Fusion Attelwil Reitnau

«Der Ausgang der Fusions-Abstimmung ist noch völlig offen»

Sieht seine Gemeinde ohne Fusion in Schwierigkeiten: Attelwils Ammann Roger Lehner.

Sieht seine Gemeinde ohne Fusion in Schwierigkeiten: Attelwils Ammann Roger Lehner.

Attelwil Ammann Roger Lehner erklärt die Fusionsängste mancher Bürger und sagt, warum ein Zusammenschluss mit Reitnau nötig ist

Dem Zusammengehen mit Reitnau hatte die Gmeind Attelwil am 21. September nur knapp zugestimmt. Seither werden im Dorf die Fusionsgegner immer lauter (AZ von gestern). Gemeindeammann Roger Lehner geht im Interview auf deren Ängste ein.

Warum ist plötzlich dieses starke Heimatgefühl in den Attelwilern aufgekommen?

Roger Lehner: Die nahende Fusionsabstimmung bewegt die Gemüter stark in unserer Bevölkerung. Dies war auch kurz vor und an der Gemeindeversammlung festzustellen. Mit der Gemeinde, ihrem Namen und Wappen sowie mit unserer Landwirtschaft sind starke Emotionen verbunden.

Wie erklären sich die aufkeimenden Ängste gegen die Fusion mit Reitnau?

Attelwil ist mit rund 285 Einwohnerinnen und Einwohnern die deutlich kleinere Gemeinde. Beide Gemeinden sind aufgrund des alten Finanzausgleichssystems finanziell noch gut aufgestellt, es besteht jedoch die Befürchtung, dass die kleinere Gemeinde mit ihrer besseren Vermögenslage ihre Mittel an die Partnergemeinde verlieren könnte. Die Mittel der fusionierten Gemeinde und der Fusionsbeitrag des Kantons stehen jedoch für den Unterhalt aller Ortsteile der neuen Gemeinde zur Verfügung. Der zweite Punkt betrifft die Landwirtschaft: Es wird befürchtet, dass künftig das bisherige Pachtland der Ortsbürgergemeinde Attelwil an andere Pächter der fusionierten Gemeinde zugewiesen werden könnte. Die bestehenden Pachtverträge werden jedoch 2018 wiederum für sechs Jahre verlängert und dürften auch vom Gemeinderat der neuen Gemeinde nicht ohne Not angetastet werden. Auch das Meliorationsprojekt würde trotz Fusion getrennt nach Ortsteilen mit separaten Kommissionen weitergeführt. Drittens wird argumentiert, dass der Fusionsvertrag einseitig sei und Attelwil nur benachteilige, obwohl die Lösungsvorschläge in paritätischen Arbeitsgruppen mit Einbezug der Bevölkerung erarbeitet wurden.

Welches Gefühl steigt in Ihnen auf, wenn Sie nach all dem betriebenen Aufwand für die Fusion ins Dorf hineinfahren und die Nein-Plakate und Attelwiler Flaggen sehen?

Wir erleben nun die heisse Phase des Abstimmungskampfes nach einer sehr gut besuchten, intensiven Gemeindeversammlung. Nach deren Ergebnis (mit 51 zu 41 Stimmen wurde die Fusion angenommen, Anm. der Red.) ist auch der Ausgang der Urnenabstimmung noch völlig offen. Aus demokratischer Sicht ist es doch toll, dass beide Lager mit Gesprächen, Fahnen, Plakaten und Flyern bis zum Schluss mobilisieren. Allein für diese Grundsatzdiskussion und Weichenstellung hat sich der Projektaufwand gelohnt. Es bleibt zu hoffen, dass weiterhin fair debattiert wird. Die Gemeinderäte verurteilen Sabotageakte wie die Beschädigung eines Plakates der Fusionsgegner am Dorfeingang.

Können Sie uns in drei Sätzen sagen, warum die Fusion zwischen Attelwil und Reitnau nötig ist?

Mit einer Fusion benötigen wir deutlich weniger Gemeinderäte, Behörden- und Kommissionsmitglieder und haben weniger Doppelspurigkeiten in unserer gemeinsamen Gemeindeverwaltung. Die beiden finanziell gut aufgestellten Gemeinden erhalten ab 2018 deutlich weniger Finanzausgleich und können diese negativen Auswirkungen durch eine Fusion sowie den Fusionsbeitrag des Kantons besser abfedern. Schliesslich sind die beiden Gemeinden heute schon durch Bereiche wie Schule, Feuerwehr, Kultur und Gemeindeverwaltung miteinander verbunden, weshalb die Fusion der nächste logische Schritt in die Zukunft ist.

Welche Konsequenzen hätte ein Nein an der Urne?

Ein Nein wäre ein demokratischer Entscheid der Bevölkerung und ein strategischer Auftrag an den Gemeinderat, in den nächsten Amtsperioden unsere kleine Gemeinde auf Autonomiekurs weiterzusteuern. Wichtig ist, dass nach der Urnenabstimmung die unterliegende Minderheit den Entscheid mittragen kann, und dass es uns gelingt, den emotionalen Graben zwischen den verschiedenen Gruppierungen wieder zu schliessen.

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