Ein älterer Mann mit Brille sitzt in einem dunklen Büro. Konzentriert studiert er ein handverfasstes Schreiben. Zwischen seinen Zähnen klemmt eine Schreibfeder. Auf dem Pult steht ein Tintenfass, eine Kerze und Wachs für die Siegel.

So porträtierte der Schweizer Maler Albert Anker 1874 den damals typischen Gemeindeschreiber bei der Arbeit. Auch wenn Hansjörg Baumberger den Beruf nicht mehr ganz so altmodisch erlebt hat, kommt ihm unweigerlich dieses Bild in den Sinn, wenn er an seine Kaufmannausbildung auf der Gemeinde Kirchleerau vor fast fünfzig Jahren zurückdenkt. «Damals arbeiteten wir mit mechanischen Schreibmaschinen.

Wenn wir kopieren wollten, mussten wir auf sogenannte Schnapsmatritzen eine Vorlage drucken und das Gerät von Hand drehen um die Blätter zu vervielfältigen», erzählt er. Seit dreissig Jahren arbeitet Hansjörg Baumberger als Gemeindeschreiber in Hirschthal. Seitdem hat sich nicht nur die Art des Kopierens verändert. Der grösste Wechsel steht dem Gemeindeschreiber noch bevor: Ende März wird er nach fast fünfzig Jahren arbeiten pensioniert.

Mit dem Velo um den Bielersee

Aufs Fahrradfahren freue er sich besonders. Einfach mal unter der Woche das Velo in den Kofferraum zu laden, an den Bielersee zu fahren und den See zu umrunden. «Oder vielleicht fahre ich sogar mal von hier aus nach Biel», sagt Hansjörg Baumberger. Fit genug dürfte der Gemeindeschreiber jedenfalls sein. Er fahre oft nach der Arbeit eine Stunde Fahrrad, «um den Kopf auszulüften.»

Der Beruf des Gemeindeschreibers sei sehr vielseitig. «Ich komme mit nahezu allen Belangen des Lebens in Kontakt und habe mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun.» Ausserdem fasziniere ihn das Baurecht sehr. «An mir ist ein Architekt verloren gegangen», sagt Hansjörg Baumberger. Nach der Bezirksschule wollte er eigentlich Hochbauzeichner lernen und dann in Richtung Architektur gehen. Er habe sich dann aber doch für die KV-Stifti entschieden. Später, nach zehn Jahren in der Privatwirtschaft, wurde er Gemeindeschreiber in Holderbank, vor dreissig Jahren in Hirschthal.

Früher gumpten Rössli umher

«Damals stand vor meinem Büro noch ein Bauernhaus mit Rossweide. Wenn ich aus dem Fenster schaute, sah ich die Pferde herumgumpen», erzählt Hansjörg Baumberger. Wenn man heute aus dem Fenster schaut, sieht man einen Wohnblock. Der Bauboom hat in den Siebzigerjahren begonnen. Damals wurde vor allem am Hang gebaut. «Jetzt haben wir dort fast keine freie Parzelle mehr.» Das werde in Zukunft die grösste Herausforderung für das Dorf sein. «Wir müssen verdichtet bauen. Das bedeutet, man rückt sich auf die Pelle und es wird mehr Einwendungen geben.»

Mit Ablehnungen hat die Gemeinde Erfahrung. 2008 schlug der Gemeinderat ein erstes Mal vor, die Dorffeuerwehr abzuschaffen und sich der Regiowehr Suhrental anzuschliessen. Die Skepsis der Bevölkerung war riesig, der Vorschlag wurde abgewiesen. Genau wie im Jahr 1992, als an der Talstrasse eine Mehrzweckhalle gebaut werden sollte.

«Es war eine sehr turbulente Gemeindeversammlung.» Die Leute hätten ausgerufen. «Einige sind aufgestanden und gegangen, haben die Tür geschletzt», sagt Hansjörg Baumberger.
In den dreissig Jahren in Hirschthal seien das die einzigen beiden Fälle gewesen, in denen ein Geschäft nicht angenommen worden sei. Dazu könne man auch als Gemeindeschreiber beitragen. «Man muss eine einende Rolle spielen. Wenn man das nicht tut, kann man als Gemeindeschreiber viel Chaos anrichten.»