Uerkheim

Der Gemeinderat musste hart einstecken

Erhält nicht mehr Lohn: Gemeindeammann Markus Gabriel.Mario Heller

Erhält nicht mehr Lohn: Gemeindeammann Markus Gabriel.Mario Heller

Ammann Markus Gabriel und seine Gemeinderatskollegen wollten von den Einwohnern ihrer Gemeinde Uerkheim mehr Sold. Der entsprechende Antrag an der Gemeindeversammlung wurde jedoch zum Bumerang.

Der Uerkener Gemeindeammann Markus Gabriel kam am Freitagabend mit einem guten Gefühl an die Einwohnergemeindeversammlung. Ziemlich sicher war er, dass sein Anliegen angenommen würde: mehr Lohn für ihn und andere Gemeinderatsmitglieder. Für ihn konkret eine Besoldungsverdoppelung: von jährlich 15 000 Franken auf 30 000 Franken bei einem Pensum von 30 Prozent und mehr. Wie es die Gemeindeammänner-Vereinigung empfiehlt. Aber an diesem Abend kam alles anders.

«Auch mit dieser Erhöhung, die verrückt erscheint, ist vieles noch ehrenamtlich», argumentierte er vor 85 Stimmberechtigten in der Uerkner Turnhalle. Die zeitliche Beanspruchung der Gemeinderäte habe in den letzten Jahren massiv zugenommen. Durch die Besoldungserhöhung sollten die Gemeinderäte im Geschäft das Pensum reduzieren können. Dies ermögliche dann, Privatleben, Geschäft und Gemeinderat unter einen Hut zu bringen. «Wir hoffen, dass Gemeinderäte so länger bleiben als nur wenige Monate oder wenige Jahre», wie es in Uerkheim schon mehrmals geschehen ist.

Die ersten Wortmeldungen kamen. Emotionale. Wie die vom Stimmbürger René Tresch, der zuvor bereits in einem Leserbrief an die az seine Meinung kundgetan hatte. Dass die Steuereinnahmen zunehmen, die Verwaltungskosten sowie die Personalkosten aber genauso, verursache ihm Bauchschmerzen. Er verglich Uerkheim mit anderen Gemeinden mit ähnlichen Einwohnerzahlen wie Holziken. «Alles weist darauf hin, dass der Gemeinderat seine Hausaufgaben nicht macht. Und das sollen wir jetzt noch honorieren?» Er warf weitere kritische Fragen auf und erntete schliesslich einen grossen Applaus aus dem Publikum.

Das goutierte der Gemeindeammann überhaupt nicht: Noch während des Applauses ging er ans Mikro und bat irritiert, auf Applaus zu verzichten. Weiter appellierte er indirekt, anständig zu sein. Das stiess dann vielen aus dem Publikum sauer auf, sie äusserten ihren Ärger umgehend. Markus Gabriel liess sich gar nicht gross auf die Unmutsbekundungen ein. Seine gute Laune schien aber definitiv weg zu sein. Mit Gegenfragen ging er in die Offensive. Als Tresch entspannt sagte, dass er ihm keine Antworten geben werde, eskalierte die Situation weiter. «Vermutlich kannst du es nicht», sagte der Ammann. Die Stimmung im Saal war ab diesem Zeitpunkt kaum noch zu retten. Die nächsten Bürger, die sich ans Mikro wagten, sprachen sich alle für ein Nein aus. «Ein solches Amt innezuhaben, sollte eine Ehre sein», meinte ein junger Mann. «Der Antrag kommt mitten in der Legislatur zum falschen Zeitpunkt», sagte ein anderer.

Klares Resultat in geheimer Abstimmung

Beantragt von der Finanzkommission kam es zu einer geheimen Abstimmung. Die fünf Mitglieder des Gemeinderats inklusive direkter Verwandten verliessen den Raum. Und es kam wie mittlerweile geahnt: Von 79 Stimmenden sprachen sich 72 gegen die Besoldungserhöhung aus, 6 dafür, und eine Person enthielt sich. Auch wenn der Ammann versuchte, seine Betroffenheit hinter einem Lächeln zu verstecken, merkte man ihm über die restliche Versammlung an, dass er sich mit Kraft zusammenreissen musste. Am Ende der Versammlung meint er: «Für mich hat sich nichts geändert, ich werde meine Amtszeit durchziehen.» Er müsse jetzt gewisse Sachen aber sicher überdenken. Und seine persönlichen Grenzen einhalten.

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