Menziken
Der Billettschalter ist künftig auch ein Kiosk

AAR bus+bahn integriert einen in Eigenregie geführten Kiosk in Ihre Verkaufsstelle – der heutige K-Kiosk macht zu.

Rahel Plüss
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Seit bald 14 Jahren bedient Geschäftsführerin Renate Kausch ihre Kundschaft. rap

Seit bald 14 Jahren bedient Geschäftsführerin Renate Kausch ihre Kundschaft. rap

Rahel Plüss

Am Billettschalter im Menziker Bahnhof gibts künftig auch Sandwiches. Nein, die Eingeklemmten werden natürlich nicht durch den Drehteller gepresst. Wie bereits in Muhen, Oberentfelden oder Gränichen erprobt, will AAR bus+bahn das Geschäft ausweiten und einen in Eigenregie geführten Kiosk mit Shop in ihre Verkaufsstelle integrieren. Das entsprechende Bau- und Umnutzungsgesuch wurde von der Gemeinde bewilligt. Gegenwärtig werde zusätzliches Verkaufspersonal rekrutiert, sagt Erwin Rosenast, Mediensprecher AAR bus+bahn, auf Anfrage der az.

Das Vorhaben ist erst mal eine gute Nachricht, für die Kundschaft und für die Gemeinde. Bedeutet dies doch, dass der Bahnhof weiterhin besetzt bleibt, was unbestritten «zur Attraktivität des Dorfes beiträgt», wie Gemeinderat Jürg Rubin sagt. Er persönlich schätze es, sein Billett am Schalter beziehen und noch das eine oder andere zur Reise fragen zu können. Gerade bei einem Kopfbahnhof finde er es wichtig, dass dieser besetzt sei, so Rubin weiter, und ganz allgemein sei schliesslich ein verwaister Bahnhof nichts Attraktives.

Vertrag mit Valora gekündigt

Was aber passiert mit dem bestehenden Kiosk nebenan? «Geplant ist, dass er in die Verkaufsstelle von AAR bus+bahn integriert und in Eigenregie geführt wird», sagt Mediensprecher Erwin Rosenast. Der Vertrag mit der Kioskbetreiberin, der Valora-Gruppe, ist gekündigt. Ende Jahr muss sie ihren K-Kiosk schliessen. Das bestätigt Mladen Tomic, Unternehmenssprecher der Valora. «Wir bedauern das sehr, uns sind da als Mieter aber natürlich die Hände gebunden.» Für die langjährige Kiosk-Geschäftsführerin, Renate Kausch, und ihr Team bedeutet die Schliessung des Bahnhofkiosks nach 14 Jahren erst mal das Aus. Ob die Mitarbeitenden – wie bei Valora in solchen Fällen üblich – bei einem anderen K-Kiosk in der Region unterkommen, sich auf eigenen Wunsch neuorientieren oder gar am Menziker Bahnhof bleiben, ist noch offen.

Voraussichtlich Anfang November zügelt die Billett-Verkaufsstelle in ein Provisorium, damit die Umbauarbeiten in der Schalterhalle starten können. Läuft alles nach Plan, sollten sie bis Ende Jahr abgeschlossen sein. Die Eröffnung der neuen Verkaufsstelle ist auf Anfang 2017 terminiert.

Persönliche Beratung beibehalten

«Wir wollen – das sieht auch unsere Firmenstrategie so vor – die persönliche Beratung und den Billettverkauf vor Ort beibehalten», begründet Rosenast den geplanten Schritt. Denn die Nachfrage an Beratungen sei nach wie vor hoch. Das Problem, Rosenast macht kein Geheimnis daraus, liege beim klassischen Billettverkauf. «Der rentiert einfach nicht mehr.» Zu gross sei die Konkurrenz durch andere Kanäle wie Smartphones oder Internet. «Damit wir unsere betriebswirtschaftliche Verantwortung wahrnehmen und unsere persönliche Beratungstätigkeit und den Verkauf vor Ort weiterführen können, müssen wir unser Geschäft auf andere Bereiche ausweiten.» Voraussetzung für das Gelingen sei, dass die Angebote von der Bevölkerung auch genutzt würden.

Dass man bei der Valora-Gruppe wenig erfreut ist über die Verdrängung durch den Bahnbetreiber, ist keine Überraschung. Trotzdem, der Kioskbetreiber nimmts einigermassen gelassen: «Wir betreiben weit über 1000 kleinflächige Retail-Standorte in der ganzen Schweiz», so Mladen Tomic, «und sehen auch andernorts Potenzial.»