Safenwil

Der beleuchtete Turm der reformierten Kirche ruft Naturschützer auf den Plan

Schöner Akzent oder unsinnig? Beleuchtete reformierte Kirche.kae

Schöner Akzent oder unsinnig? Beleuchtete reformierte Kirche.kae

Die reformierte Kirche wird zurzeit beleuchtet. Doch daran haben nicht alle Freude. Das sei Energieverschwendung und störe nachtaktive Tiere, sagen Gegner der Beleuchtung.

Die meisten Safenwiler nahmen es irgendwann eher überrascht zur Kenntnis: Seit ein paar Wochen erstrahlt der Turm der reformierten Kirche in ihrem Dorf in der Dunkelheit. Allerdings: Was den einen gefällt, mögen andere überhaupt nicht. Und so kommt die Idee, mit der die Gemeinde eigentlich künftig einen schönen Akzent setzen möchte, nicht durchwegs gut an.

Eine «unüberlegte und überflüssige Aktion», findet Heiner Sidler. «Nach oben gerichtete Lichter stören nachtaktive Tiere», erklärt er unter anderem zu seinem Unmut, dem er öffentlich Luft macht. In einem Leserbrief im «Zofinger Tagblatt» weist er speziell darauf hin, dass die Kirche Safenwil auch Quartier von Fledermäusen sei, was besondere Aufmerksamkeit erfordere. Im Übrigen wundere er sich, dass eine solche Beleuchtung offenbar ohne Baubewilligung montiert werden könne.

Die Beleuchtung ist erst ein Test

Ohne Bewilligung? – «Von unserer Seite gab es sicher keinen festen Auftrag für eine Beleuchtung», sagt Heidi Bürge von der Kirchenpflege. Sie weist indes darauf hin, dass das Thema vor rund einem Jahr von Gemeinde und Kirchenpflege einmal andiskutiert worden sei. Dabei sei es um Abklärungen gegangen, inwiefern sich eine Beleuchtung technisch machen liesse.

Die Nachfrage beim Gemeinderat ergibt: Die aktuelle Beleuchtung der Kirche ist ein Testlauf. «Die Scheinwerfer sind nur provisorisch», macht Gemeinderat André Diefenbacher klar. Zu den Beweggründen für eine Beleuchtung führt er an: «Wir haben in Safenwil eine schöne Kirche und die Idee war, dass man sie doch noch besser beziehungsweise auch nachts zeigen möchte.» Mit Widerstand habe man eigentlich nicht gerechnet, so Diefenbacher, auch anderswo seien ja Kirchen beleuchtet.

Der Test, in dessen Verlauf der Kirchturm jeweils am späteren Abend für etwas mehr als zwei Stunden aus Richtung Pfarrhaus, also von östlicher Seite her, von unten beleuchtet wird, dürfte noch bis Ende August dauern. Gemäss Gemeindeammann Daniel Zünd soll er unter anderem zeigen, welche Art der Beleuchtung von welchem Standort her möglich wäre, und Aufschluss über die zu erwartenden Kosten geben. Eine allfällige entsprechende Investition würde schliesslich in die ordentliche Budgetphase einfliessen.

Die inzwischen insbesondere mit Blick auf die Fledermäuse laut gewordene Kritik bleibt allerdings nicht ohne Folgen. So sollen Sachverhalt und Problem nun zusammen mit dem Fledermausschutz-Beauftragten des Kantons, Andres Beck, genau angeschaut und geklärt werden, wie André Diefenbacher bestätigt.

Tatsächlich wurden in der Kirche Safenwil anlässlich des systematischen Fledermausinventars im Kanton Aargau vor rund 20 Jahren Fledermäuse nachgewiesen. Fledermaus-Spezialist Beck nennt das Braune Langohr und das Grosse Mausohr. Im laufenden Jahr seien zwar keine Weibchen mit Jungen vor Ort gefunden worden, doch zeigten Kotspuren im Turm, dass die Kirche dennoch als Quartier gebraucht werde und ein potenzieller Standort auch für eine Fledermaus-Wochenstube sei.

Sollen solche Objekte beleuchtet werden, müssten zumindest Massnahmen getroffen werden, die sicherstellten, dass die Fledermäuse nicht vertrieben würden, erklärt er mit Verweis darauf, dass alle einheimischen Fledermausarten bundesrechtlich geschützt sind. Dabei könne es beispielsweise um Ort, Ausrichtung und Art der Beleuchtung gehen.

Gegen «Lichtverschmutzung»

Kritiker Heiner Sidler würde lieber gar keine Beleuchtung der Kirche sehen. Dies nicht allein wegen der negativen Auswirkungen von zu viel Kunstlicht auf Fledermäuse, aber auch Vögel, namentlich Zugvögel, und Insekten. Sidler, Mitglied des Naturschutzvereins sowie im Vorstand der Astronomischen Vereinigung Aarau und entsprechend sensibilisiert für das Thema der sogenannten Lichtverschmutzung, ergänzt, dass mit solchen Aktionen nicht nur zu viel Energie verschleudert werde, sondern eben auch ein «wichtiges Kulturgut verloren geht: der Sternenhimmel». Auch Einwohner Ernst Leuenberger, dem der Schutz der Fledermäuse ebenfalls ein Anliegen ist, setzte sich in einem Leserbrief mit dem Sinn von Beleuchtungen auseinander. «Wir brauchen zu viel Strom im ganzen Dorf für nichts und wieder nichts», schrieb er ferner und äusserte die Vermutung, dass doch ohnehin wohl kaum jemand nachts den Kirchturm bestaune.

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