Corona-Lösung
Der «Bären» bietet neu Take-away – und Suure ist Mocke immer dabei

Der «Bären» in Holziken bietet neu an den Wochenenden Take-away an. Das bringt nicht nur Hungrigen Vorteile.

Cynthia Mira
Drucken
Teilen
Im «Bären» bilden Irene Müller und Werner Nussbaum (ganz rechts) seit zehn Jahren Lehrlinge aus. In der Mitte (v.l.): Lehrling Noah Rothenbühler, Sous-Chef Sven Haller, Lehrling Ismail Ademi.

Im «Bären» bilden Irene Müller und Werner Nussbaum (ganz rechts) seit zehn Jahren Lehrlinge aus. In der Mitte (v.l.): Lehrling Noah Rothenbühler, Sous-Chef Sven Haller, Lehrling Ismail Ademi.

Britta Gut

Wer sich ein gutbürgerliches Menü mit Kartoffelstock und Suure Mocke auch in Zeiten von Corona nicht entgehen lassen will, der ist im Gasthaus Bären in Holziken an der richtigen Adresse. Das Restaurant bietet neu am Freitag- und Samstagabend verschiedene Menus als Take-away an. Die Preise liegen zwischen 18 und 30 Franken. Bestellungen werden ab 14 Uhr telefonisch entgegengenommen. Ab 18 Uhr ist die warme Mahlzeit dann abholbereit.

Dieser Service sei ein Tropfen auf dem heissen Stein, sagt «Bären»-Besitzerin Irene Müller. Seit 2003 führt sie das Gasthaus mit seinen 160 Sitzplätzen und einer Geschichte, die zurückgeht bis ins Jahr 1755, mit Geschäftspartner Werner Nussbaum. Eine Erfolgsgeschichte, wie sich besonders jetzt in der Krise zeigt: «Es ist das erste Mal in all den Jahren, dass der Umsatz nicht nach oben geht», sagt sie. Dennoch sei der «Bären» gut aufgestellt, sodass sie keineswegs zittern müssten. «Wir leben von unseren Reserven und den Entschädigungen für Kurzarbeit.»

Das Take-away-Angebot muss deshalb nicht in erster Linie finanzielle Lücken schliessen. Vielmehr soll es kurze Begegnungen an der Tür ermöglichen: «Es geht uns auch darum, unsere Gäste begrüssen zu können und sie nach so langer Zeit zu fragen, wie es ihnen geht», sagt Müller. Sie seien auch dankbar für die grosse Unterstützung ihrer Stammgäste, ergänzt Nussbaum. Mit der Anzahl der Bestellungen seien sie zufrieden.

Lehrlinge können dank Take-away weiter lernen

Das Angebot hat einen weiteren Vorteil: Im Betrieb arbeiten zwei Lehrlinge. Sie profitieren, wenn Essen bestellt wird. Denn wegen der Coronapandemie können sie kaum praktische Erfahrungen sammeln. Ismail Ademi beispielsweise legt im Mai seine Abschlussprüfung ab. Und dies, obwohl das Restaurant mehrere Wochen geschlossen blieb und auch jetzt die Stühle wieder auf den Tischen bleiben müssen. Noah Rothenbühler ist sich im ersten Lehrjahr und blickt auf ein sonderbares Ausbildungsjahr zurück. Die beiden sind - wie alle im fünfzehnköpfigen Team - in Kurzarbeit. «Mit dem Take-away sind sie zumindest einmal in der Woche vor Ort in der Küche», sagt Müller. Bei Fragen können sich die beiden an den Souschef Sven Haller wenden. Auch er hat seine Lehre im «Bären» absolviert und ist geblieben.

Das Fleisch stammt aus der eigenen Produktion

Ausgebildet werden alle Lehr-linge von Chefkoch Werner Nussbaum. Er ist nicht nur Koch, sondern auch Metzger und sorgt persönlich dafür, dass am Schluss ein zartes Stück Fleisch auf dem Teller liegt. «Im Herbst erscheint der Jäger mit dem Tier direkt bei uns vor der Türe», sagt er. «Die Gäste wollen wissen, woher das Essen stammt.» Auch hier punktet der «Bären». Denn Müller führt mit ihrer Familie einen Hof in Ufhusen, Kanton Luzern. Das Fleisch kommt von dort, während etwa Brotreste, die nicht gegessen werden, wiederum ihren Schafen als Futter dienen. Das Gasthaus bietet somit Zutaten aus eigener Produktion an. Auch ein kleiner Laden mit allerlei Wurst- und Fleischwaren gehört dazu und ist zurzeit geöffnet.

Müller hebt auch die positiven Aspekte der Coronakrise hervor. Klar, man müsse sich hinsetzen und die Formulare ausfüllen. Das habe viel Zeit in Anspruch genommen. «Dafür bin ich jetzt Profi, wenn es um administrative Belange geht», sagt sie und lacht. Zudem wurde der Keller geräumt und einige Wände neu gestrichen. «Ich hatte auch wieder mehr Zeit für die Familie und meine beiden Zwillingstöchter.» Nichtsdestotrotz sei klar: «Wir freuen uns alle, wenn wir den ‹Bären› wieder öffnen können.» Sie wünsche allen Wirtsleute Durchhaltewille, Zuversicht und Hoffnung.