Triengen
Der grosse Nager ist nun sogar am Oberlauf der Suhre zurück

Viele Biberspuren bezeugen die Anwesenheit des «Landschaftsarchitekten» auch am Oberlauf der Sure. Der Biber ist von der Aare her dorthin gewandert. Das Aargauer Gebiet entlang der Suhre hat er ausgelassen.

Peter Weingartner
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Biberspuren am Oberlauf der Sure
10 Bilder
Marlen Schäfer vor einer der eindeutigsten Biberspuren.
Jung und Alt interessieren sich für den Biber.
Klare Spuren eines Bibers.
Der Weg des Bibers zum Pflanzblätz.
Deutliche Biberspuren.
Hier hat ein Biber an der Rinde genagt.
Da war der Biber am Werk, nicht die Säge.
Der vegetarische Biber als Fischdieb.
Biberschädel zum Anfassen.

Biberspuren am Oberlauf der Sure

Peter Weingartner

Südlich von Entfelden bis zur Kantonsgrenze gibt es an der Suhre keine Bibersiedlungen. Das sagt Andres Beck der kantonale Biber-Beauftragter. Anders sieht es jedoch jenseits der Kantonsgrenze aus: Eine Exkursion von Pro Natura Zentralschweiz entlang der Sure zwischen Triengen und Büron liess staunen. Nicht, dass man den Biber gesehen hätte; das wäre mit viel Glück in der Dämmerung möglich. Die Spuren aber sind eindeutig. Ebenso klar ist, dass der Biber den Weg von der Aare die Suhre aufwärts gefunden hat. Genau so konnte er sich auch von Norden her im Wynental ansiedeln.

Früher ein Leckerbissen

Heimisch auf der Nordhalbkugel, wurde der Biber früher stark bejagt, gibt er doch als grosses Tier (25 bis 30 Kilo) einiges an Fleisch her. In katholischen Gebieten habe man ihn zum Fisch gemacht, um in der Fastenzeit fleischliche Gelüste zu befriedigen, erzählen Marleen Schäfer von Pro Natura und Priska Ineichen von der Dienststelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern.

Und obwohl er reiner Vegetarier ist, hat man ihn als Fischfresser verfolgt. Aus dem Fell machte man Biberhüte für die Mehrbessern, und dem Sekret aus einer bestimmten Drüse schrieb man heilende Wirkung zu. Kein Wunder, verschwand der Biber für 200 Jahre aus der Schweiz.

Erst seit zehn Jahren hier

Wiederansiedlungen in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts brachten das Tier zurück. Nun gibt es etwa 2800 Tiere im Land. In den späten sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurden Biber auch in der Su(h)re ausgesetzt, allerdings ohne langfristigen Erfolg. Erst seit 2006 gibt es Nachweise dafür, dass der Biber – ein oder zwei Tiere – in der Sure lebt. Die Spuren sind freilich auf mehrere Kilometer Länge verteilt. Biber oder Mensch? Frass- oder Nagespuren von Tieren oder von der Säge? Der Winkel, in welchem ein Ast durchgetrennt ist – 45 Grad – verrät das Tier, und manchmal kann man an Ästen die Zähne erkennen. Besonders eindeutig sind die «Schlammrutschbahnen», die Wechselspuren, auf denen das Tier an Land geht und sich am Mais oder an den Gemüsekulturen an der Sure gütlich tut. Die Schäden? «Peanuts im Vergleich zu Wildschweinschäden», sagt Marleen Schäfer.

Er fällt, weil er nicht klettert

Lieblingsnahrung sind sowieso die Weiden. Hier sind die Spuren deutlich zu sehen. Dass er an der Sure ganze Bäume fällt, ist selten. «Er fällt Bäume, um an die zarten Zweige zu kommen, denn er kann nicht klettern», sagt Schäfer. Damit er schafft er Lebensräume für andere Lebewesen, weshalb man ihn auch Landschaftsarchitekt nennt.

Wie siehts in der Nachbarschaft aus? Der Biber, der sich vor einigen Jahren in der Uerke angesiedelt hat, sei wieder weg, sagt Andres Beck. Es scheine, dass gewisse Bäche, so auch die Ruederche, für eine langfristige Besiedlung nicht geeignet seien. Dies im Gegensatz zur Wyna, wo Biber sich an drei Standorten halten können.

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