Schmiedrued-Walde
Der Dorfladen ist Supermarkt und Sozialtreff in einem

Der Innerschweizer Josef Büeler betreibt seit sechs Jahren den Dorfladen in Walde. Das Hoi und Ciao sind das A und O für ihn.

Flurina Dünki
Drucken
Teilen
Für die Kunden ist Feierabend, für Josef Büeler Stosszeit.

Für die Kunden ist Feierabend, für Josef Büeler Stosszeit.

Flurina Dünki

Es geht gegen Feierabend zu, in Teilen des Ruedertals hat sich die Sonne bereits verabschiedet. Auch am Verkehr ist die Feierabendlaune ablesbar: die Fahrer drücken aufs Gas, um schnell heimzukommen. Vorher aber legen einige noch einen Stopp ein. Es muss noch schnell Brot für den Znacht, eine Milch oder das Feierabendbier besorgt werden. Für Josef Büeler heisst das: Stosszeit. Ein Kunde nach dem anderen tritt in seinen Laden in Schmiedrued-Walde gegenüber dem neuen Gemeindehaus. «Hoi Ronald, hoi Heidi» – von jedem kennt er den Namen. Wer dem jungen Mann beim Gruss in sein frohes Gesicht schaut, vergisst unverzüglich die Arbeitssorgen, die auf dem Nachhauseweg noch präsent waren.

Dabei kam der 34-Jährige eher wie die Jungfrau zum Kind zu seinem Lädeli. Im Kanton Schwyz, seiner Heimat, lernte er Konditor/Confiseur und später Koch. Er verliebte sich, zog deshalb nach Schlierbach, wo sein Lebenspartner Philipp Arnold den Dorfladen führt. Irgendwann kamen zwei Dinge zusammen: Büeler kündigte seine Arbeitsstelle, und aus dem benachbarten Walde kam die Nachricht über den Hügel, dass kein Nachfolger für den Dorfladen gefunden wird. Das war 2012. «Wir hatten keine Pläne, einen weiteren Dorfladen zu betreiben», sagt Philipp Arnold, als er in der Café-Ecke über die damalige Erweiterung erzählt. Es habe einfach gerade gepasst. So wurde Josef Büeler zum Herr Dorfladen.

Nicht zu früh in den Mittag

Verkauft werden Volg-Produkte, dazu Erzeugnisse aus der Region: Fleisch vom Reitnauer Metzger, Äpfel der Nachbarin, Mehl von der Schlossmühle. Die wichtigsten Zeiten seien der Feierabend und vor dem Mittag, sagt Büeler. «Um Viertel nach zwölf mache ich Mittagspause. Würde ich den Laden einmal schon um zwölf Uhr schliessen, dann würden mir das die Leute sehr übel nehmen, denn viele kommen noch schnell vor dem Mittag etwas kaufen. Auch Bauarbeiter für ihr Sandwich.»

Seinen Beruf hat Büeler nicht ganz aufgegeben. Er kreiert Apéroplatten mit Aufschnitt-Rosetten, Käse-Mosaiken und zu Palmen geschnitzten Honigmelonen. Somit ist er Ladenbetreiber, Café-Wirt und Caterer in einem. Auf die Frage, was ein Laden, wo das ganze Dorf einkauft, im Sortiment haben muss, antwortet er: «Das Alltägliche und noch ein bisschen darüber hinaus.» Er müsse das Sortiment so gestalten, dass der Kunde sich nicht ins Auto setzt, um in den Supermarkt zu fahren, weil er zu viele Produkte nicht bekommt, die er noch brauchen würde.

Und: der Kunde soll sich im Lädeli an der Ecke gut aufgehoben fühlen. «Nettes Begrüssen und Verabschieden sind das A und O», sagt Büeler. Auch Lehrtochter Michelle Hunziker wurde dies seit Beginn eingetrichtert. Neue Kunden zu gewinnen, sei schwierig, vor allem, weil man den Laden beim Vorbeifahren nicht gut sehe. Zwar steht er nur ein paar Meter von der Dorfstrasse entfernt, ist aber für den Autofahrer hinter den Bäumen nicht sichtbar.

Immer mehr Leute kommen in den Laden, die Schiebetüre geht kaum noch zu zwischen zwei Kunden. Ein paar junge Frauen sind mit Zalando-Paketen beladen – für die Poststelle im Shop. Ein paar Handwerker, die eben ein Bier gekauft haben, stehen nun draussen um den Stehtisch.

«Jammern bringt nichts»

Das Lädeli im Dorf scheint unersetzlich. Doch auch sie merken den Rückzug der Kunden aus den Dorfläden. «Jammern bringt sicher nichts», sagt Arnold. Sehr hilfreich sei, wenn die Gemeinde wie hier hinter dem Dorfladen stehe und die Leute sensibilisiere. Im Moment können sie gut davon leben, auch weil sie zusätzliche einen Wein- und Getränkehandel betreiben. Aber bis ans Äusserste gehen würden sie nicht. Sollte die Kundenzahl dereinst zu sehr zurückgehen, würden sie den Mietvertrag kündigen.

Noch aber kaufen genug Ruedertaler im Dorfladen ein. Wohl auch deshalb, weil Josef Büeler die Wünsche seiner Kunden gut kennt – und sich nach ihnen richtet. Etwa für jene Dame, die für das Urnengrab in ihrem Garten regelmässig Grabkerzen kaufen kommt. Für ihr Produkt ist im Regal eine ganze Etage reserviert.

Aktuelle Nachrichten