da sie die Raum- und Personalkosten tief halte. «Wir sind zu zweit – eine Praktikantin und ich. Und die Räume sind in meinem Haus integriert.» Zudem würde sie viel Spielzeug von Freunden und Eltern erhalten. «Wir haben nicht das Neuste, aber es spart kosten.»

Amanda Wildi-Hürsch, Fachfrau für familienergänzende Kinderbetreuung, hat noch eine weitere Erklärung für den tiefen Preis: «‹Jim Knopf› gilt eher als Tagesfamilie, da die Räume nicht ausserhalb des Wohnraumes der Leiterin sind. Deshalb muss sie auch nicht dieselben Bestimmungen erfüllen.»

Die Leiterin mache ihre Arbeit gut. Aber bei ihrem Angebot seien die Anforderungen an das Personal geringer als bei regulären Kitas.

Kita als präventive Massnahme

Im Gegensatz zur Kita «Jim Knopf» erhält die zweite Menziker Krippe Subventionen von der Gemeinde: Menziker, die ihre Kinder in die Kita «Spatze-Näscht» schicken, zahlen bis zu einem steuerbaren Einkommen von 70 000 Franken weniger als der Basispreis von 80 Franken pro Tag.

«Menziken braucht ein gutes Kinderbetreuungsangebot», sagt Vizeammann Alfred Merz. «Viele arbeiten heute auswärts. Und die Grossmütter sind oft noch berufstätig.»

Dass die Kita «Jim Knopf» nicht unterstützt werde, habe einen einfachen Grund: «2010 riefen wir eine Arbeitsgruppe ins Leben mit dem Resultat, dass der Kinderhort Mikado in das ‹Spatze-Näscht› integriert wurde. Die Gemeinde unterstützt dieses professionalisierte Angebot finanziell.»

Auch die Krippenleiterin vom «Jim Knopf» sei in der Arbeitsgruppe dabei gewesen, habe sich aber bald wieder abgemeldet. «Sie sagte, sie habe ein anderes Konzept und wolle die Krippe auf eigene Verantwortung und Rechnung führen.»

Die Krippenleiterin Marianne Lüthi sagt auf Anfrage, dass sie dennoch enttäuscht sei, dass die Eltern, die sich den Krippenplatz im «Jim Knopf» nicht leisten könnten, keine Unterstützung von der Gemeinde erhielten, wie dies im «Spatze-Näscht» der Fall sei.

Neben der Gemeinde Menziken unterstützt auch die Gemeinde Muhen die Kita im Dorf mit einem Beitrag pro Kind. Reinach zahlt jährlich einen Pauschalbeitrag von 50 000 Franken.

«Wenn die Eltern arbeiten müssen, bietet die Kita eine gewisse Aufsicht und stellt sicher, dass die Kinder nicht auf sich alleine gestellt sind», sagt der Reinacher Gemeindeschreiber Peter Walz. Die Kita sei also nicht nur ein Standortvorteil, sondern habe zudem eine präventive Funktion: «Sie unterstützt die Eltern teilweise auch bei der Erziehung der Kinder», sagt Walz.

Auch die Kita «unlimited Kids» in Staffelbach hat je nach Einkommen der Eltern unterschiedliche Tarife – und dies sogar ohne Unterstützung der Gemeinde.