Beat Kappeler, Sie kommen mit einem globalen Thema in die Provinz. Was erwartet die Reinacher?

Beat Kappeler: In der Schweiz ist keine Region Provinz, wir sind ein kleines, intensiv durchwobenes Land, eigentlich eine grosse Stadt. Die Regionen in der Nähe von Zürich, Genf und Basel sind metropolitane Fenster zur Weltwirtschaft.

Zeigen Sie auf, wer die Schuld an der Finanzkrise trägt?

Kappeler: Sicher werde ich die Ursachen aufzeigen. Dies ist ja vor allem die politisch unsinnige Förderung von Wohneigentum in Amerika. Ich zeige, wie die beiden grossen US-Hypothekenbanken ihre Pakete im privaten Investmentbankensystem abluden, was dazu führte, dass sich das Problem weltweit ausbreitete. Das ist die benennbare Ursache.

So geriet wohl auch die Schweiz in diesen Strudel?

Kappeler: Nein, nur eine Bank geriet da hinein. Das wurde aber perfekt gemeistert, weil wir das Problem in der Schweiz als Erste lösten und die Banken neu strukturierten. Dies geschah noch vor den Amerikanern. So haben wir heute wieder einen intakten Finanzplatz. Die eigene Währung zeichnet sich jetzt gegenüber Europa als Vorteil aus.

Und das aufgeweichte Bankgeheimnis?

Kappeler: Mit der Neudefinition des Bankgeheimnisses haben wir auch international eine verträgliche und anerkannte Form gefunden fürs Bankengeschäft. So vertrete ich die Ansicht, dass der Schweizer Finanzplatz heute besser dasteht als vor der Krise.

Viele wollten aber am Bankgeheimnis, wie es war, festhalten?

Kappeler:Man wollte es vor allem nicht unter diesen hastigen Umständen aufgeben. Ich vertrete aber seit zwanzig Jahren die Meinung, dass das Bankgeheimnis nicht elementar ist für die Stärke des Schweizer Finanzplatzes.

Sind Boni-Banker auch Thema?

Kappeler: Kaum. Das ist eine Frage zwischen Aktionären und ihren Geschäftsleitungen. Boni werden weder von Ethikern, noch den Medien bezahlt, sondern von den zu dummen Aktionären.